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Crash oder Neubeginn: Was sind die Folgen für Ihre Finanzen?

Britannien hat entschieden: 51,9 Prozent stimmten für den EU-Austritt. Der Pfund fällt auf den tiefsten Stand seit 1985 und an der Börse drohen Kursabstürze. Experten sehen jedoch nicht nur Nachteile.

Andreas Meyer-Schwickerath
  • Es gibt nur wenige Studien, die verheerende Folgen eines Brexits annehmen
  • Wie sich der Finanzsektor entwickelt hängt von den Marktregulierungen ab
  • Der Austritt weiterer Mitgliedsstaaten ist die eigentliche Gefahr für die EU

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In diesen Tagen werden die Folgen eines Brexits für den Finanzsektor heiß diskutiert. Die Rede ist von einem Abwandern der Unternehmen und Banken aus London sowie einer folgenden Konkurrenz zwischen den Finanzstandorten Frankfurt, Luxemburg, Paris oder Zürich. Darüber zu diskutieren, ist jedoch eher Spekulation. Es gibt nur wenige Studien und Befragungen, die annehmen, dass eine Verlagerung der Firmensitze stattfinden würde. Es sind eher Meinungen einzelner Personen und wenn Sie mich fragen: Ich glaube nicht, dass sich viel verändern wird.

Letztendlich hängt viel von der Finanzmarktregulierung und -Aufsicht ab. Es kann sein, dass die Briten ihren Finanzmarkt im Falle eines Brexits anders regulieren, als die europäischen Partner. Möglichweise gewinnt London sogar durch einen unabhängigeren Status.

89 Prozent unserer Mitglieder wollen Großbritannien in der EU behalten

Doch gerade Deutschland muss ein Interesse daran haben, dass Großbritannien in der EU bleibt: Direkt nach den USA und der Niederlande ist das Vereinigte Königreich Deutschlands drittgrößter Handelspartner. Im vergangenen Jahr betrug der bilaterale Handel von Waren und Dienstleistungen etwa 183 Milliarden Euro. Allein Dienstleistungen wie unter anderem im Finanz- und Versicherungssektor sind mit über 46 Milliarden Euro Gesamtvolumen ein wesentlicher Bestandteil des Handelsaustauschs – wobei das Volumen beidseitig mit je etwa 23 Milliarden Euro ausgeglichen ist.

Die deutschen und britischen Mitgliedsunternehmen der Britischen Handelskammer in Deutschland sind sich größtenteils einig: 89 Prozent wollen Großbritannien in der EU behalten. Und zwar vor allem wegen der Vorzüge des freien Marktes. Die gegenseitigen Handelsbeziehungen haben eine immense wirtschaftliche Bedeutung: Großbritannien und Deutschland sind die Wachstumsmotoren der EU, Großbritannien erwirtschaftet das zweitgrößte Bruttosozialprodukt nach Deutschland. Es gibt aber Befürchtungen, dass es nach dem Brexit zu einem Einbruch kommt, zum Beispiel durch Zollschranken.

Die EU sollte die Rechte der einzelnen Mitgliedsstaaten mehr stärken

Es ist schon eine Periode der Unsicherheit in den Märkten zu erwarten, doch auch hier sollte man keine Panik verbreiten: Falls die Briten für einen Brexit stimmen, werden sie die Verbindung nicht von heute auf morgen kappen. Bis es zum tatsächlichen Austritt kommt, dauert es. Diese Zeit können wir nutzen, um uns auf eventuelle Konsequenzen vorzubereiten.

Auch wären wir Deutschen gut beraten, zu versuchen, die Einigkeit stärker hervorzuheben und mit EU-Reformen mögliche Unabhängigkeitsbestrebungen entgegenzuwirken. Für über 50 Prozent unserer Mitglieder ist unter anderem das ein Thema: Sie fordern deutlich, dass die Rechte der Mitgliedsstaaten durch Rückübertragung von Zuständigkeiten der EU gestärkt werden. Sollte die EU dem nicht nachgeben, könnten andere Staaten wie zum Beispiel die Niederlande, Frankreich oder Italien die EU-Mitgliedschaft ebenfalls anzweifeln und Referenden abhalten. Das politische Auseinanderbrechen der EU ist hier die eigentliche Gefahr.

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Andreas Meyer-Schwickerath
© BCCG
Andreas Meyer-Schwickerath

Andreas Meyer-Schwickerath, British Chamber of Commerce in Germany

Andreas Meyer-Schwickerath ist seit 2003 Geschäftsführer der British Chamber of Commerce in Germany e.V. (Britische Handelskammer in Deutschland). Der studierte Jurist arbeitete zuvor unter anderem in der EU-Vertretung der Vereinten Nationen in New York und war für die Deutsche Bank in New York und Frankfurt sowie für Daimler in New York, Stuttgart und Berlin tätig. Insgesamt arbeitete er über zehn Jahre in den USA, bevor ihn Stellenangebote zurück nach Deutschland zogen.

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