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Die „Sandwich-Manager“ – Leistungsträger oder Sündenbock?

Sie bekommen Druck von oben und Druck von unten – das mittlere Management hat es meist nicht leicht. Doch Experten sehen nicht nur die Unternehmen in der Pflicht, etwas zu verändern.

Der „Sandwich-Manager“ ist von Burn-out besonders bedroht

Boris Gloger
  • Die Sandwich-Position des mittleren Managements ist hohem Druck ausgesetzt
  • Aus Angst vor einem beruflichen Abstieg werden Signale des Körpers überhört
  • Die Lösung: Eine Delegation von Aufgaben und ein besseres Selbstmanagement

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Herrgottsfrüh aufstehen, E-Mails checken, an Konzepten schrauben, mittags das Essen gegen zwei Koffeintabletten eintauschen und abends dann noch die Videokonferenz mit den Kollegen aus Übersee. Viele Deutsche sind mit ihrer Arbeit stark überfordert, belegt eine Studie der Bertelsmann Stiftung. Um ihr Pensum bewältigen zu können, lassen Arbeitnehmer demnach Pausen ausfallen und gehen krank zur Arbeit. Besonders betroffen ist das mittlere Management: Aus Angst vor beruflichem Abstieg wird so lange geklotzt, bis es nicht mehr geht. Das endet nicht selten im Burn-out.

Das mittlere Management in der Zwickmühle

Von oben machen die Entscheider Druck und wollen Ergebnisse sehen. Von unten drängen junge High Potentials nach Erfolg und Aufstieg. Besonders für Manager ab Mitte vierzig wird es immer schwieriger, mit jüngeren, leistungsfähigeren Kollegen mitzuhalten – auch wenn es nicht leicht ist, sich das einzugestehen. Aufgrund des Drucks von zwei Seiten ist die mittlere Managementebene auch besonders anfällig für Burn-out. Dabei wäre für ein „Mithalten“ gar kein „Mitsprinten“ vonnöten. Es bräuchte lediglich ein Umdenken, um sich aus dieser Zwickmühle zu befreien.

Sandwich-Position: vom Risiko zur Chance

Wer einem Burn-out entgegensteuern will, sollte in sich selbst investieren. Dazu benötigt der Manager den knappsten aller Rohstoffe der Bürowelt: Zeit. Vereint er wesentliche Aspekte aus der „oberen“ und „unteren“ Unternehmensebene, kann er sich Zeit verschaffen und langfristig vom Druck angesichts steigender Belastungen befreien. Das bedeutet, aus der „oberen“ Ebene zu adaptieren, mehr Aufgaben zu delegieren und dadurch weniger zu arbeiten. Aus der „unteren“ Ebene: nicht zu managen, sondern dort mithilfe von Techniken zur Selbstorganisation zum Selbstmanagement anzuleiten.

Der Manager als Host

Delegation ist nur ein Schlüssel zum Erfolg, aber nicht ausreichend. Manager sollten als „interne Coaches“ auftreten, die anleiten, lehren und vermitteln, zum Selbstmanagement anregen und für die Probleme der Kollegen da sein. Dabei ist klar: Die Arbeitswelt wird zunehmend komplexer. Ein wichtiger und wesentlicher Aspekt ist, dies zu erkennen und für aufstrebende High Potentials die größeren Zusammenhänge aufzuzeigen und ihnen beim Navigieren zu helfen. Denn egal wie viele Fähigkeiten die jungen Talente mitbringen, Erfahrung ist ein Alleinstellungsmerkmal ihrer Vorgesetzten. Manager als Hosts setzen für ihre Teams, Abteilungen und Projekte dabei auch die zentralen Rahmenbedingungen, in denen sich ihre Kollegen selbstständig bewegen und arbeiten können.

Investition in sich selbst

Rein mit Fachwissen und einer 60-Stunden-Woche kann man mit zunehmendem Alter in der heutigen digitalen Zeit nicht mehr bestehen – weder gesundheitlich noch im Unternehmen. Die Halbwertszeit von Wissen verkürzt sich, das Tempo steigt. Daher sollten Best-Ager-Führungskräfte in sich selbst investieren. Das bedeutet, mehr Aufmerksamkeit auf Familie und Hobbys zu richten. Kurz: mehr Inspiration. Das beflügelt auch das Alltagsleben. Wir müssen einen Weg finden, neue Formen des Arbeitens vorzuleben, und den Sinn hinter den Dingen erklären können. Nur so werden wir wieder als Partner der Jüngeren wahrgenommen – und vielleicht sogar als Vorbilder.

Veröffentlicht:

Boris Gloger
© Privat
Boris Gloger

Gründer und Geschäftsführer, borisgloger consulting GmbH

für Agiles Management & neues Arbeiten

Boris Gloger ist Gründer und Geschäftsführer der Managementberatung borisgloger consulting GmbH mit Sitz in Baden-Baden und Wien. Der Managementberater ist Autor mehrerer Bücher zum Thema Scrum – ein Framework, mit dessen Hilfe Software beziehungsweise Projekte agil entwickelt werden können. Weltweit setzen Unternehmen das Vorgehensmodell für die Produkt- und Organisationsentwicklung ein. Boris Gloger ist Speaker und Keynote-Speaker zahlreicher Branchenveranstaltungen rund um das Thema Management.

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