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Börsencrash in China – Notwendige Korrektur oder Grund zur Panik?

Nach den jüngsten Börsenschocks warnt der legendäre Hedgefonds-Investor George Soros: "Die Welt steht am Rande einer globalen Krise." Wie ernst müssen wir diese Sorge nehmen?

Chinakrise: Was Anleger jetzt wissen sollten

Dr. Christian Funke
  • Im Nullzinsumfeld ist eine Aktienbeimischung eigentlich alternativlos
  • Die Turbulenzen stellen jedoch ein bedeutsames Risiko dar
  • Wir empfehlen 2016 vor allem den Kauf von defensiven Aktien

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Das neue Jahr begann mit einem Paukenschlag an den internationalen Kapitalmärkten: Die chinesischen Konjunkturaussichten verschlechterten sich deutlich und der chinesische Aktienmarkt brach zum Jahresauftakt regelrecht ein. In dessen Sog wurden auch die europäischen Märkte deutlich in Mitleidenschaft gezogen – der Euro Stoxx 50 erlitt in der ersten Handelswoche einen Verlust von 7,2 Prozent und der deutsche Leitindex DAX gab um 8,3 Prozent nach.

So neu ist diese Situation nicht: Bereits letztes Jahr im Sommer kam es zu massiven Kursturbulenzen am chinesischen Kapitalmarkt, da die Anleger die Zukunftsfähigkeit des chinesischen Wirtschaftsmodells in Frage stellten. Und es kann auch weiterhin immer wieder zu negativen Überraschungen aus Fernost kommen, da China vor einem gewaltigen Transformationsprozess steht: Von einer exportorientierten Wirtschaft mit dominierendem Industriesektor hin zu einer modernen Dienstleistungswirtschaft. Dieser Prozess ist schmerzhaft und wird wahrscheinlich in den folgenden Monaten und Jahren immer wieder Turbulenzen hervorrufen.

Die Anleger stecken in einer Zwickmühle

Aufgrund dieser Unsicherheiten befinden sich die Anleger in einem Dilemma. Die Liquiditätsschwemme der EZB hat zu einem Nullzinsumfeld geführt. Daher ist eine signifikante Aktienbeimischung bei der Kapitalanlage eigentlich alternativlos. Vor dem Hintergrund der Marktturbulenzen können signifikante Aktienpositionen jedoch ein bedeutsames Risiko für das Portfolio darstellen. Was sollte der Anleger in der jetzigen Situation tun?

Um diese Frage beantworten zu können, bietet sich ein Blick in die jüngere Vergangenheit an. Im Jahr 2015 wurde die Situation im Wesentlichen von zwei Themen dominiert: Das Anleihekaufprogramm („Quantitative Easing“) der EZB stellte einen permanenten Stimulus für die Marktentwicklung dar. Gleichzeitig trübten die massiven Konjunktursorgen aus Fernost die Stimmung deutlich ein. In diesem Marktumfeld konnte der DAX eine Rendite von knapp 10 Prozent verbuchen. Eine derartige positive Marktentwicklung ist nicht ungewöhnlich.

Kaufen Sie defensive Aktien

Überraschend war jedoch, wie sich die unterschiedlichen Aktiensektoren entwickelt haben. Normalerweise gewinnen zyklische Titel – wie z.B. Banken und Industriewerte – in einem positiven Marktumfeld deutlich mehr als der Gesamtmarkt, während defensive Titel der Marktentwicklung hinterherhinken. Im Jahr 2015 war es genau umgekehrt: Ganz vorne waren defensive Titel wie bspw. Adidas, während zyklische Titel wie bspw. ThyssenKrupp der allgemeinen Marktentwicklung nicht folgen konnten. Diese unterschiedliche Wertentwicklung spiegelt den Effekt der entgegengesetzten, dominierenden Faktoren wider: Alle Aktien konnten von der expansiven Notenbankpolitik profitieren, aber vor allem zyklische Werte waren von der Chinakrise betroffen.

Um das persönliche Portfolio den Turbulenzen aus Fernost nicht voll auszusetzen, empfiehlt es sich, auch 2016 vor allem defensive Aktien zu kaufen. Positiv für den langfristig orientierten Investor ist hierbei Folgendes: Ein Blick auf die historischen Renditen der defensiven Aktien zeigt, dass Anleger für das deutlich geringere Risiko keinen Renditenachteil in Kauf nehmen müssen. Im Gegenteil: Defensive Aktien konnten in der Vergangenheit eine bessere Wertentwicklung verzeichnen als Aktien mit einem höheren Risiko. Vor dem Hintergrund der derzeit dominierenden Chinakrise sollten Anleger dementsprechend nicht in klassische Aktieninvestments mit vollem Kursrisiko investieren, sondern eher auf defensive Werte mit dem gleichen Renditepotenzial bei deutlich geringerem Risiko setzen.

Die Konjunkturaussichten in China waren im Oktober erstmals Thema auf XING Klartext. Die Beiträge, unter anderem von Dr. Frank Appel, Vorstandschef der Deutschen Post, finden Sie hier.

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Dr. Christian Funke
© Dr. Christian Funke
Dr. Christian Funke

Vorstand, Source For Alpha

Dr. Christian Funke (Jg. 1981) ist Vorstand des Frankfurter Vermögensverwalters Source For Alpha und Manager der Fonds S4A US Long, S4A EU Pure Equity und S4A Pure Equity Germany. Zuvor war Funke als Berater und Gutachter für verschiedene internationale Banken und Asset Manager tätig. Funke hat mehr als zehn Jahre Erfahrung in der empirischen Kapitalmarktforschung und dem Management von systematischen Anlagestrategien.

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