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Wovon sollen wir im Alter wirklich leben können?

Die Angst vor Altersarmut entwickelt sich zu dem Thema im Bundestagswahlkampf 2017. Über das richtige Rentenkonzept streiten Spitzenpolitiker und Experten; viele Bürger sind verunsichert.

An der Rente mit 69 führt kein Weg vorbei

Wolfgang Steiger

Generalsekretär des Wirtschaftsrats der CDU e.V.

Wolfgang Steiger
  • Eine längere Lebensarbeitszeit kann die kommenden Renten sichern
  • Die Generation der jungen Erwerbstätigen wird dabei gezielt nicht überlastet
  • Der anstehende Wahlkampf hemmt jegliche Entwicklung in diese Richtung

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Wir können uns freuen: Die Lebenserwartung in Deutschland steigt jedes Jahr um rund drei Monate. Damit genießen wir heutzutage einen Ruhestand, von dem vorherige Generationen nur träumen konnten. Während bei Einführung der staatlichen „Invaliditäts- und Alterssicherung“ unter Bismarck im Jahr 1889 die durchschnittliche Rentenlaufzeit sieben Monate betrug, sind wir mittlerweile bei fast 20 Jahren angelangt. Allein seit den 1960er-Jahren hat sich der Lebensabschnitt nach dem Ausscheiden aus dem Berufsleben fast verdoppelt und damit auch die Rentenbezugsdauer. Doch die schöne neue Welt wird bald Risse bekommen. Denn neben der längeren Rentenbezugsdauer strapaziert auch der demografische Wandel die Rentenkassen: In den kommenden 5 bis 20 Jahren gehen die Babyboomer in Rente. Deren Bezüge werden dank umlagefinanziertem System von den geburtenschwachen Jahrgängen getragen. Das wird auf lange Sicht nicht wie bisher funktionieren. Umso befremdlicher sind aktuelle Vorschläge wie etwa von der CSU, die Mütterrente auszuweiten. Dieses müsste durch eine Erhöhung des Steuerzuschusses finanziert werden und würde damit wieder auf dem Konto der jungen Generation landen.

Als Lösung bleibt allein die Verlängerung der Lebensarbeitszeit

Die Deutsche Bundesbank hat kürzlich eine schrittweise Anhebung der Lebensarbeitszeit auf 69 Jahre bis 2060 gefordert. Sie sieht diesen Schritt „als wesentlichen Faktor, um die finanzielle Tragfähigkeit der Rentenversicherung sicherzustellen“. Im Klartext: Eine längere Lebensarbeitszeit sichert auskömmliche Renten, ohne die junge erwerbstätige Generation zu überlasten. Die Alternativen sind bekannt. Entweder werden die Rentenbezüge drastisch sinken, oder die Beitragssätze steigen dramatisch an. Als Lösung bleibt allein die Verlängerung der Lebensarbeitszeit. Umso dramatischer, dass durch die Rente mit 63 das durchschnittliche Renteneintrittsalter der Bundesbürger in 2015 auf 64 Jahre zurückgegangen ist.

Zehn Staaten der Europäischen Union sind wesentlich weiter als Deutschland und haben Gesetze, die den regulären Rentenbeginn nach und nach weit über den 67. Geburtstag hinaus anheben. Die Dänen beispielsweise werden im Jahr 2050 erst mit 72 Jahren regulär in Rente gehen. Auch in den Niederlanden und Griechenland sehen die Gesetze dann Altersgrenzen jenseits der 69 vor. In Großbritannien, Irland, Italien, Portugal und Zypern wird der Rentenbeginn 2050 zwischen 68 und 69 Jahren liegen, in Finnland und der Tschechischen Republik immerhin zwischen 67 und 68 Jahren.

Auch die betriebliche und private Altersvorsorge müssen stärker ausgebaut werden

Doch der Bundesbank-Vorschlag „Rente mit 69“ löst im politischen Berlin großen Widerstand aus. Angesichts des aufziehenden Wahlkampfgetöses will man sich vor allem die große Wählergruppe 50 plus gewogen halten. Rentenpopulisten aller Richtungen überbieten sich mit monströsen Rentenplänen, die allesamt die junge Generation zum alleinigen Lastesel der Bevölkerungsalterung machen. So will Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel die gesetzlich vorgesehene weitere Absenkung des Rentenniveaus stoppen und erklärt „die Bundestagswahl zum Votum über die Rente“. Die Grünen halten die Riester-Rente für gescheitert und wollen mit ihrem neuen Konzept eine Garantierente und eine abgespeckte Basisprivatvorsorge einführen. Und die CSU fordert gar die Ausweitung der Mütterrente. Das sind fatale Signale – demografische und haushalterische Faktoren sprechen eindeutig eine andere Sprache. Schon heute fließen Jahr für Jahr rund 30 Prozent des Bundeshaushalts in die Rente – Tendenz steigend.

Deshalb müssen wir uns endlich ehrlich machen bei der Rente. Die Große Koalition hat 2006 mit der Verlängerung der Lebensarbeitszeit und der Absenkung des Rentenniveaus den Grundstein gelegt. Diesen Weg müssen wir weitergehen. Die Sicherung unserer Renten bedarf noch eines großen Kraftakts. Hier müssen wir die Bürger mitnehmen. Zum Beispiel mit einer transparenten Renteninformation über alle Säulen hinweg – damit die Bürger verlässlich sehen, was sie erwartet. Gleichzeitig müssen die betriebliche und private Altersvorsorge stärker ausgebaut werden. Und zusätzlich wird die Lebensarbeitszeit verlängert werden müssen. Denn unsere Rente ist nur sicher, wenn wir das Verhältnis von Erwerbstätigen zu Rentnern halbwegs im Lot halten.

Veröffentlicht:

Wolfgang Steiger
© CDU
Wolfgang Steiger

Generalsekretär des Wirtschaftsrats der CDU e.V.

Wolfgang Steiger (Jg. 1964) ist Generalsekretär des Wirtschaftsrats der CDU. Der gelernte Bankkaufmann war von 1994 bis 2002 Mitglied des Deutschen Bundestags. Anschließend arbeitete er als Unternehmensberater, bis er 2009 zum Wirtschaftsrat wechselte.

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