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Unnütz oder unersetzbar: Brauchen wir noch Personalabteilungen?

Sie galten lange als eines der Herzstücke eines Unternehmens: Human Resources (HR) verantworten alle Themen rund um das Personal. Doch die Digitalisierung verlangt nach neuen HR-Konzepten.

Der Untergang der Personalerzunft ist eine Mär

Dr. Elke Eller

Präsidentin, Bundesverband der Personalmanager

Dr. Elke Eller
  • Ein Abgesang auf die Rolle von Human Resources (HR) ist kontraproduktiv
  • Es geht nicht mehr darum, was wir sein wollen, sondern was wir bewirken
  • HR legt die Basis, damit Menschen so arbeiten können, wie sie wollen

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Der moderne Manager kennt kein verführerischeres Wesen als die Zukunft. Zwar legt ihm die Technik der Gegenwart schon viel Fortschrittliches in die Hand, aber das kommt bei Weitem nicht gegen die Frage an, wohin uns die durchdigitalisierte Welt noch führen mag.

Dieses Gefühl kennen auch wir Personaler nur allzu gut. Schließlich beschäftigen sich Heerscharen von Beratern seit geraumer Zeit damit, ein exaktes Bild unserer künftigen Rolle im Unternehmen zu zeichnen. Die Optimisten unter ihnen reden vom Recruiter als “Gestalter” oder “Innovator” der digitalen Arbeitswelt. Leider sind das die Wenigsten. Denn das Gros der Marktforscher und Experten liefert schier unermüdlich grobe Hochrechnungen vom Untergang der Personalerzunft: “Wer braucht noch die Personalabteilung?”, “Personaler hinken hinterher” oder “Personaler sind lebende Leichen”, wird da getitelt, was das Zeug hält. Das ist erschreckend. Zumal diese Wahrnehmung in der Konsequenz dazu führen wird, dass der so dringend benötigte Nachwuchs sich erst gar nicht für das Peoplemanagement als berufliche Option entscheidet.

Die beste Strategie nützt nichts, wenn die Mitarbeiter dazu fehlen

Ich finde, wir Personaler sollten nicht länger mit ansehen, wie diese Industrie der Zukunftsbeschwörer unsere Arbeit als Projektionsfläche zur Selbstinszenierung nutzt, sondern die wahren Herausforderungen im Hier und Jetzt auf den Tisch bringen. Denn gerade im Sog der Digitalisierung wird das Unsichtbare häufig erst langsam sichtbar und relevant.

Das gilt vor allem für die stramme Agenda der Personaler, die künftig stärker denn je dafür sorgen müssen, dass Unternehmen auf Basis einer funktionierenden agilen Arbeitskultur noch schneller und innovativer werden. Und das vor dem Hintergrund einer nicht ganz einfachen Situation am Arbeitsmarkt, in der sich die Kräfteverhältnisse der Akteure gerade gewaltig verschieben. Denn einerseits scheiden in den kommenden Jahren die geburtenstarken Jahrgänge der Babyboomer aus dem Arbeitsmarkt aus und reißen laut Annahmen der Wirtschaftsweisen jährlich eine zusätzliche Lücke von 300.000 Erwerbstätigen. Andererseits können damit gar nicht mehr so viele Fachkräfte nachrücken, wie wir an den entscheidenden Stellen jetzt und in Zukunft brauchen, um die Unternehmen bei der Transformation zu unterstützen. Denn was nützt die beste Digitalstrategie, wenn es keine bereiten und fähigen Mitarbeiter gibt, die sie umsetzen, oder wenn schlimmstenfalls sogar gegen sie gearbeitet wird?

Wir brauchen offene Türen für mehr Innovation und Wettbewerb

Um hier schnelle Lösungen zu finden, sind wir Personaler gefragt. Eine Aufgabe, bei der wir mit unseren bisherigen HR-Baukästen nicht mehr weiterkommen. Jetzt geht es darum, den Menschen gute, sichere und vor allem flexible Jobs zu garantieren, damit sie ihre individuelle Lebens- und Arbeitssituation meistern können. Zudem ist da noch die Schere zwischen technischem Wettrüsten und kultureller Anschlussfähigkeit, die wir auch nicht vernachlässigen dürfen.

Wie man daran unschwer erkennen dürfte, haben wir Personaler also an allen Fronten kräftig zu tun, an denen es auf der einen Seite um den radikalen Umbau unserer Arbeitsstrukturen und -prozesse, auf der anderen Seite um die richtigen Fähigkeiten und Jobmöglichkeiten geht.

Ich hoffe, dass sich vor diesem Hintergrund die Frage “Weshalb brauchen wir eigentlich HR?” nicht mehr stellt. Denn eine Personalpolitik, die diese Herkulesaufgaben künftig meistern wird, braucht keinen Abgesang, sondern offene Türen, um die richtigen personellen Voraussetzungen für mehr Wettbewerb und Innovationen schaffen zu können.

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Dr. Elke Eller
© TUI
Dr. Elke Eller

Präsidentin, Bundesverband der Personalmanager

Dr. Elke Eller ist Mitglied des Vorstandes für das Ressort Personal sowie Arbeitsdirektorin der TUI Group und Präsidentin des Bundesverbandes der Personalmanager (BPM). Zudem ist sie Mitglied des Aufsichtsrats der Nord/LB. Vor ihrer Tätigkeit bei TUI war sie bei der Volkswagen AG tätig, seit 2007 als Mitglied des Vorstandes im Geschäftsbereich Personal und Organisation bei der Volkswagen Financial Services AG, seit 2012 als Mitglied des Markenvorstandes im Geschäftsbereich Personal von Volkswagen Nutzfahrzeuge.

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