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Elternzeit: Kind da, Job weg?

Kehren Mütter oder Väter aus der Elternzeit zurück, landen vor allem Frauen oft in der „Teilzeitfalle“. Ein gesetzliches Rückkehrrecht soll dieses Schicksal beenden. Doch noch ist es nicht umgesetzt.

Den Prototyp des modernen Vaters gibt es nicht

Sascha Schmidt
  • Weder Politik noch Wirtschaft dürfen das Vatersein definieren
  • Die Entscheidung, wie man Kinder aufzieht, ist höchst individuell
  • Männer sollten sehr klare Vorstellungen haben, was sie wollen

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Ob Vollzeitjob, zwei Monate Elternzeit oder längere Teilzeit inklusive Karrierebremse ist eigentlich egal. Die zentrale Frage lautet immer: Was für ein Vater will ich sein?

Die Antwort darauf ist hochindividuell und hat viele Gesichter. Es gibt Männer, die sagen: Ich will ein bewusster, anwesender und unterstützender Vater sein, daher ist es mir sehr wichtig, eine vertrauensvolle und feste Beziehung zu meinen Kindern aufzubauen.

Überforderung muss sein dürfen

Es gibt jedoch auch Männer, die sagen, dass das Vatersein sie überfordert. Dass sie gern als Ernährer in Erscheinung treten und am Wochenende die Kinder teilweise übernehmen. Und es gibt Frauen sowie Mütter, die sowohl den einen Typ Vater als auch den anderen Typ Vater bevorzugen. Das ist eine innere Paarangelegenheit. Hier haben weder Politik noch Wirtschaft mitzureden. Paare müssen das für sich klären – zuerst als Frau und Mann und dann als Mutter und Vater.

Auf die Frage, was ein guter Vater sei, sagte der bekannte Familienexperte Jesper Juul dem Männermagazin „GQ“: „Meiner Erfahrung nach sind die Väter am zufriedensten und haben das beste Verhältnis zu ihren Kindern, die sich darüber im Klaren sind, dass sie ein Mann, ein Partner und ein Vater sind – und zwar in dieser Reihenfolge!“

Männer sollten also für sich eine klare Vorstellung haben, was sie erleben wollen – im Job, in der Familie und ganz persönlich für sich selbst. Wenn jemand sich einen Traum erfüllt, in dem er eine Firma gründet und sehr viel Zeit und Kraft da reinsteckt, dann ist dies ein genauso guter Vater, als wenn jemand für sich entscheidet, zu Hause zu bleiben. Da gibt es kein Richtig oder Falsch.

Die gemeinsame Zeit ist einmalig

Wer seine Kinder liebt und eine Beziehung zu ihnen aufbauen will, der wird das auch machen. In Beziehung sein bedeutet, in Kontakt zu sein – mit dem Kind und mit sich selbst. Das funktioniert am besten, indem gemeinsame Zeit miteinander verbracht wird. Ein Landwirt nimmt keine Elternzeit, er nimmt seine Kinder einfach mit aufs Feld. Das klappt natürlich nicht in den Bürojobs. Und da kommt die Elternzeit ins Spiel.

In den zwei Vätermonaten kann sich Mann sehr gut klar werden, was für ein Vater er sein will. Und dann kann er handeln. Entweder es geht im bestehenden Job, oder er muss den Job wechseln. Mit den ganzen Konsequenzen, etwa möglichem Gehaltsverlust und Karrierebremse. Doch Karrieren lassen sich aufschieben und teilweise planen; die Entwicklung der Kinder ist einmalig. Was verpasst wurde, wurde verpasst – für immer.

Veröffentlicht:

Sascha Schmidt
© Privat
Sascha Schmidt

Karriere- und Personalberater, Selflab

Sascha Schmidt ist ganzheitlicher Karrierberater, zweifacher Vater sowie mehrfacher Buchautor (u.a. „Neue Väter - neue Karrieren“ bei Gabal). Er wurde 2011 von Jesper Juul zum familylab-Seminarleiter weitergebildet. Seitdem liegt ein Beratungsfokus auf der Vereinbarkeit von Karriere und Familie.

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