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Puzzle oder Notebook – Wie früh sollten wir Kinder digital erziehen?

Für viele Kinder beginnt dieser Tage der „Ernst des Lebens“: die Schule. Fächer wie Mathe oder Deutsch stehen selbstverständlich auf dem Stundenplan. Doch sollten Kinder auch digital erzogen werden?

Ab der 1. Klasse müsste es das Fach Medienerziehung geben

Valentina Daiber
  • Eltern sollten Kinder so früh wie möglich an digitale Geräte heranführen
  • Bayerns Handyverbot an allen Schulen müsste endlich korrigiert werden
  • Deutschland ist bei der Vermittlung von IT-Fähigkeiten ein Flickenteppich

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Die digitale Medienkompetenz Deutschlands hat einen großen Anteil daran, dass unsere Wirtschaft wettbewerbsfähig ist und sicher auch bleibt. Doch mit der Digitalisierung der Arbeit, die wir derzeit unter Stichworten wie Arbeit 4.0 und Industrie 4.0 erleben und diskutieren, gilt das lange bekannte Mantra des lebenslangen Lernens umso mehr. Besonders die Digitalisierung macht es notwendig, sich immer schneller auf neue Themen einstellen zu können. Diese Fähigkeiten und die Bereitschaft dazu müssen frühzeitig gefördert und vermittelt werden.

Kinder sollten deshalb so früh wie möglich an digitale Geräte herangeführt werden, um sich ihnen lernend zu nähern. Es ist nicht zu verteufeln, sondern zu begrüßen, wenn Kleinkinder – etwa mit ihren Großeltern – skypen, die ersten haptischen Erfahrungen mit Smartphone und Tablet machen oder schon einfachste Spiele ausprobieren. Kinder erleben heute nämlich alltäglich, wie ihre Eltern diese Technologie nutzen. Da ist es doch selbstverständlich, dass sie auch zum Tablet greifen wollen.

Für Kinder existiert ein reichhaltiges Angebot an angemessenen Apps

Smartphones, Konsolen und Computer sollten aber gewiss nicht als Abstellplatz für Kinder dienen, sondern ihnen einen guten Weg ins digitale Leben ermöglichen. Aus dem Grund ist es wichtig, dass Eltern eine angemessene Mediennutzung sicherstellen und ihre Kinder stetig begleiten. Im frühen Kindesalter steht das spielerische Element mit den Geräten im Vordergrund. So existiert insbesondere für Kleinkinder ein reichhaltiges Angebot an attraktiven und angemessenen Applikationen für Smartphones und Tablets, mit denen Kinder zusammen mit ihren Eltern die digitale Welt kennenlernen können.

Die Erziehungsberechtigten sollten dabei jedoch zwingend von Kindergärten und Schulen unterstützt werden. Medienpädagogische Angebote gilt es daher quer durch die Republik auch in Kindergärten einzuführen.

Das reicht aber nicht aus. Klar ist: Deutschland ist mittlerweile reif für eine Digitalisierungsoffensive der Schulen. Das bedeutet, auch die Schulen müssen ihrer Verantwortung gerecht werden. Es sollte deshalb in allen Schulen Deutschlands ab der 1. Klasse das Fach Medienerziehung unterrichtet werden. Dort könnten die Kinder strukturiert mit verantwortlicher Mediennutzung vertraut gemacht und auf die Digitalisierung vorbereitet werden. Die Aufnahme des Fachs in das Curriculum bedeutet sicherlich einen Kraftakt für die Schulen – vor allem in Hinsicht auf die notwendige Lehrerfortbildung.

Kinder sollten frühzeitig für neue Berufe in der IT begeistert werden

Vor zehn Jahren entwickelten wir einen Handykurs für Grundschüler. Doch die Materialien wurden nur von wenigen Schulen abgerufen. Maßgeblich lag der mäßige Erfolg seinerzeit auch daran, dass die Lehrer noch nicht genügend für die Anforderungen der Digitalisierung sensibilisiert waren, die Vorbehalte waren groß. Das ist heute in den meisten Schulen glücklicherweise anders.

Aus meiner Sicht ist es zudem wichtig, dass Schülerinnen und Schüler nicht nur Medienkompetenz erwerben, sondern auch schon frühzeitig für neue Berufe in der IT begeistert werden. Doch in diesem Punkt wirkt Deutschland derzeit noch wie ein Flickenteppich, was die Ausstattung und die zu lehrenden Inhalte in den Schulen angeht. Für die Vermittlung von entsprechender Medienkompetenz ist es wenig zielführend, wenn in einigen Schulen oder Klassen kein PC oder Whiteboard vorhanden ist. Bayerns schon seit 2006 existierendes Handyverbot an allen Schulen des Bundeslands ist ebenfalls ein Schritt in die falsche Richtung und muss aus meiner persönlichen Sicht korrigiert werden.

Positiv ist aber, dass es in Bayern einen verpflichtenden Informatikunterricht in der weiterführenden Schule gibt – das sollten sich andere Bundesländer zum Vorbild nehmen. Mir ist aber bewusst, dass eine flächendeckende Ausstattung mit den technischen Geräten in der gesamten Bundesrepublik sicherlich nicht sofort umsetzbar ist. Aus dem Grund können Kooperationen zwischen Schulen und der Industrie für Abhilfe sorgen.

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Valentina Daiber
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Valentina Daiber

Director Corporate Affairs, Telefónica Germany

Valentina Daiber ist Director Corporate Affairs und Mitglied der Geschäftsleitung bei Telefónica Germany. Hier verantwortet sie neben den Bereichen Regulierung und Public Affairs unter anderem auch Corporate Responsibility. Sie ist Mitglied des Vorstands der Stiftung Digitale Chancen. Zuvor arbeitete die Juristin am Institut für Europäisches Medienrecht in Saarbrücken sowie für die damalige Landeszentrale für private Rundfunkveranstalter in Ludwigshafen. Valentina Daiber ist verheiratet und hat einen Sohn.

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