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Trend #10 – Selfmanagement: Wie viel werden Mitarbeiter mitbestimmen?

Jedes siebte von XING befragte Unternehmen glaubt, dass es in 15 Jahren keine Hierarchien mehr haben wird. Wie verändern Trends wie Agilität Führung und Management?

An selbstbestimmten Teams führt kein Weg vorbei

Vera Strauch
  • Starre Top-down-Strukturen werden der Arbeitswelt nicht mehr gerecht
  • Statt Vorgesetzter wird es Teams geben, die sich selbst führen
  • Lebenslanges Lernen und Leadershiptraining wird für alle ein Muss

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Die klassische Top-down-Führung hat ausgedient! Alles ist immer im Wandel: Die Erde dreht sich, unsere Zellen teilen sich, neue Menschen, Ideen, Gedanken begegnen uns. Diese Realität der Komplexität des Lebens und des konstanten Wandels hält nun auch zunehmend Einzug in unsere Arbeitswelten. Dieser Trend ist nicht künstlich, sondern sogar sehr natürlich. Der Umbruch durch die Digitalisierung, den wir erleben, ist ein Prozess, der künstliche Konstrukte starrer Organisationsmodelle infrage stellt. Zu Recht! Neue Technologien stellen die Art und Weise, wie wir kommunizieren, arbeiten und uns – egal in welcher Branche – organisieren, vollkommen auf den Kopf.

Alle Mitarbeitenden werden beides haben – Einfluss und Verantwortung

Passt klassische Top-down-Führung noch in diese neue Arbeitsrealität? Die Antwort lautet ganz klar: nein! Alles, das sich einfach top-down anordnen lässt, wird mittelfristig durch Technologie ersetzt werden. Unsere dadurch immer flexibler werdende Umgebung fordert einen ebensolchen Umgang mit Verantwortung und kein starres Konstrukt mit wenigen Experten an der Spitze, die im Elfenbeinturm entscheiden, was zu tun ist. Information ist kein Machtinstrument mehr, sondern zu jeder Zeit von jedem Ort – in der Theorie zumindest – erreichbar. Die Experten sitzen auf einmal zum Beispiel als Softwareentwickler im Team, und der Elfenbeinturm kann, egal wie gut ausgebildet und erfahren, gar nicht mehr an jeder Stelle alles im Detail verstehen. Vollkommen natürlich verteilt sich Entscheidungsfindung also auf immer mehr Schulterpaare.

Selbstbestimmte Rollenverteilung und klare Regeln zur Entscheidungsfindung

Ein immer beliebter werdendes Konzept ist das der selbstführenden Teams, wie es auch XING in seinem Trendbook aufführt. Ich bin überzeugt, dass es ganz ohne Vorgesetzte tatsächlich funktionieren kann. Wissenschaftler und Organisationsexperte Frédéric Laloux hat eindrucksvoll und umfangreich bewiesen: Ja, das kann auch – sehr erfolgreich sogar – in der Praxis funktionieren. Und nein, es bedeutet nicht automatisch, dass alles in Chaos ausartet oder im Konsens entschieden werden muss. Vielmehr geht es um klare, transparente Regeln, nach denen entschieden wird, wie man in seinem Buch „Reinventing Organizations“ nachlesen kann.

Die Herausforderung: Auf Geheiß zu handeln ist uns antrainiert

Sind wir heute schon bereit, uns von klassischer Top-down-Führung flächendeckend zu verabschieden? Auch hier lautet die Antwort ganz klar: nein. Die bisher als Usus praktizierte Hierarchie basiert unabdingbar auf einem gewissen Grad der Unmündigkeit, bedingt durch das Ungleichgewicht von Rechten und Pflichten. Die klassische Vorstellung von Management eben: Wenige an der Spitze geben nicht nur die Ziele, sondern auch den Weg dorthin vor und kontrollieren die Umsetzung. Auf Geheiß zu handeln ist uns antrainiert. Je größer die Organisation, desto größer die Anzahl der als Weisungsempfänger „funktionierenden“ Mitarbeitenden, die zunehmend anders arbeiten werden. Noch haben sie allerdings nicht unbedingt gelernt, wie.

