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Berufsbegleitend Studieren – Sprungbrett oder Burn-out-Falle?

Eine 40-Stunden-Woche und zeitgleich ein Studium? Immer mehr Berufstätige nehmen diese Doppelbelastung auf sich. Doch haben Absolventen eines berufsbegleitenden Studiums wirklich bessere Chancen?

David Sulkovsky
  • Mit 18 Jahren entschied ich mich für den Leistungssport
  • Eine schwere Verletzung zwang mich, meine Karriere mit Mitte 30 zu beenden
  • Das berufsbegleitende Studium ermöglicht mir, in das Arbeitsleben zu finden

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Am 14. Juni 1978 erblickte ich in Freiburg im Breisgau das Licht der Welt und entschied mich mit 18 Jahren, Eishockeyprofi zu werden.

Seit 1999 spielte ich in der höchsten deutschen Liga – der DEL – bei den Hannover Scorpions. Von dort ging ich zu den Nürnberger Ice Tigers und wurde 2002 Nationalspieler mit ersten Einsätzen bei der Weltmeisterschaft in Schweden. Anschließend wechselte ich zu den Hamburg Freezers und folgend zu den Frankfurt Lions, wo wir 2004 in meinem ersten Jahr am Main die Deutsche Meisterschaft gewannen. Es folgten Stationen in Iserlohn, Wolfsburg, Hannover und Schwenningen. Nach 18 Profijahren und knapp 800 Eishockeyspielen kam für mich das Ende meiner sportlichen Karriere plötzlich und unerwartet: Eine schwere Verletzung zwang mich, die Schlittschuhe an den Nagel zu hängen.

Wie sollte es jetzt weitergehen? Mit 18 Jahren stand ich vor der Wahl: Abitur oder Profi-Eishockey?! Natürlich hätte man beides miteinander vereinbaren können – doch die Entscheidung fiel schließlich für den Sport. Immerhin besaß ich die Fachhochschulreife.

Mit Mitte 30 stand ich nun vor der Frage, wie ich nach den langen Jahren als Spieler meine Kontakte und Fähigkeiten in neuen beruflichen Perspektiven nutzen konnte. Nach wie vor hatte ich einen engen Kontakt zu meinem alten Eishockeyclub in Hannover. Der Club hatte sich 2014 konzeptionell neu ausgerichtet und bot mir den Posten des Geschäftsführers an.

Wirtschaft und Profisport beinhalten ähnliche Aufgaben – sie haben nur andere Termini

Im Sport bin ich von der Position des jungen Athleten bis zum Führungsspieler gereift. Schwierige Aufgaben und Hürden mussten auf diesem Weg überwunden werden. Es galt, als Team mit unterschiedlichen Charakteren und Spielstärken Lösungen zu finden, insbesondere wenn der Erfolg ausblieb. Wir mussten Kommunikationshürden überwinden, weil 80 Prozent der Mitspieler kein Deutsch sprachen. Konflikte zwischen aufstrebenden, genesenen und Stammspielern wurden deeskaliert, aber gesunder Wettbewerb zur Höchstleistung gefördert. Krisengespräche mit Management, Trainer und Co-Trainer sowie Trennungen folgten, wenn die Leistung nicht stimmte.

In der Wirtschaft gibt es ähnliche Aufgaben, es bestehen jedoch andere Terminologien wie zum Beispiel Development, Leadership, Kommunikation, Change- und Konfliktmanagement. Ich traute mir diesen Schritt vom Profispieler zum Geschäftsführer zu. Mir war jedoch bewusst, dass ich zusätzlichen Input brauchte. Und so wurde ich nach meiner Verletzung auf den Bachelorstudiengang BWL für Leistungssportler an der Universität Oldenburg aufmerksam. Betriebswirtschaftliche Themen interessierten mich schon immer. Allerdings hatte ich nach 18 Jahren Abwesenheit vom regelmäßigen Lernen viel Respekt vor einem Neustart auf der Schulbank. Ich bewarb mich trotzdem auf einen Studienplatz. Und ich habe dies nicht bereut.

