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Großbrände in Australien: Sind wir hilflos gegen die Naturgewalt?

Seit September wüten die Buschfeuer in Australien, ein Gebiet in der Größe von Süddeutschland ist bereits verbrannt. Können wir uns gegen die Naturgewalt überhaupt wehren?

Buschfeuer in Australien: keine Zeit mehr für Ausreden

Christoph Heinrich
  • Die Klimakrise allein verursacht kein Buschfeuer, ist aber Brandbeschleuniger
  • Wir müssen das Klima retten, um das Artensterben zu stoppen – und umgekehrt
  • Die Brände sind Rauchzeichen aus der Zukunft. Es ist höchste Zeit, zu handeln.

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Die Buschbrände in Australien wüten seit Monaten. Das Ausmaß der Zerstörung ist erschreckend. Bisher starben 27 Menschen, eine Fläche so groß wie Süddeutschland ist verbrannt. Die Zahl der durch das Feuer getöteten Säugetiere, Reptilien und Vögel hat nach Schätzungen die Milliardengrenze überschritten.

Die Buschfeuersaison begann bereits im September, auch für Australierinnen und Australier ungewöhnlich früh. Zugleich ist der frühe Beginn wenig überraschend, denn das vergangene Jahr war das heißeste und trockenste in Australien seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Das Thermometer kletterte am 18. Dezember etwa auf 41,9 Grad Durchschnittstemperatur für den gesamten Kontinent. Klimaforscher sind sich einig: Wir sehen hier die Folgen der Erderhitzung.

Das Ende der Brände kann wegen der großen Trockenheit noch Monate auf sich warten lassen. Die aktuelle Buschfeuersaison in Australien gibt eine Vorstellung davon, welche Auswirkung die zunehmende Erderhitzung auf Menschen, Tiere und die Natur hat. Unstrittig ist, dass die Klimakrise für sich allein keine Buschfeuer verursacht. Sie wirkt aber durch extreme Temperaturen und monatelange Dürre wie ein Brandbeschleuniger.

Klimakrise und Artensterben hängen zusammen

Die Katastrophe verdeutlicht außerdem, dass Klimakrise und Artensterben fatal zusammenhängen und ihre Bekämpfung zusammen gedacht werden muss. Ohne eine intakte Natur sind ambitionierte Klimaziele nicht zu erreichen. Denn wenn unsere Wälder brennen (und wegen Trockenheit nicht wieder nachwachsen), werden unzählige Tonnen CO2 frei, die die Erderwärmung weiter antreiben. Und umgekehrt: Wenn wir es nicht schaffen, die Erderhitzung zu begrenzen, werden viele Tierarten ihren Lebensraum verlieren.

Für die australische Tierwelt sind die Verluste durch die aktuellen Buschbrände dramatisch. Auf dem Kontinent besteht eine einzigartige Tierwelt. Die Opfer der Flammen umfassen Tausende Koalas, dazu die ebenfalls für den Kontinent ikonischen Kängurus, Wallabys und Kaninchenkängurus. Auch Vögel wie Kakadu und Honigfresser haben ihr Leben durch die Buschbrände verloren. Viele Tiere werden wahrscheinlich direkt durch die Flammen getötet. Und selbst wenn sie ihnen entkommen, verlieren viele ihren Lebensraum, Nistplätze und Futterquellen.

Wir brauchen noch in diesem Jahr neue Klimaziele

Besonders groß ist der Druck auf Koalas. Es besteht die Sorge, dass die Beuteltiere in der freien Natur in Ostaustralien in 30 Jahren ausgestorben sein könnten, vor allem aufgrund der anhaltenden übermäßigen Abholzung von Bäumen. Nun kommt die Klimaerhitzung als Bedrohungsfaktor hinzu.

Klar ist: Die Wälder und die Lebensräume der Tiere müssen schnell wiederhergestellt werden, damit die Arten eine Chance haben, sich zu erholen. Doch auch der Appell an uns alle ist deutlich: Wir müssen endlich handeln und das Klima wirkungsvoll schützen. Denn machen wir weiter wie bisher, dann wird sich die Erde deutlich stärker erhitzen, als sie es bisher schon getan hat. Unterschiedliche Punkte im Klimasystem drohen zu kippen und könnten eine rapide Erhitzung in Gang setzen. In diesem Jahr müssen die Staaten im Pariser Abkommen neue Klimaziele zur Reduzierung von CO2 in der Atmosphäre beschließen. Die Buschfeuer in Australien sind Rauchzeichen aus der Zukunft. 2020 gibt es keine Zeit mehr für Ausreden.

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Christoph Heinrich
© WWF
Christoph Heinrich

Vorstand Naturschutz WWF Deutschland, Berlin

Christoph Heinrich (Jg. 1965) verantwortet als Mitglied der Geschäftsleitung die Naturschutzarbeit des WWF für den Erhalt der biologischen Vielfalt. Nach den Studien der Rechtswissenschaften und Geographie in Gießen begann Christoph Heinrich seine berufliche Laufbahn beim NABU, für den er auf Bundesebene bis 2004 den Fachbereich Naturschutz und Umweltpolitik leitete. Der Diplom-Geograph ist als Mitglied zahlreicher Naturschutzorganisationen seit seiner Jugend ehrenamtlich im Naturschutz tätig.

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