Probleme beim Einloggen

Tele-Medizin: Werden Online-Sprechstunden bald Standard?

Der Deutsche Ärztetag hat sich mit großer Mehrheit dafür ausgesprochen, dass Patienten künftig auch allein aus der Ferne behandelt werden können. Gold-Standard aber bleibe der persönliche Kontakt.

Der deutsche Gesundheitsmarkt ist zu sehr reglementiert

Katharina Jünger
  • In den ländlichen Regionen sind Fachmediziner oftmals Mangelware
  • Via Telemedizin können Ärzte künftig Online-Sprechstunden anbieten
  • Wir müssen diesen Schritt wagen, um nicht den Anschluss zu verlieren

2.017 Reaktionen

Ich komme aus einer Ärztefamilie und bin damit aufgewachsen, dass ich immer einen Arzt in meiner Nähe habe – egal wann und egal wo. Freunde haben mich um diesen Luxus oft beneidet. Immer wieder kam es vor, dass sie mich oder meine Eltern um ärztlichen Rat fragten, zum Beispiel wenn sie im Ausland waren und ein deutscher Arzt nicht verfügbar war.

Auch bei einfachen gesundheitlichen Themen, für die sie nicht extra einen Arzt aufsuchen wollten, fragten sie um Rat. Daher weiß ich: Viele Menschen gehen bei vermeintlich harmlosen Beschwerden oder Fragen nicht zum Arzt, obwohl es durchaus sinnvoll wäre. Doch ob die Sorgen um die eigene Gesundheit unnötig oder berechtigt sind, kann meist nur im persönlichen Arztgespräch geklärt werden.

Mit Telemedizin sparen Ärzte und Patienten Zeit

Ich möchte deshalb allen Menschen die Möglichkeit geben, einfach und unkompliziert mit einem Arzt sprechen zu können. Egal, um was es geht, wo man gerade ist oder wie viel Uhr es ist. Denn eins ist klar: Nicht in jeder kleinen Stadt finden Sie beispielsweise einen spezialisierten Orthopäden. In Dörfern ist man teilweise schon froh, wenn ein Allgemeinarzt ansässig ist. Da müssen Mütter dann mit ihren Kindern in die nächste Stadt fahren, um einen Arzt zu konsultieren.

Genau an dieser Stelle setzen wir mit unserem telemedizinischen Gesundheits-Hub an. Entfernungen können dank modernster Technik überwunden werden. Der Facharzt oder Spezialist in Hamburg kann sich die Röntgenbilder des Patienten aus einem weit entfernten Ort ansehen und ihn via Videosprechstunde beraten. Auch Geschäftsreisende können problemlos einen Arzt von unterwegs aus erreichen. Ohne lange Wege oder Zusatzkosten.

Termine so schnell wie möglich

Telemedizin und Online-Videosprechstunde bieten deswegen enorme Vorteile. Das bewertet übrigens auch die Verbraucherzentrale so, die in der Online-Videosprechstunde ein geeignetes Mittel sieht, die Patientenautonomie zu fördern. Gerade wenn es um die Einholung einer Zweitmeinung geht.

Von den mittlerweile langen Wartezeiten auf Arzttermine können viele Berufstätige ein Lied singen; Abendtermine sind oft über viele Wochen ausgebucht. Hier kann die Online-Videosprechstunde helfen. Bei uns erreicht man innerhalb weniger Minuten von überall einen Arzt und kann sich Rat holen. Egal, ob man gerade auf Geschäftsreise ist, im Zug sitzt oder im Büro. Das ist eine enorme Verbesserung der Qualität unserer Gesundheitsversorgung. Die ärztliche Versorgung kann sich der Digitalisierung, die mittlerweile jeden Lebensbereich erreicht hat, nicht entziehen.

Deutschland muss sich mehr öffnen

Wichtig ist, dass Deutschland in dieser Hinsicht nicht den Anschluss verliert. Die Schweiz oder die USA sind da viel weiter. Hier in Deutschland ist der erste Gesundheitsmarkt jedoch stark reguliert und lässt nicht viel zu. Aus meiner Sicht ist es zwingend notwendig, dass Deutschland sich mehr öffnet, denn die Digitalisierung wird nicht aufzuhalten sein. Zumal sie Lösungsansätze für viele Probleme bietet, vor denen wir aktuell stehen. Wir sollten dieses Feld nicht ausländischen Anbietern überlassen – gerade weil wir hier in Deutschland ganz besonders anspruchsvoll sind in puncto Datenschutz. Und das auch zu Recht.

TeleClinic legt größten Wert auf Datensicherheit. Wir möchten das Thema Digitalisierung im Gesundheitswesen auf qualitativ höchstem Niveau vorantreiben. Dabei respektieren wir die aktuelle Gesetzeslage, loten aber auch unsere Möglichkeiten vollständig aus. Ich bin der Ansicht, dass perspektivisch Rezepte zumindest bei klar definierten Bagatellkrankheiten oder chronisch Kranken auch in der Online-Videosprechstunde ausgestellt werden können, ohne dass Patienten und Ärzte in irgendeiner Form Nachteile haben. Hier sollte der Gesetzgeber entsprechende Grundlagen schaffen. In der Schweiz funktioniert es ja auch.

Veröffentlicht:

Katharina Jünger
© TeleClinic
Katharina Jünger

Mitgründerin, TeleClinic

Katharina Jünger (Jg. 1991) ist Mitgründerin des Münchner Unternehmens TeleClinic. Zuvor studierte sie Jura an der Ludwig-Maximilians-Universität München, wo sie die regulatorischen Hürden der Telemedizin analysiert und ein Geschäftsmodell entwickelt hat, das im Einklang mit gesetzlichen Vorschriften steht.

Mehr anzeigen

Werden Sie kostenlos XING Mitglied, um regelmäßig Klartext-Debatten zu aktuellen Themen zu lesen.

Als XING Mitglied gehören Sie zu einer Gemeinschaft von über 14 Mio. Berufstätigen allein im deutschsprachigen Raum. Sie erhalten zudem ein kostenloses Profil und den Zugang zu spannenden News, Jobs, Gruppen und Events.

Mehr erfahren