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Antisemitismus - was tun gegen Judenhass?

Im Netz, auf der Straße, im Alltag: Noch immer werden Juden in Deutschland mit Anfeindungen konfrontiert. Wie können wir den unsäglichen Antisemitismus stoppen?

Antisemitismus betrifft uns alle – nicht nur die Juden

Uwe Becker
  • Antisemitismus, der nicht in Springerstiefeln daherkommt, sehen viele nicht
  • Zu lange haben wir akzeptiert, dass Juden nach wie vor ausgegrenzt werden
  • Wir brauchen ein Gegengift, um das gesellschaftliche Miteinander zu stärken

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Wenn der Begriff „Jude“ wieder ein Schimpfwort ist, dann haben sich die gesellschaftlichen Grenzlinien längst verschoben. Antisemitismus scheint wieder gesellschaftsfähig zu sein und aus den Hinterzimmern herauszutreten, um direkt in unsere Schulen, auf unsere Sportplätze und in unseren Alltag hineinzutreten. Gerade vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte darf niemand schweigen, wenn versucht wird, Judenhass wieder salonfähig zu machen. Zu lange haben wir hingenommen, dass die Synagogen in Deutschland permanenten Polizeischutz benötigen. Wir haben hingenommen, dass in einigen Städten jüdische Symbole nicht in der Öffentlichkeit getragen werden können. Wir haben Antisemitismus nicht ernst genug genommen.

Wir müssen verhindern, dass sich Judenfeindlichkeit weiter ausbreitet

Das Spektrum des Antisemitismus reicht heute vom rechtsradikalen Mob über den intellektuell verpackten Antizionismus, der den Umweg über die sogenannte Israelkritik wählt und dennoch beim Antisemitismus ankommt, bis zum kulturell importierten Judenhass. Wenn der Antisemitismus nicht in Springerstiefeln daherkommt, erkennen ihn viele nicht. Antisemitische Stereotype sind dabei in unserem Alltag wieder angekommen. Selbst im Bundestag hat eine Partei Einzug gehalten, die offen für eine Kehrtwende in der Erinnerungskultur eintritt, und ein Musikpreis wird an Rapper verliehen, die mit antisemitischen Texten Rekordverkaufszahlen erreichen.

Wir müssen erkennen, dass wir nicht mehr darüber sprechen müssen, wie wir den „Anfängen“ wehren, sondern wie wir dem sich ausbreitenden Antisemitismus entschiedener entgegentreten. Wir müssen ein Gegengift entwickeln, um das Fundament unseres gesellschaftlichen Miteinanders zu erhalten. Diskriminierung und Ausgrenzung hat darin keinen Platz.

Wir alle müssen wachsam sein

Antisemitismus betrifft uns alle und nicht allein die jüdische Gemeinschaft. Er betrifft die gesamte Gesellschaft, deshalb muss das Engagement gegen Judenfeindlichkeit auch zuvorderst von jenen kommen, die nicht selbst Opfer oder Ziel von Antisemitismus sind. Im Jahr 73 nach Auschwitz sollte Antisemitismus in Deutschland kein Thema mehr sein, aber er feiert auch bei uns seine Rückkehr auf die Straßen und Plätze unserer Städte. Deshalb sollte jeder genau hinschauen, hinhören und ihn identifizieren. Jeder ist jetzt aufgefordert zu handeln: der Staat genauso wie Vereine, Verbände, Kirchen, Gewerkschaften sowie jede und jeder Einzelne von uns.

Veröffentlicht:

Uwe Becker
© Stadt Frankfurt am Main
Uwe Becker

Bürgermeister, Frankfurt am Main

Uwe Becker (Jg. 1969) ist seit 2016 Bürgermeister der Stadt Frankfurt am Main, zudem bekleidet er seit 2007 das Amt des Stadtkämmerers. Ehrenamtlich engagiert sich der CDU-Politiker unter anderem als Präsident der Freunde der Universität Tel Aviv in Deutschland und als Vorstandsmitglied der Deutsch-Israelischen Gesellschaft. Mitte Mai hatte Becker die Solidaritätsaktion „Zeig’ Gesicht und Kippa“ gegen Antisemitismus in Deutschland initiiert.

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