Wirtschaftlicher und sportlicher Erfolg haben für mich viele Gemeinsamkeiten. Heute erscheint mir eine Spielzeit im Sport wie ein Wirtschaftszyklus. Ich kann Prozesse jetzt mit dem gelernten Wissen vollständiger planen, Erfolg optimieren und überzeugender Mitarbeiter führen.

Im „Alter“ studieren hat Vorteile: Man konzentriert sich präziser auf Schwerpunkte

In meiner Zeit als Profispieler hatte ich die Möglichkeit, viele Trainer, Coaches, Geschäftsführer und Manager zu treffen. Die meisten Trainer sind ehemalige Profispieler, die sich ausschließlich im Sport weitergebildet haben. Ebenso sind die Manager überwiegend ehemalige Spieler, die von ihren als Spieler gelernten Erfahrungen und von ihrem Netzwerk aus der aktiven Zeit profitieren. Die Posten als Geschäftsführer bleiben jedoch den meisten Sportlern verwehrt.

Das Branchen-Know-how ist bei diesen Funktionären sicherlich vorhanden, doch ich stellte mir die Frage, wie ich mich systematisch auf die inhaltlichen Aufgaben eines Geschäftsführers vorbereiten kann. Der berufsbegleitende BWL-Studiengang stellt dabei für mich die ideale Lösung dar, verschlossene Türen für meine weitere Karriere zu öffnen. Meine anfängliche Sorge, aus dem Lernrhythmus gekommen zu sein, war jedoch unbegründet. Das Gegenteil war der Fall: Im „Alter“ konzentriert man sich präziser auf Schwerpunkte und geht gestellte Aufgaben zielstrebiger an. Dabei kamen mir auch die Berufspraxis und die Erfahrungen aus 17 Jahren als Eishockey-Profi zugute.

Die Aufnahme des Studiums an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg ist die beste berufliche Entscheidung gewesen, die ich bisher in meinem Leben getroffen habe. Das Blended-Learning- Format (nur vier Präsenztage pro Modul), die Online-Aufgaben als Klausurvorbereitung und die Projektarbeiten sind zusätzlich zu meinem normalen Arbeitsalltag eine sehr wertvolle Ergänzung und Abwechslung geworden. Der direkte Kontakt zu den Lehrenden und deren enge Betreuung in kleinen Lerngruppen ist für mich darüber hinaus ein besonderer Vorteil dieses Studienganges. Dieser direkte Kontakt wirkt sehr motivierend und bewahrt den Studierenden uns Studierende vor Irrwegen. Die Lehrenden zeigen auf, wie wichtig es ist, das Praxiswissen mit theoretischen Inhalten zu vertiefen, und geben direktes Feedback.

Ich hatte Glück, direkt nach meiner Genesung ins Arbeitsleben starten zu können. Nicht jeder Sportler erhält nach seiner Karriere eine solche Chance. Dabei ist die Dringlichkeit eines Plans für die Karriere nach der Karriere bei Profisportlern enorm hoch. Ein berufsbegleitender Studiengang kann der Wegbereiter sein – in meinem Fall hat es geklappt.

Veröffentlicht:

David Sulkovsky
© EC Hannover Indians
David Sulkovsky

Geschäftsführer, EC Hannover Indians, und ehem. Eishockey-Profispieler

David Sulkovsky ist Geschäftsführer des Eishockeyclubs Hannover Indians. Darüber hinaus studiert er BWL in einem berufsbegleitenden Studiengang für Leistungssportler. Nach 17-jähriger Tätigkeit in der Eishockey-Profiliga musste er seine Karriere wegen einer Verletzung beenden. Seine Erfahrungen als Führungsspieler einer Mannschaft kann er heute auch in der Geschäftswelt anwenden.

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