Jede Einzelperson, jedes Rädchen im Getriebe, ist ein Schlüssel zur Veränderung

In selbstführenden Teams fällt die Rolle jedes und jeder Einzelnen deutlich höher ins Gewicht. Einzelne können – und müssen – ganz anders mitgestalten und tragen damit gleichzeitig auch mehr Verantwortung. Das heißt, persönliche Entwicklung und Weiterbildung aller Einzelpersonen sind Voraussetzung, damit die sogenannte „evolutionäre Organisation“ ihr Potenzial entfalten kann. Denn jede Person, jedes Rädchen im Getriebe, ist wichtig! Diese Transformation zu gestalten hat viel mit Selbstverantwortung der Einzelpersonen und einem neugierigen, selbstverständlichen Umgang mit der eigenen Weiterentwicklung zu tun. Weg von Management hin zu Leadership. Statt Selfmanagement brauchen wir Selfleadership!

Wir brauchen Organisationen, in denen jede und jeder sich als „Leader“ versteht

Leadership ist nichts, das in Zukunft exklusiv Einzelnen vorbehalten sein wird oder das wir „denen da oben“ überlassen. Leadership bedeutet Vertrauen – auch Selbstvertrauen. Es bedeutet, das Potenzial in mir und anderen zu sehen. Es bedeutet, andere nicht wegen ihrer Herkunft, ihrer (gegebenenfalls nicht vorhandenen) Zertifikate oder anderer Äußerlichkeiten zu bewerten, sondern zu verinnerlichen, dass wir alle lernen und wachsen können. Es bedeutet, darauf zu vertrauen, dass jede und jeder einen einzigartigen Beitrag leisten kann. Es bedeutet zu erkennen, dass wir alle das Potenzial haben, „Leader“ zu sein, Verantwortung für uns zu übernehmen und unsere Arbeits- und Lebenswelten zu gestalten. Dieses Mindset braucht es an der noch vorhandenen Spitze, um den Weg zur notwendigen Veränderung zu gehen: nämlich die Spitze systematisch abzuschaffen – und damit auch sich selbst.


15 Jahre XING

Vor 15 Jahren gab es weder soziale Medien noch Smartphones, agiles Arbeiten war hierzulande unbekannt. Unvorstellbar, was in den kommenden 15 Jahre alles Neues entstehen und wie sich unsere Arbeitswelt entwickeln wird! In welchen Berufen werden wir künftig überhaupt arbeiten – und wie? Wie verändert die künstliche Intelligenz den Recruiting-Prozess? Wird die Arbeitswelt von morgen gerechter sein – oder tiefer gespalten?

Zusammen mit dem Zukunftsforscher und Gründer des Trendbüros, Professor Peter Wippermann, hat XING 15 Trends untersucht, die Arbeitnehmer und Unternehmen betreffen und die Gesellschaft verändern werden. Unsere Prognosen basieren auf der wissenschaftlichen Expertise des Trendbüros, einer repräsentativen Umfrage unter den XING Mitgliedern und E-Recruiting-Kunden sowie aus unserer Erfahrung als Vorreiter beim Thema New Work.

Die 15 Trends lassen wir ab dem 5. November täglich auf XING diskutieren – hier auf XING Klartext, von unseren XING Insidern und im XING Talk. Alle Beiträge finden Sie gesammelt auf einer News-Seite.

  • In der Woche ab dem 5. November drehte sich alles darum, was sich für den einzelnen Arbeitnehmer ändert.
  • Ab dem 12. November diskutieren wir eine Woche lang die Folgen des Wandels für Unternehmen.
  • Eine Woche später, ab dem 19. November, thematisieren wir, wie sich unsere Gesellschaft verändern wird.

Bei Fragen, Feedback und Ideen erreichen Sie die Redaktion von XING News unter klartext@xing.com. Wir freuen uns auf spannende und hitzige Diskussionen!

Veröffentlicht:

Vera Strauch
© privat
Vera Strauch

Gründerin und Host, Female Leadership Podcast

für Organisation | Strategie | Empowerment

Die Betriebswirtin (Jg. 1986) hat mehr als zehn Jahre lang als Managerin in der Baubranche gearbeitet. Als eine der ersten Frauen Deutschlands wurde Vera Strauch mit unter 30 Jahren Geschäftsführerin eines mittelständischen Bauzulieferers. Drei Jahre lang führte sie mehr als hundert Mitarbeiter an mehreren Produktionsstandorten. Heute ist sie Beraterin für Changemanagement, Leadership, Diversity und Organisationsentwicklung. Zudem ist sie Gründerin des Female Leadership Podcasts.

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