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Der perfekte Boss: Wie sieht gute Führung aus?

Die Kunst der guten Führung ist in Zeiten von Fachkräftemangel und digitaler Transformation wichtiger denn je. Über die perfekte Führungsstrategie der Zukunft wird aber noch gestritten.

Günther Wagner
  • 75 Prozent der New-Work-Projekte scheitern aufgrund von Ängsten der Chefs
  • Führungskräfte und Unternehmen müssen lernen, Unsicherheiten anzusprechen
  • Verdrängte Sorgen führen zu Fehlentscheidungen und Aktionismus

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„Nie zuvor war das Leben auf der Chefetage so gefährlich wie heute. Die globale Gemengelage und das Tempo der Veränderung machen die Mächtigen zu ohnmächtig Getriebenen.“, so war es im „Manager Magazin“ schon vor sieben Jahren zu lesen, in Ausgabe 1/2012. In diesem Artikel spricht auch Gehirnforscher Gerald Hüther in einem kleinen Kreis von Auserwählten, allesamt Vorstände und Chief Executive Officers, ganz offen davon, dass jeder in Wirtschaft und Politik weiß, dass etwas ganz anders werden muss. Aber wie das Anderswerden tatsächlich gehen solle, wisse keiner so genau.

Manager sehen sich mit drei Arten von Ängsten konfrontiert

Die Arbeits- und Organisationspsychologin Gabi Harding fand heraus, dass sich Managerinnen und Manager hauptsächlich mit drei Arten von Ängsten konfrontiert sehen: der Angst vor dem Unbekannten, der Angst vor dem Versagen und der Existenzangst.

Im Klartext: Aufzupassen, dass niemand an dem eigenen Stuhl sägt, und selbst an irgendeinem Stuhl zu sägen fordert die meiste Kraft und Arbeitszeit – aus meiner Beobachtung. Darunter leidet nicht nur die eigentliche Arbeit, sondern auch die eigene Leistung, das Entscheidungsverhalten und natürlich das ganze Team. Denn über Schwächen und Ängste wird in Managementkreisen nur sehr ungern gesprochen. Verdrängte Ängste führen jedoch, so Harding, zu Überforderung und unkontrolliertem Aktionismus, zu Fehlsichtigkeit und Fehlentscheidungen.

Im Alltag wird Unsicherheiten keinerlei Beachtung geschenkt

Und damit nicht genug: Die mangelnde emotionale Stärke der Chefetagen bringt ganze Organisationssysteme ins Schwanken. Prof. Dr. Heike Bruch, Professorin für Leadership an der Universität St. Gallen, kann konkret belegen, dass 75 Prozent der Unternehmen bei der Implementierung von New Work aufgrund von Ängsten scheitern, sowohl der eigenen als auch der der MitarbeiterInnen (LINK: http://interchange-michalik.com/wp-content/uploads/2016/06/Trendstudie_Neue_Arbeitswelt.pdf). Nicht die Konzepte zu New Work seien falsch, sondern der Umgang mit den damit verbundenen emotionalen Faktoren. Ihnen wird keinerlei Beachtung geschenkt. In dem Prozess der Problembewältigung werden sie nicht mitberücksichtigt.

Ebenso wie in den meisten MBA-Studiengängen: Auch hier wird Nachwuchskräften kaum gelehrt, mit Schwächen oder Ängsten umzugehen – oder gar darüber zu sprechen –, sowohl mit den eigenen als auch denen der MitarbeiterInnen. Es liegt auf der Hand, dass sich auf diese Weise nichts ändern wird, in den Unternehmen weiterhin Stillschweigen herrscht und die Führungskräfte im Umgang mit ihren Ängsten auf sich selbst gestellt bleiben.

Vielleicht könnten Technik und Digitalisierung den Managern in dieser Situation ihre schwierige Arbeit erleichtern, doch offenbar wird diese Option nur sehr zögerlich wahrgenommen. So berichtete Andreas Loroch, Co-CEO des Beratungsunternehmens Vorsprungatwork, im November 2018 auf der New Work Safari in Weinheim, dass viele Führungskräfte, denen er begegnet, unter der oft unbewusst vorhandenen Abneigung und Scheu vor neuen Managementtools leiden.

Beweisen Sie als Führungskraft Mut und Stärke

Wir müssen also endlich damit beginnen, eine Auseinandersetzung über die Zukunft unserer Arbeit zu führen – für die Führungskräfte selbst, die Unternehmen und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Im Sinne aller müssen Manager Mut beweisen, sich der eigenen Befürchtungen und Sorgen bewusst werden und sie akzeptieren. Nehmen Sie als Manager Ihr eigenes Angst-, Stress- und Fehlermanagement genauer unter die Lupe, fordern Sie Unterstützung ein, suchen Sie sich Hilfe, zeigen Sie Größe.

Ein Wandel erfordert jedoch nicht nur die Reflexion der Führungskräfte, sondern des gesamten Systems. Ängste und Unsicherheiten müssen behandelt und nicht totgeschwiegen werden. So sollten Führungskräfte gemeinsam mit ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nicht nur die Chancen und Vorteile von New Work erarbeiten, sondern auch die mit New Work verbundenen Herausforderungen, Illusionen, Verzerrungen, Ängste und den Stress aufdecken. Erst dann ist es wirklich möglich, couragierte, innovative Lösungen zu implementieren und eine gute Führungskraft zu sein.


Diskutieren Sie mit, liebe Leserinnen und Leser: Was macht für Sie einen guten Chef aus? Was würden Sie sich von ihrem Vorgesetzten wünschen?

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Günther Wagner
© Günther Wagner
Günther Wagner

Autor und Leadershipcoach

for New Work, Digitalisierung & Leadership, Transformation

Der Berater (Jg. 1959) ist Geschäftsführer seines Unternehmens Wagner Consulting. Wagner berät Führungskräfte und Unternehmen zum Thema „Leadership in Zeiten des Wandels“. Bevor er sich selbstständig machte, war er als Offizier für die Luftwaffe tätig, Head of Sales bei Skandia und Vorstand der Stiftung Human Helps Human e. V.

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