Probleme beim Einloggen

Helikopter-Eltern: Wie viel Vorsicht tut unseren Kindern gut?

Eltern wollen nur das Beste für ihr Kind. Doch immer häufiger übertreiben sie es mit ihrer Fürsorge. „Helikopter-Eltern“ machen dabei nicht nur den Kindern das Leben schwer, sondern auch sich selbst.

Alle Eltern sollten einen Führerschein in Erziehung machen

Veronica Ferres

Schauspielerin und Mutter

Veronica Ferres
  • Als Mutter kann ich die übertriebene Sorge vieler Eltern um ihre Kinder verstehen
  • Trotzdem muss man einen Mittelweg finden zwischen Überwachung und Loslassen
  • Eltern müssen sich bewusst werden, wie sich ihr Verhalten auf ihre Kinder auswirkt

36.004 Reaktionen

Als Schauspielerin habe ich das große Glück, immer wieder in unterschiedliche Rollen und Charaktere schlüpfen zu dürfen. Wie zum Beispiel in Ulla, eine knallharte Strafrichterin aus meinem neusten Film, „Unzertrennlich nach Verona“. Sie ist nicht nur im Beruf pedantisch, sondern schwört auch bei der Erziehung ihrer Tochter Julia auf absolute Kontrolle. Als Julia plötzlich beschließt, Hals über Kopf nach Verona zu fahren, um dort ihre Internetliebe zu treffen, macht Ulla verständlicherweise Terz und tut alles, um ihr Kind vor der bösen Welt da draußen zu bewahren. Was das für ein Drama gibt, können Sie sich vermutlich vorstellen.

Tatsächlich, und so geht es wahrscheinlich den meisten Eltern, kann ich Ulla absolut verstehen. Ich bin selbst Mutter und habe schon viele Tage und Nächte mitgemacht, in denen ich besorgt war um die Kinder, obwohl ich das im Nachhinein gar nicht hätte sein müssen. Die eigenen Ängste nicht auf die Kinder zu übertragen ist dabei wohl die größte Herausforderung. Sie sollen ja schließlich neugierige Freigeister werden und die Welt erkunden.

Wir Eltern meinen es doch liebevoll

Dass das alles nicht so einfach ist, spüre ich leider jeden Tag. Manchmal fällt es mir unfassbar schwer, loszulassen, weil man als Mutter ja ganz genau weiß, dass die Welt nicht immer eine gute ist. In solchen Situationen muss ich mir oft einen Ruck geben und sagen: „So: Jetzt geht sie halt einfach mal mit der Freundin allein in die Stadt.“ Dann muss ich ihr einfach vertrauen und sie rausschicken, damit sie selbst lernt, in der Welt da draußen zurechtzukommen. Tief in mir drin bin ich natürlich trotzdem besorgt.

Letztendlich, das wird in der Diskussion oft vergessen, kommen all die Sorgen ja von einem Standpunkt der Liebe. Es geht ja nicht darum, Kinder absichtlich zu erdrücken oder ihnen den Spaß zu verderben, und das sollte man ihnen auch genau so klarmachen. Kompromisse in Form von Smartphone-Apps, die anzeigen, wo sich die Kinder gerade aufhalten, helfen da zum Beispiel oft ganz gut. Dann muss man den Nachwuchs nicht ständig mit Anrufen nerven und ihn nicht immer wieder aufs Neue mit seinen eigenen Sorgen belasten. Aber das muss man offen besprechen, und das Kind muss es auch wollen. Ich habe meine Tochter darum gebeten, dass sie mir ein Foto vom Nummernschild schicken soll, sobald sie in ein Taxi steigt, wie in unserem Film. Dann weiß ich zumindest, mit welchem Fahrer sie unterwegs ist, und bin einfach beruhigter.

Zum Autofahren braucht man einen Führerschein – Kinder machen kann jeder

Eine große Rolle, inwieweit ich meine Tochter „einfach mal machen“ lassen kann, spielt übrigens auch ihr Umfeld. Ich habe ihr von Anfang an erlaubt, dass sie ihre Freunde jederzeit mit nach Hause bringen kann – so haben die Kinder einen geschützten Rahmen, ich brauche mir keine Sorgen zu machen und lerne gleichzeitig die Freunde kennen. Übernachtungen oder Partys am späten Abend kann ich dann einfach viel entspannter begegnen. Und von dieser Entspanntheit haben alle was.

Und trotzdem weiß ich, dass auch ich nicht immer alles richtig mache. Woher soll man das auch wissen, fürs Elternsein gibt’s ja schließlich keine Anleitung. Umso wichtiger finde ich, dass alle werdenden Eltern zumindest einen Grundkurs in Erziehung absolvieren müssen, mit einer Prüfung am Ende wie beim Führerschein. Nur so wissen Eltern, egal wie jung oder alt sie sind, welche Auswirkungen dieses oder jenes Verhalten auf ihre Kinder hat und was sie bei ihrem Nachwuchs bewirken können. Zu wissen, dass man sein Kind für immer stärkt und ihm Vertrauen schenkt, ist doch ein großartiges Gefühl. Und ich bin der absoluten Überzeugung, dass man Kindern nun mal viel Vertrauen schenken muss, um sie zu starken Persönlichkeiten zu erziehen.


Diskutieren Sie mit, liebe Leserinnen und Leser: Wie viel Vorsicht sollten Eltern bei der Erziehung ihrer Kinder walten lassen? Und ab wann rutscht Vorsicht in Überfürsorge ab? Wir sind gespannt auf Ihre Meinung!

Veröffentlicht:

Veronica Ferres
© Ferres
Veronica Ferres

Schauspielerin und Mutter

Veronica Ferres gehört zu den bekanntesten Schauspielerinnen Deutschlands. Sie studierte an der LMU in München Germanistik, Psychologie und Theaterwissenschaft bevor sie sich ganz der Schauspielerei zuwandte. Durch ihr Engagement in über 100 Spielfilmen gewann sie mehrere bedeutende Deutsche Film- und Fernsehpreise wie den Adolf Grimme Preis, den Deutschen Fernsehpreis, die Goldene Kamera oder den Bambi. 2012 gründete Veronica mit der Construction Filmproduktion GmbH ihre eigene Produktionsfirma.

Mehr anzeigen

Werden Sie kostenlos XING Mitglied, um regelmäßig Klartext-Debatten zu aktuellen Themen zu lesen.

Als XING Mitglied gehören Sie zu einer Gemeinschaft von über 14 Mio. Berufstätigen allein im deutschsprachigen Raum. Sie erhalten zudem ein kostenloses Profil und den Zugang zu spannenden News, Jobs, Gruppen und Events.

Mehr erfahren