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Jobsharing: Geteilte Arbeit, voller Erfolg?

Immer mehr Firmen setzen auf flexibles Arbeiten, vor allem Vertrauensarbeitszeit oder Homeoffice werden genutzt. Jobsharing ist noch selten verbreitet – und nicht jeder Experte ist davon überzeugt.

Svenja Christen
  • Als Jobsharerin habe ich selbst bereits einige Herausforderungen gemeistert
  • Viele Firmen müssen erst Strukturen schaffen, um Arbeitsteilung zuzulassen
  • Dafür benötigen Unternehmen vor allem Starthilfe durch gezielte Beratung

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Ich arbeite im Jobsharing als Personalentwicklerin bei Coca-Cola European Partners. Seit über einem Jahr teile ich mir die Verantwortung in einem Junior-Senior-Tandem mit meiner Juniorpartnerin. Und, keine Frage, das Modell ist toll! Mehr Zeit für meine kleine Familie, Freunde und meine Interessen. Gleichzeitig arbeite ich im Tandem mit doppelter Power an verantwortungsvollen Projekten, die ich in klassischer Teilzeit allein nicht stemmen könnte.

Gerade weil ich so von dem Modell überzeugt bin, wundert mich die Schwarz-Weiß-Debatte darüber. Auf der einen Seite die offenbaren Visionäre, Querdenker und längst Angekommenen und auf der anderen Seite die vermeintlich ewig gestrigen Bremser. Ich wünsche mir eine ausgewogene Betrachtung, denn mein persönliches Fazit ist recht simpel: Ja, es gibt viele Vorteile im Modell Jobsharing. Und auch viele Herausforderungen. Insbesondere in einem Konzern. Denn hier stellen sich relevante Fragen: Wo und in welcher Konstellation rentiert sich Jobsharing wirklich? Wie wird eingeschätzt, wer sich für das Modell eignet? Wie wird die Gehalts- und Vertragsstruktur gestaltet? Wie der Headcount abgebildet? Ist das Thema betriebsratsrelevant? Wie funktioniert der Performance-Management-Prozess bei zwei Personen auf einer Stelle, und welche Berichtslinien ergeben Sinn? Und nicht zuletzt: Wie kommt das Tandem in dieser intensiven Zusammenarbeit zurecht und platziert sich souverän im Unternehmen?

Jobsharing funktioniert nicht auf Knopfdruck

Gemeinsam mit meiner Tandempartnerin habe ich einige dieser Hürden peu à peu aus dem Weg geräumt. Ein souveräner Erstauftritt als Tandem, eine passende Aufteilung der Aufgabenpakete und die Definition sinnvoller Berichtslinien sind dafür konkrete Beispiele. Das war eine (teils steile) Lernkurve, die zeigt, wie viel wir zusammen meistern konnten. Ich habe mich aber auch mit motivierten Jobsharern ausgetauscht, in Konzernen wie Start-ups, die an Hürden dieser Art gescheitert sind oder deshalb gar nicht erst ins Laufen kamen.

Daher ist es zu einfach, von reinen Kopfbarrieren zu sprechen oder pauschal auf „individuelle Lösungen“ zu pochen. Und auch ein IT-Tool für das passende Matching von Jobsharern löst die Probleme hier nur bedingt. Denn die meisten dieser Fragen müssen im Kontext der Unternehmensprozesse und nicht zuletzt der Unternehmenskultur betrachtet werden. Diesen Unterbau gilt es oft erst noch zu schaffen. Das ist eine strukturelle Herausforderung. Keine digitale.

Wie isst man einen Elefanten? Stückchen für Stückchen

Warum also nicht genau da ansetzten, wo es noch hakt? Vielen Unternehmen fehlt es schlichtweg an Starthilfe, um das Modell in die eigene Infrastruktur einzubetten. Außerdem Know-how darüber, wann und wo Jobsharing wirklich sinnvoll ist und welche konkreten und messbaren Mehrwerte es bringt. Den Tandems wiederum fehlt oft nur etwas Unterstützung, um zügig im neuen Modell Fahrt aufzunehmen und erste Hürden erfolgreich zu nehmen. In der Schweiz hat die Initiative Go For Jobsharing prima vorgemacht, wie man Unternehmen hierzu solide berät und so nach und nach Bewegung in das Thema bringt. Um Organisationen und (interessierte) Jobsharer auch in Deutschland zu unterstützen, habe ich das Unternehmen The Jobsharing Hub gegründet. Unser Ansatz liegt in der Initiierung, Beratung und Begleitung von Organisationen bei ihren ersten Jobsharingpiloten. Immer unter Einbezug der bestehenden Unternehmenskultur, -prozesse und aller Beteiligten. Das gelingt nicht nur auf Basis der eigenen HR- und Jobsharingerfahrung, sondern auch durch die Bündelung von Best und Bad Practices und wissenschaftlichen Erkenntnissen.

Ich freue mich auf viel spannenden Austausch, Ausprobieren und Lernerfahrungen! So kommt mit Jobsharing in Sachen Flexibilisierung ein großer Stein ins Rollen.

Veröffentlicht:

Svenja Christen
© Svenja Christen
Svenja Christen

Personalentwicklerin, Coca-Cola European Partners

Svenja Christen (Jg. 1985) ist studierte Arbeits- und Organisationspsychologin. Seit sechs Jahren arbeitet sie bei Coca-Cola European Partners als strategische Personalentwicklerin. Davon seit über einem Jahr im Jobsharing. Das Modell hat sie eigeninitiativ etabliert und sich umfangreich mit dem Thema beschäftigt. Zusätzlich arbeitet sie als systemischer Coach und gründet aktuell die Firma The Jobsharing Hub. Die Beratungsfirma unterstützt Unternehmen ganzheitlich bei der Einführung von Jobsharing.

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