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Gleichberechtigung im Job und Alltag: Warum halten sich Rollenbilder?

Frauen und Männer sind nach wie vor nicht gleichberechtigt – weder im Arbeitsleben, noch in der Gesellschaft oder vor dem Gesetz. Wie fühlt es sich an, als Frau nicht ernst genommen zu werden?

Als Rennfahrerin werde ich noch immer oft belächelt

Sophia Flörsch

Rennfahrerin, Formel 3

Sophia Flörsch
  • Die Gesellschaft zwängt ihre Kinder nach wie vor in typische Geschlechterrollen
  • Als Rennfahrerin habe ich lange dagegen ankämpft, inzwischen bin ich entspannter
  • Ich hoffe, dadurch bald selbst zu dem Vorbild zu werden, das mir immer fehlte

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Für Mädchen meiner Generation ist klar: man kann alles werden. Seit ich denken kann, ist Angela Merkel Kanzlerin. Stacey Cunningham leitet die New York Stock Exchange (NYSE), Laura Dekker umsegelte 2012 mit 14 Jahren alleine die Welt und Lindsey Vonn fordert die Ski Alpin-Männer heraus.

Für mich war klar: Ich werde Formel-1-Pilotin. Doch genau hier beginnt das Problem. Wie kommt man darauf, etwas zu wollen, wenn die Ansichten der Gesellschaft, der Eltern, der Schulen, der Funktionäre, der Verbände, der Sponsoren ganz andere sind? Oft sind es schließlich die Präferenzen und Vorurteile der älteren Generation, die entsprechende Rollen anlegen und Vorbilder liefern. Da wundert es beispielsweise nicht, dass die Tochter von Michael Schumacher dem Vorbild der Mutter und der Sohn dem Vorbild des Vaters folgt: Gina-Marie reitet und Mick fährt Auto.

Kein Rückenwind ist schon genug Gegenwind

Denn wenn die Vorbilder fehlen, wenn die Förderung fehlt, hat man oft das Gefühl, falsch zu sein. Man bekommt immer wieder gespiegelt, dass der eigene Traum falsch ist. Man bekommt Blicke und Fragezeichen, die man als Junge nicht im Ansatz kennt. Ist man als Frau den körperlichen Belastungen gewachsen? Ist man hart genug für einen Sport in dem Durchsetzungsvermögen so wichtig ist? Ist man als Mädchen nicht zu emotional, um in kritischen Situationen einen kühlen Kopf zu bewahren?

Diese Widerstände halten nach wie vor viele Mädchen davon ab, den Schritt in den Motorsport zu wagen. Auch ich habe mich lange Zeit nicht richtig wohl gefühlt. Immer erst wenn ich meinen Rennanzug anziehe und meine langen blonden Haare im Helm verschwinden lasse, ich in meinem Cockpit zu einer Rennmaschine werde und damit die Grenzen zwischen männlich und weiblich zu schnell oder noch schneller verschwimmen, erst dann bin ich in meinem Element und auf mein Ziel fixiert: Als Erste die Ziellinie zu überqueren. Denn auf der Rennstrecke zählt kein Vorurteil, da zählt nur Leistung.

Ich versuche nicht mehr, der bessere männliche Fahrer zu sein

Wenn ich Gegner im Rennwagen vor mir habe, kenne ich kein Geschlecht. Dann kommt es auf meine Schnelligkeit, auf mein Manöver, auf meine Linienwahl an, um schneller zu sein bzw. zu überholen. Das Interessante ist: je höher ich in den Rennserien nach oben klettere, desto professioneller werden die Gegner. Für sie spielt es meiner Erfahrung nach keine Rolle mehr, ob sie von mir (Frau) oder Mann überholt werden. Beides gefällt ihnen nicht! Sind professionelle Leistungsträger womöglich moderner als manch Anderer im Motorsport und Umfeld?

Mittlerweile kann ich die Situation entspannter sehen. Nicht, dass der Leistungsdruck nachgelassen hätte, aber ich versuche nicht mehr, der bessere männliche Fahrer zu sein. Vielleicht bin ich dadurch schon bald selbst eines dieser Vorbilder, die ich selber gerne gehabt hätte. Und das nicht nur im Motorsport, sondern für alle Mädchen da draußen. Ich bin schließlich eine Frau, ich denke und fühle wie eine Frau und ich fahre wie eine Frau – und das ist in vielen Fällen die bessere Variante.


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Veröffentlicht:

Sophia Flörsch
© Christof Kreutzer
Sophia Flörsch

Rennfahrerin, Formel 3

Sophia Flörsch (Jg. 2000) ist ein deutsches Nachwuchstalent im Automobilrennsport. 2005 begann die damals Vierjährige im Kart. 2016 absolvierte sie die ADAC Formel 4 als jüngster Starter und erste Frau, die ein FIA-F4-Rennen anführte und eine schnellste Rennrunde erzielte. 2018 machte sie Abitur und daneben Test- und Trainingsrennen als Vorbereitung für den Einstieg in die Formel 3. Sophia ist jüngstes Mitglied der Jury Das goldene Lenkrad von „Auto Bild“/„Bild am Sonntag“ und Under Armour Athlete Germany.

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