Probleme beim Einloggen

Vertrauensurlaub: Wie viel Freizeit darf's denn sein?

Immer mehr Firmen lassen ihre Mitarbeiter frei darüber entscheiden, wie viele Urlaubstage sie sich nehmen. Was verlockend und zukunftsweisend klingt, birgt arbeitsrechtlich allerdings einige Gefahren.

Bei uns kann jeder so viel Urlaub nehmen, wie er will

Constantin Eis
  • Nur Leistung zu fordern, keine Erholung zu gönnen – das bringt keinen Erfolg
  • Unbegrenzt viele Urlaubstage sind daher ein Teil unserer Philosophie
  • Wer Vertrauensurlaub einführen möchte, sollte dies so früh wie möglich tun

11.810 Reaktionen

Wir wollten unseren Mitarbeitern von Anfang an ein Umfeld bieten, das deutlich attraktiver ist, als man es in Konzernen vorfindet. Deswegen haben wir direkt nach Firmengründung unbegrenzt viele Urlaubstage eingeführt – und sind von dem Konzept bis heute vollends überzeugt.

Das Modell bedeutet, dass sich Angestellte ganz nach Wunsch Urlaub nehmen dürfen. Dem Arbeitgeber sind sie darüber keinerlei Rechenschaft schuldig, und die Anzahl der Tage wird nicht kontrolliert. Ob Brückentage, verlängertes Wochenende, Umzug oder Sabbatical – grundsätzlich ist alles erlaubt. In der Praxis heißt das natürlich nicht, dass unsere Leute nicht mehr arbeiten müssen, sondern dass es auf einige Tage mehr oder weniger nicht ankommt.

Unternehmenskultur manifestiert sich auch in den Urlaubstagen

Klar, wir geben unseren Mitarbeitern damit einen Vertrauensvorschuss. Jedoch sind wir davon überzeugt, dass sich eine moderne Unternehmenskultur mit flachen Hierarchien, einem hohen Grad an Gestaltungsmöglichkeiten und viel Freiheit auch in einer flexiblen Urlaubsregelung abbilden sollte.

Wer einseitig immer nur Leistung fordert, ohne seinen Mitarbeitern das Gefühl zu geben, dass sie sich auch erholen dürfen und sollen, wird auf Dauer keinen Erfolg haben. Als Unternehmen, das sich den besten Schlaf und die optimale Regeneration des Körpers zum Ziel gesetzt hat, ist dieses Thema sicher noch einmal präsenter. Bisher haben wir damit durchweg positive Erfahrungen gemacht.

Belohnungen sind komplexer als simple Gehaltserhöhungen

Ohne Frage: Nur Mitarbeiter, die das Gefühl haben, dass ihre Arbeit gesehen und wertgeschätzt wird, sind auch gute Mitarbeiter. Wir haben festgestellt, dass es als Belohnung nicht immer die Gehaltserhöhung sein muss. Gerade eine flexible Urlaubsplanung ist unseren Angestellten sehr wichtig, und sie alle schätzen, dass wir ihnen diese Möglichkeit geben. Neben einem kostenlosen gemeinsamen Mittagessen jeden Dienstag und Donnerstag in unserem Büro sowie so viel Kaffee, Getränke und Snacks, wie das Herz begehrt, sorgt unsere Urlaubspolicy für zufriedene Mitarbeiter und ein ausgesprochen angenehmes Arbeitsklima.

Mit diesem außergewöhnlichen Angebot hatten wir Zugang zu Leuten, die diese Freiheiten in ihrem persönlichen Leben wertschätzen und deshalb möglicherweise andere Dinge in Kauf nehmen – wie zum Beispiel das Start-up-Chaos, das am Anfang nun mal herrscht. Die Geschwindigkeit, in der wir arbeiten, ist sehr hoch und stellt hohe Anforderungen an unsere Mitarbeiter. Gleichzeitig wollen die Menschen heutzutage auch selbstbestimmter Leben. Deswegen bin ich davon überzeugt, dass es in Zukunft mehr Unternehmen geben wird, die das Modell „unbegrenzter Urlaub“ übernehmen, und dass es sich auszahlen wird.

Verantwortung und Freiraum sind der Schlüssel zur Potenzialentfaltung

Mit großer Freiheit geht immer auch eine große Verantwortung einher. Unsere Mitarbeiter sind selbst- und pflichtbewusst und bringen einen hohen Eigenantrieb mit – Flexibilität ist für uns deshalb kein Problem. Unsere Teams regulieren und planen ihre Themen in der Regel hochgradig selbstständig und achten darauf, dass die Arbeit gegebenenfalls auf andere Teammitglieder verteilt wird. Entsprechend ist es auch Teil der Verantwortung des Unternehmens, Rahmenbedingungen zu schaffen, in denen dies möglich ist.

Alles in allem haben wir mit dem Modell bisher sehr gute Erfahrungen gemacht – auch weil wir von Anfang an die richtigen Leute mit dabei hatten. Zur vollen Potenzialentfaltung der Mitarbeiter sind Verantwortung und Freiraum schließlich gleichermaßen notwendig. Als Tipp für andere Unternehmen, die ebenfalls über das System nachdenken: Es ist auf jeden Fall wichtig, dass man diese Policy so früh wie möglich einführt und das Verantwortungsbewusstsein seiner Mitarbeiter nicht unterschätzt.


Diskutieren Sie mit, liebe Leserinnen und Leser: Was halten Sie von Vertrauensurlaub?

Übrigens: Mehr zum Thema Vertrauensurlaub und vieles mehr lesen Sie im aktuellen XING Urlaubsreport 2018.

Veröffentlicht:

Constantin Eis
© Eis
Constantin Eis

Mitgründer und Managing Director Europa, Casper

Constantin Eis ist Mitgründer und Managing Director Europa beim Matratzen-Startup Casper. Zuvor arbeitete er beim Online-Möbelhändler Home24, wo er das Marketing, die IT, HR und die Produktentwicklung verantwortete. Eis studierte Business Studies an der Leipziger Graduate School of Management (HHL).

Mehr anzeigen

Werden Sie kostenlos XING Mitglied, um regelmäßig Klartext-Debatten zu aktuellen Themen zu lesen.

Als XING Mitglied gehören Sie zu einer Gemeinschaft von über 14 Mio. Berufstätigen allein im deutschsprachigen Raum. Sie erhalten zudem ein kostenloses Profil und den Zugang zu spannenden News, Jobs, Gruppen und Events.

Mehr erfahren