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Anonyme Bewerbungen – Eine Patentlösung gegen Diskriminierung?

Herkunft, Alter, Geschlecht – um Bewerber nicht nach Vorurteilen zu bewerten, setzen Unternehmen und Landesregierungen auf eine Anonymisierung. Doch wie sinnvoll ist das Mittel in der Praxis?

Anonymisierte Bewerbungen sind kein Garant für Vielfalt

Serap Güler

Staatssekretärin für Integration, MKFFI, Nordrhein-Westfalen

Serap Güler
  • Der öffentliche Dienst sollte die Vielfalt unseres Bundeslandes widerspiegeln
  • Menschen mit Migrationshintergrund sollen und wollen sich nicht verstecken
  • Wir setzen auf einen diskriminierungsfreien Prozess im Werben um Kandidaten

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Anonymisierte Bewerbungsverfahren werden recht oft als Allheilmittel gegen Diskriminierung im Bewerbungsprozess gesehen. Die Realität sieht aber häufig anders aus. Die Vorgängerregierung in Nordrhein-Westfalen hat diese Methode seit 2013 für Ausbildungsplätze in obersten Landesbehörden zugelassen. Allerdings ließ sich kein kausaler Zusammenhang zwischen dem anonymisierten Bewerbungsverfahren und dem Anstieg der Zahl der Beschäftigten mit Einwanderungsgeschichte in der Landesverwaltung feststellen.

Natürlich können anonymisierte Bewerbungen dabei helfen, dass Bewerberinnen und Bewerber die erste Hürde nehmen und zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen werden. Aber was bis dahin bewusst ausgeblendet wurde, wird dann direkt sichtbar: Name, Alter, Geschlecht oder auch Herkunft lassen sich hier nicht mehr verbergen. Und das ist auch gut so. Der öffentliche Dienst soll sich auf die Bürgerinnen und Bürger dieses Landes einstellen und nicht umgekehrt.

Immer mehr große Unternehmen setzen auf Transparenz

Die Landesregierung Nordrhein-Westfalens wünscht sich, dass der öffentliche Dienst die Vielfalt unseres Bundeslandes widerspiegelt. In NRW haben rund ein Viertel aller Bürgerinnen und Bürger einen Migrationshintergrund. Das ist eine große Bereicherung, denn Vielfalt stärkt unsere Gesellschaft. Deswegen nimmt die Landesregierung als Arbeitgeber gegenüber allen Bewerberinnen und Bewerbern im öffentlichen Dienst eine wertschätzende Haltung ein – und zwar unabhängig von Alter, Herkunft, Religion, sexueller Orientierung oder auch geschlechtlicher Identität. Niemand muss – und will – sich verstecken. Das ist auch das, was ich in vielen Gesprächen mit Menschen mit Einwanderungsgeschichte höre. Ein anonymisiertes Bewerbungsverfahren geht vielfach an ihren Wünschen vorbei. Deswegen setzen wir auf einen diskriminierungsfreien Prozess im Werben um die besten Fach- und Nachwuchskräfte. Entscheidend sind für das Land NRW als Arbeitgeber allein die formal festgelegten Qualifikationskriterien. Übrigens sind wir da nicht die Einzigen: Auch große Unternehmen wie Siemens oder die Deutsche Post rücken von anonymisierten Bewerbungen ab.

Vielfalt auf den Straßen – und in den Büros

Unser Land ist bunt und vielfältig – genauso soll auch der öffentliche Dienst sein. Im Jahr 2015 hatten laut einer Befragung unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter 13,4 Prozent einen Migrationshintergrund. Ich finde, da ist noch Luft nach oben. Kolleginnen und Kollegen mit Einwanderungsgeschichte bringen neue Perspektiven und wertvolle Kompetenzen mit. Deswegen werden wir uns verschiedene diskriminierungsfreie Verfahren und berufsbezogene Einstellungsdiagnostiken anschauen. Dieser Prozess hat gerade begonnen. Wir wollen Vielfalt nicht nur auf den Straßen unserer Städte und Gemeinden, sondern auch in den Büros unserer Landesbehörden.

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Serap Güler
© Serap Güler
Serap Güler

Staatssekretärin für Integration, MKFFI, Nordrhein-Westfalen

Serap Güler (Jg. 1980) ist seit 2017 Staatssekretärin für Integration im Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen. Von 2012 bis 2017 war sie Landtagsabgeordnete und integrationspolitische Sprecherin der CDU. Ebenfalls 2012 wurde sie mit großer Mehrheit in den Bundesvorstand der CDU Deutschlands gewählt. Seit April 2014 ist sie stellvertretende Parteivorsitzende der CDU Köln.

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