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Nach Druck aus den USA: Muss die Bundeswehr aufrüsten?

Bei ihrem Treffen am Freitag mit dem US-Präsidenten will Kanzlerin Merkel auch das Thema Verteidigung ansprechen. Trump hatte eine Aufrüstung gefordert, die hierzulande nicht nur Befürworter findet.

Abrüsten, nicht Aufrüsten ist das Gebot der Stunde

Christine Buchholz

verteidigungspolitische Sprecherin, Fraktion DIE LINKE

Christine Buchholz
  • Seit Jahren wird der Militärhaushalt aufgestockt – anders als behauptet
  • Da dies bei der Bevölkerung unpopulär ist, werden Sachzwänge gesucht
  • Die Forderung des US-Präsidenten spielt der Regierung in die Karten

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Deutschland ist neben Frankreich und Großbritannien die stärkste Militärmacht in Westeuropa. Anders, als in der Öffentlichkeit behauptet, steigt der Militärhaushalt seit Ende der 90er-Jahre kontinuierlich an. Doch der jetzigen Bundesregierung reicht das nicht. Sie will die Bundeswehr weiter aufrüsten. Zu diesem Zweck wurde die Gründung einer eigenen Cyber-Teilstreitmacht beschlossen, die Entwicklung eines neuen Mehrzweckkampfschiffes und einer eigenen Kampfdrohne, die Beteiligung an weiteren Militärsatelliten sowie die Beschaffung von über 50 Militärtransportern A400M oder die Aufstockung des Heeres mit Hunderten neuer Kampf- und Schützenpanzer.

Diese Liste ließe sich lange fortsetzen. Die vor einem Jahr von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen verkündete „Agenda Rüstung“ sieht 1600 Einzelmaßnahmen im Umfang von 130 Milliarden Euro vor.

Doch die Bundesregierung hat ein Problem: Die Aufrüstung ist genauso unpopulär wie die wachsende Anzahl immer neuer Auslandseinsätze der deutschen Streitkräfte. Deshalb braucht sie vermeintliche Sachzwänge, um der Bevölkerung ihre überaus teuren militärischen Ambitionen verkaufen zu können.

Kritik aus den USA kommt wie gerufen

Diese Funktion erfüllte in den vergangenen Jahren die aufgeregte Debatte um eine vermeintlich herabgewirtschaftete Bundeswehr. So wurde beispielsweise die niedrige Zahl beim einsatzfähigen Großgerät bemängelt, der sogenannte Klarstand. Verschwiegen wurde, dass die Klarstandsquoten bei der Bundeswehr nicht niedriger als beispielsweise bei der US-Luftwaffe sind. Abseits der öffentlichen Debatte schlugen führende Militärs im Übrigen ganz andere Töne an. So betonte Heeresinspekteur Jörg Vollmer im Februar 2016: Das deutsche Heer verfüge über modernes Gerät, welches es „in den verschiedenen Einsatzgebieten flexibel, reaktionsfähig, vor allem aber durchsetzungsfähig macht“. Es besitzt eine „weitgehend bedarfsgerechte Ausstattung“.

Nach dem Ende der Pannendebatte kommt nun die neue Kritik aus den USA wie gerufen. US-Präsident Donald Trump und sein Verteidigungsminister James N. Mattis drohen mit Rückzug aus der NATO, sollten die europäischen Partner ihren Militärhaushalt nicht auf 2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts steigern. Das hieße für Deutschland einen Aufwuchs um zusätzlich 25 Milliarden Euro jährlich. Das liefe darauf hinaus, den deutschen Militärhaushalt nahezu auf Augenhöhe mit jenem der Atommacht Russland zu bringen.

Aufrüstung ist ein Teufelskreis

Verteidigungsministerin von der Leyen drängelt sich seit jeher im Konflikt mit Russland nach vorn, wie jüngst bei Übernahme der Führung eines NATO-Bataillons in Litauen. Die Forderungen aus Washington hält sie daher für „plausibel“. Die US-Regierung kritisiert nicht die Bundesregierung, sie spielt ihr vielmehr die Bälle zu.

Diese Politik macht weder Deutschland noch Europa sicherer. Sie trägt stattdessen dazu bei, dass sich die Rüstungsanstrengungen gegenseitig aufschaukeln. Dieser Teufelskreis aus immer neuen Einsätzen, immer mehr Aufrüstung und immer mehr Unsicherheit muss durchbrochen werden. Es ist Zeit, den Militärhaushalt herunterzufahren und die Bundeswehr aus den Auslandseinsätzen zurückzuziehen.

Veröffentlicht:

Christine Buchholz
© Die Linke
Christine Buchholz

verteidigungspolitische Sprecherin, Fraktion DIE LINKE

Christine Buchholz (Jg. 1971) ist Mitglied des Bundestages und verteidigungspolitische Sprecherin und religionspolitische Sprecherin für die Fraktion DIE LINKE. Sie studierte von 1991 bis 1998 Erziehungswissenschaft und Sozialwissenschaften mit Schwerpunkt Politik und Religion an der Universität Hamburg. Sie ist Mitglied in der Gewerkschaft ver.di. Ab 2002 arbeitete sie als freiberufliche Redakteurin und von 2005 bis 2009 als wissenschaftliche Mitarbeiterin einer Gruppe Bundestagsabgeordneter der Linksfraktion.

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