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Erste Fahrverbote für Diesel: Der richtige Weg für saubere Luft?

Hamburg sperrt als erste Stadt in Deutschland Straßen für dreckige Dieselfahrzeuge. Politik und Experten streiten, ob das ausreicht, um die Schadstoffbelastungen wirksam zu verringern.

Der Markt kann den Verkehr regeln – wenn wir ihn ermöglichen

Prof. Dr. Axel Ockenfels

Universität zu Köln

Prof. Dr. Axel Ockenfels
  • Autofahrer berücksichtigen nicht, dass sie zur Überlastung beitragen
  • Die Kosten dafür tragen wir alle in Form von Staus und Luftverschmutzung
  • Der Verkehr wird optimiert, wenn die Kosten sachgerecht internalisiert werden

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Staus verursachen hohe soziale und ökonomische Kosten. Sie entstehen weder, weil der Nahverkehr zu teuer ist, noch weil es nicht genügend Straßen gibt. Der Grund ist, dass die Autofahrer die Kosten, die sie Anderen durch ihren Beitrag zur Überfüllung der Straßen auferlegen, nicht berücksichtigen. So lange aber der einzelne Autofahrer die von ihm verursachten Kosten der Straßennutzung nicht tragen muss, wird sie subventioniert. Das Resultat sind verstopfte Straßen. Das ist nicht nur ineffizient, sondern auch ungerecht.

Diese Probleme könnten der Vergangenheit angehören, wenn alle Kosten der Straßennutzung sachgerecht internalisiert würden. Diese Kosten hängen nicht nur vom Fahrzeug, sondern auch von Zeit und Ort der Straßennutzung ab. Deshalb wäre es nötig, präzise zu messen, welches Stück Straße jedes Fahrzeug zu welchem Zeitpunkt nutzt. Früher wäre das nicht möglich gewesen. Aber dank moderner Technologie ist das heute kein Problem mehr. Erstmals könnte also Straßennutzung chirurgisch präzise und ökonomisch effizient bepreist werden. Tut man dies, werden Staus zu minimalen Kosten eliminiert.

Denn effiziente Preise führen dazu, dass vielbefahrene Straßen von denen gemieden werden, die am leichtesten auf weniger befahrene Straßen, auf andere Zeiten oder auf alternative Verkehrsmittel ausweichen können. Oft reicht bereits eine kleine Reduktion der Anzahl der Fahrzeuge aus, um einen Verkehrskollaps zu vermeiden. Die Straßeninfrastruktur könnte so effizienter genutzt werden, Staus und Luftverschmutzung würde Einhalt geboten.

Kostenloser Nahverkehr würde das Problem nicht lösen

Andere Ansätze wie zum Beispiel der aktuelle Vorschlag, öffentlichen Nahverkehr kostenlos anzubieten, würden die Verkehrsprobleme hingegen nicht lösen. Natürlich würden mehr Menschen das dann kostenlose Angebot nutzen. Aber die Straßen würde das nicht entlasten. Denn einerseits würden dann auch komplett neue Verkehrsteilnehmer angezogen und andererseits würde der freie Platz auf den Straßen schnell von anderen Fahrern in Beschlag genommen werden.

Ein ähnlicher Effekt entsteht, wenn neue Straßen gebaut werden. Sobald mehr Platz auf der Straße ist, zieht das neue Autofahrer an. In der Wirtschaftswissenschaft wurde dieser Jo-Jo-Effekt als „Fundamentales Gesetz der Straßenverstopfung“ bekannt. Die einfache Wahrheit ist: Solange die Straßennutzung keinen kostengerechten Preis bekommt, ist die Nachfrage größer als das Angebot. Ein kostenloser öffentlicher Nahverkehr wird daran nichts ändern.

Es gibt gute Beispiele dafür, dass ein solcher Markt möglich ist

Es gibt noch viele Fragen vor der Einführung einer effizienten Bepreisung der Straßennutzung zu klären. Weltweit arbeiten Regierungen und Wissenschaft zusammen, um darauf Antworten zu finden. Doch eines ist jetzt schon klar: Die Bewältigung einer der drängendsten Herausforderungen moderner Gesellschaften ist heute möglich.

Dass ein Markt für die Straßennutzung technologisch darstellbar ist, demonstrieren überaus erfolgreich andere Infrastrukturmärkte, die eine dynamische und effiziente Bepreisung von Netzwerken vormachen, etwa im Strombereich. Auch führt ein klug gestalteter Markt für die Straßennutzung – anders als Wartezeiten im Stau – zu Erlösen, die potenziell unerwünschten Verteilungseffekten entgegenwirken können.

Herausforderungen im Datenschutz wären, wie beispielsweise im Telekommunikationssektor, adressierbar. Neue, smarte Verkehrssysteme und Fahrerassistenten können dynamische Bepreisung nahtlos integrieren. Es gibt kaum Zweifel: Die dynamische Bepreisung der Straßennutzung ist die Zukunft des Verkehrs.


Mehr Informationen zum Modell eines Marktes für die Straßenbenutzung bietet ein aktuelles Arbeitspapier aus dem Januar, das kostenlos heruntergeladen werden kann.

Veröffentlicht:

Prof. Dr. Axel Ockenfels
© Ockenfels
Prof. Dr. Axel Ockenfels

Universität zu Köln

Prof. Dr. Axel Ockenfels (Jg. 1969) ist Wirtschaftsprofessor an der Universität zu Köln, Direktor des Kölner Labors für Wirtschaftsforschung und Sprecher des Exzellenzzentrums für soziales und ökonomisches Verhalten der Universität zu Köln. Er ist Spezialist für Marktdesign und Verhaltensforschung.

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