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Power of Diversity: Wie verschieden wollen wir sein?

78 Prozent der in einer XING Studie befragten Personaler glauben, dass mehr Vielfalt eine Firma erfolgreicher macht. Aber nur gut die Hälfte achtet schon heute bewusst auf Diversity.

Das Team der „Anderen“ schlägt das Team der „Besten“

Anja Förster
  • Homogene Eintönigkeit ist der Normalzustand in Unternehmen
  • Dabei erzielt man dank Diversität schneller bessere Ergebnisse
  • Homogenität hingegen führt zu Konformismus und intellektueller Verstopfung

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„Unsere Führungsetage ist durchgängig weiß, männlich und jenseits der 50“, also fordert man zeitgeistig, „wir brauchen dringend mehr Diversität!“ So weit, so richtig. Allerdings könnte die gängige Schlussfolgerung daraus nicht dümmer sein. Eine Quotenfrau hier, ein Vorzeigeausländer dort, aber bitte nicht zu viel, denn man will die Organisation nicht gleich überfordern. Das ist Schwachsinn zum Quadrat. Nicht auf das Rekrutieren ausgewählter Alibis kommt es an, sondern auf eine auf allen Hierarchieebenen gelebte Vielfalt von Erfahrungshintergründen, Lebenseinstellungen und Meinungen. Das aktiv zu fordern und zu fördern – und zwar auf allen Ebenen des Unternehmens –, das ist Diversität.

Die Stärkung einer Vielzahl verschiedener Lebenserfahrungen und gegensätzlicher Perspektiven ist nicht deshalb wünschenswert, weil das gerade so schön zum Zeitgeist passt und sich irgendwie menschlich oder sozial anhört, sondern weil bunte Teams einfach besser sind. Heterogenität und Diversität erzeugen eine kreative Spannung, die oft zu innovativeren Ideen und besseren Ergebnissen führt.

Diversität schlägt Begabung

Ein weit verbreiteter Irrtum ist, dass die besten Teams diejenigen sind, in denen die vermeintlich klügsten Köpfe zusammengebracht werden. Aber egal wie intelligent die einzelnen Teammitglieder auch sein mögen, wenn die Truppe allzu homogen ist, bleibt sie auf den eigenen blinden Flecken im kreativen Halbdunkel sitzen. Da nutzt es auch nichts, wenn man die vermeintlich besten Leute von den besten Universitäten eingestellt hat. Der Sozialwissenschaftler Scott E. Page von der Princeton University hat herausgefunden, dass Diversität Begabung schlägt: Teams mit vielen „anderen“ entwickeln viele sehr unterschiedliche Lösungsansätze, die sich teilweise ergänzen, sich aber auch teilweise widersprechen – und in einem konstruktiven Wettbewerb gegeneinander antreten. Die Teams der „Besten“ dagegen denken untereinander ähnlich und können sich darum nicht gegenseitig herausfordern. Das Ergebnis: Das Team der „anderen“ liefert schneller, mehr und originellere Lösungsansätze und kann die Probleme besser lösen.

Von Schafsherden dürfen Sie nichts Innovatives erwarten

So weit, so nachvollziehbar. Allerdings sieht in der Praxis die Sache anders aus. Uniformität – nicht Diversität – ist der Normalzustand. Menschen, die nicht dem genormten Einheitsbild entsprechen und deren Lebenslauf nicht schnurgerade verläuft, sondern womöglich Umwege aufweist? Landen im Bewerberstapel in der Kategorie A. Damit ist leider nicht A wie erste Wahl gemeint, sondern A wie abgelehnt. Dieses Vorgehen hat eine giftige Nebenwirkung: Von einem Unternehmen, in dem die Mitarbeiter einen ähnlichen sozialen Hintergrund, eine ähnliche Ausbildung, ein ähnliches Denken und eine ähnliche Kleidungspräferenz in den Farbschattierungen mausgrau, steingrau, fahlgrau und aschgrau haben, dürfen Sie nicht viel Innovatives erwarten. Entspricht die Mehrheit der Unisex-Einheitsnorm, ist die Gefahr groß, dass vorwiegend Argumente diskutiert werden, die den Konsens stützen. Das ist die Geburtsstunde der Schafsherde – auch wenn das in so manchem Unternehmen als „Teamgeist“ gepriesen wird.

Es ist eine gute Idee, weniger harmoniesüchtig zu agieren

Damit sich das ändert, brauchen wir heute vor allem eine Eigenschaft, die an vielen Stellen in Wirtschaft und Gesellschaft unzureichend entwickelt ist: Toleranz. Es ist kein potenzieller Verrat am Teamspirit, eine abweichende Meinung zu haben! Sondern es ist eine gute Idee, weniger harmoniesüchtig zu agieren, unterschiedliche Perspektiven zu durchdenken und Wege zu finden, genau diese produktive Reibung zwischen Gegensätzen zu kultivieren, um durchdachtere und bessere Antworten zu finden.

Und ja: Das ist anstrengend, zeitaufwendig und nicht immer einfach, manchmal sogar nervig. Dennoch ist das Vorgehen richtig. Denn bei allzu viel Konformität gilt, was einst der US-amerikanische Journalist Walter Lippmann sagte: „Wo alle gleich denken, denkt keiner sehr viel.“


Diskutieren Sie mit, liebe Leserinnen und Leser! Was halten Sie von Diversity? Sind gemischte Teams Ihrer Erfahrung nach die besseren? Wir freuen uns auf spannende Diskussionen!

Veröffentlicht:

Anja Förster
© Anja Förster
Anja Förster

Unternehmerin, Autorin und Rednerin

für Querdenken, Perspektiv-Wechsel, Innovation, Führung

Anja Förster ging nach einigen Jahren Führungserfahrung bei der Rewe Gruppe für ihr MBA-Studium in die USA. Anschließend war sie als Managerin für die Unternehmensberatung Accenture tätig. Im Jahr 2002 kündigte sie, um sich ganz ihrer Leidenschaft zu widmen, Organisationen und Menschen zu unterstützen, ihr volles Potenzial zu entfesseln. Sie führt mit ihrem Mann Peter Kreuz ihr eigenes Unternehmen und ist eine international gefragte Referentin und erfolgreiche Autorin.

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