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Sollten homöopathische Behandlungen Kassenleistung sein?

Viele gesetzliche Krankenkasse übernehmen mittlerweile die Kosten für homöopathische Behandlungen. Über die Wirksamkeit wird jedoch gestritten – zuletzt entbrannte dazu auf Twitter ein Streit.

Der Beruf des Heilpraktikers darf so nicht mehr existieren

Dr. Christian Weymayr

Projektleiter, IGeL-Monitor

Dr. Christian Weymayr
  • Die Ausbildung zum Heilpraktiker ist kurz und weitgehend unreguliert
  • Zudem stehen Homöopathen neuen Erkenntnissen skeptisch gegenüber
  • Folglich muss das Berufsbild umgehend reformiert werden

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Im deutschen Gesundheitswesen existieren zwei Parallelwelten: die Welt der akademischen Medizin und die Welt der Heilpraktiker. Die akademische Medizin steht – im Idealfall – im Einklang mit den Naturwissenschaften, sucht nach Nutzenbelegen in Studien und entwickelt sich stetig weiter. Die meisten Heilpraktiker dagegen sehen die Wissenschaft skeptisch. Sie streben nicht nach Fortschritt, sondern bewahren die traditionelle Naturheilkunde. So schreibt der Dachverband der Heilpraktikerverbände, Naturheilkunde sei „grundsätzlich unabhängig von Zeitströmungen, Systemzwängen oder dem jeweils herrschenden Wissenschaftsbild“.

Erkenntnisfortschritt, den es nicht gäbe, wenn man Altes nicht überwinden würde, wird hier als Beliebigkeit abgetan – eine absurde Fehldeutung. Schon die Erkenntnisse eines Rudolf Virchow über die Entstehung von Krankheiten, seit gut 150 Jahren eine der Grundlagen unserer heutigen Medizin, sind der Naturheilkunde suspekt. Diese wissenschaftliche Ignoranz ist einer der beiden Gründe, warum der Beruf des Heilpraktikers dringend reformiert werden muss.

Der zweite Grund ist die Heilpraktikerzulassung: Während Mediziner ein langes Studium absolvieren und praktische Erfahrung am Krankenbett sammeln müssen, ist die Ausbildung zum Heilpraktiker kurz und weitgehend unreguliert. Für die Zulassung müssen sie nur eine Prüfung ablegen, in der sie zeigen sollen, dass sie keine Gefahr für die Allgemeinheit darstellen. Da Heilpraktiker dennoch das Etikett „staatlich anerkannt“ bekommen, können Patienten leicht den falschen Eindruck gewinnen, es handle sich bei Medizinern und Heilpraktikern um gleichwertige Alternativen.

Eine Möglichkeit: Der Beruf des Heilpraktikers wird abgeschafft

Aus diesen Gründen ist es dringend notwendig, den Beruf des Heilpraktikers zu reformieren. Dafür haben sich Mediziner, Wissenschaftler und andere Fachleute, zu denen auch ich gehöre, zu einem 17-köpfigen Expertenrat zusammengetan, dem Münsteraner Kreis. Wir wollen ausloten, wie ein solidarisches Gesundheitswesen verantwortlich und fair mit dem Clash zwischen Pseudowissenschaft und Selbstbestimmung umgehen sollte. Im „Münsteraner Memorandum Heilpraktiker“ haben wir kürzlich zwei Wege zur Reform des Heilpraktikerberufs aufgezeigt: 1. Der Heilpraktikerberuf wird abgeschafft. 2. Der Heilpraktikerberuf wird abgelöst durch „Fach-Heilpraktiker“ als Zusatzqualifikation für bestehende Gesundheitsfachberufe. Für diese Kompetenzlösung kommen dann nur solche Verfahren in Betracht, die wissenschaftlich fundiert sind. Rein esoterische Methoden wie Antlitz- und Irisdiagnose, Anthroposophie und Homöopathie würden aussortiert werden und dort landen, wo sie hingehören: bei den Heilern.

Ob die Vorschläge umgesetzt werden, ist jetzt Sache der Politik. Wer sich für ein Gesundheitswesen einsetzt, das der Wissenschaft verpflichtet ist, wird womöglich Wähler verlieren. Darunter werden auch Ärzte sein. Eine Ärztin kommentierte das Memorandum so: „Sich auf etablierte medizinische Wissenschaft zu berufen ist wirklich peinlich.“ Man kann mit so einem Vorstoß aber auch Wähler gewinnen. Vielen Menschen scheint das Memorandum aus dem Herzen zu sprechen. Eine Zahnärztin unterstützt es, weil Menschen vom Heilpraktiker mit dem Wunsch zu ihr kämen, „als ,Störfelder‘ bezeichnete Zähne grundlos zu beseitigen“. Zu den namentlichen Unterstützern des Memorandums zählt auch ein Heilpraktiker. Ihm sind die „dubiosen Verfahren“ ebenfalls ein Dorn im Auge. Viele Kolleginnen und Kollegen, sagt er, werfen einfach „drei Knochen hoch“.

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Dr. Christian Weymayr
© Christian Weymayr
Dr. Christian Weymayr

Projektleiter, IGeL-Monitor

Dr. Christian Weymayr ist Projektleiter beim IGeL-Monitor und freier Wissenschafts- und Medizinjournalist. Nach einem Robert-Bosch-Stipendium für Wissenschaftsjournalismus war der promovierte Biologe als Medizinredakteur bei der „Zeit“ und bei „Ergo“ (Bauer-Verlag) angestellt, betreute drei Jahre lang das Forschungsmagazin „Research“ von Bayer und schrieb zehn Jahre als freier Autor für das Wirtschaftsmagazin „Brand eins“. Er ist Autor verschiedener Bücher und Mitglied im Münsteraner Kreis.

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