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Kontogebühren und Strafzinsen – Sind nun wir privaten Sparer dran?

Als erstes Geldinstitut in Deutschland verlangt die Raiffaisenbank Gmud künftig Strafzinsen von Privatkunden. Experten erwarten, dass angesichts der Niedrigzinsen bald andere Banken folgen werden.

Bank zu teuer? Gehen Sie doch einfach zu einer anderen!

Annabel Oelmann
  • Im Zweifel sind Kontogebühren fairer als Minuszinsen
  • Auch wenn die Gratiskonten weniger werden: Noch gibt es sie
  • Noch nie war ein Kontowechsel so einfach wie heute

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Langsam, aber sicher müssen wir uns vom kostenlosen Girokonto verabschieden. Die Europäische Zentralbank (EZB) verlangt für kurzfristige Einlagen von den Banken inzwischen einen Strafzins von 0,4 Prozent. Hinzu kommt der Verwaltungsaufwand. So kostet der Unterhalt eines Girokontos die Banken und Sparkassen pro Jahr durchschnittlich 120 Euro, hat die Unternehmensberatung BCG errechnet. Kein Wunder also, dass immer mehr Geldinstitute versuchen, die Kosten auf die Kunden abzuwälzen – mit ganz wenigen Ausnahmen, die sich vor allem unter den Direktbanken finden.

Beispiele für Gebührenerhöhungen gibt es mittlerweile viele. Die Deutsche Bank verlangt, wenn Fremdkunden an ihren Automaten Geld abheben, mittlerweile 3,95 Euro, bei der Commerzbank sind es nun 3,90 Euro. Bislang kostete die Dienstleistung bei beiden Instituten nur 1,95 Euro. Typisch ist auch der Fall der Sparda-Bank West, die für ihre bislang kostenlose EC-Karte nun 10 Euro jährlich verlangt. Auch viele Sparkassen haben zuletzt an der Gebührenschraube gedreht – oft verbunden mit einer „Umstellung“ der Kontomodelle. Unterm Strich lag die Erhöhung bei mitunter mehr als 30 Prozent. Bei der Stadtsparkasse München etwa kostet das alle Leistungen umfassende „Privatgirokonto Komfort“ jetzt 7,95 Euro statt 4,95 Euro im Monat.

Wenn schon zahlen, dann wenigstens transparent

Inzwischen scheint nicht einmal mehr das Undenkbare ausgeschlossen – nämlich dass Banken von ihren Normalkunden einen Strafzins verlangen, wie sie das bei manchen Unternehmenskunden ja längst tun. Das Geld, das auf dem Girokonto liegt, würde damit nicht nur real (also nach Abzug der Inflation) an Wert verlieren, sondern es würde auch nominal weniger. Eigentlich unglaublich. Nachdem die Banken die Verbraucher jahrelang mit immer günstigeren Konten und zum Teil sogar mit „Willkommensprämien“ geködert haben, könnte die Kontowahl in Zukunft tatsächlich zur Qual werden: Nehme ich das „teure“ All-Inclusive-Konto? Das etwas billigere Basiskonto, bei dem ich dann aber für immer Leistungen extra zahle? Oder knöpft mir meine Bank gar Zinsen ab dafür, dass ich mein Geld zu ihr bringe?

Per se muss jeder Kunde das für sich beste Konto finden. Aus meiner Sicht sind pauschale Kontoführungskosten aber unter den schlechten Alternativen die fairste – denn hier wissen die Verbraucher wenigstens, was sie das Konto am Ende kostet. Wenn schon zahlen, dann wenigstens transparent. Dagegen ist ein Negativzins mit hohen Unsicherheiten behaftet. Wie hoch die indirekten Kosten sind, die sich dadurch ergeben, ist für den Normalkunden nur schwer zu durchschauen, zumal sich das Guthaben auf dem Girokonto ja ständig ändert. Das Gute ist: Als Verbraucher können wir in Deutschland unter den Angeboten unzähliger Banken auswählen. Und: Dank praktischer Kontowechselservices war es noch nie so einfach wie heute, zu einem anderen Anbieter zu gehen. Diese Wahlfreiheit müssen wir stärker ausnutzen. Mein Tipp: Fragen Sie bei Ihrer Bank oder Sparkasse nach einem günstigeren Kontomodell – oder überlegen Sie gleich den Wechsel des Anbieters.

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Annabel Oelmann
© Annabel Oelmann
Annabel Oelmann

Vorstand, Verbraucherzentrale Bremen

Annabel Oelmann (Jg. 1978) leitet seit April 2016 als Vorstand die Verbraucherzentrale Bremen. Neben der Vertretung der Verbraucherinteressen gegenüber der Bremer Politik, Wirtschaft und Verwaltung entwickelt sie die strategischen Ziele für die Verbraucherzentrale und führt die Verhandlungen mit Zuwendungsgebern und anderen externen Partnern. Zuvor arbeitete sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin beim arbeitgebernahen Forschungsinstitut betriebliche Bildung GmbH und als Verbraucherschützerin in NRW.

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