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Bitcoin, Ethereum & Co.: Werden Kryptowährungen die Welt verändern?

Kaum ein Thema spaltet Finanz- und Technologieexperten derzeit so sehr wie Kryptowährungen. Auch wenn der anfängliche Hype um sie verflacht ist, sehen Verfechter in ihnen nach wie vor eine Revolution.

Die Geschichte lehrt uns, Fortschritt nicht aufzuhalten

Robert A. Küfner

Bitcoin-Pionier und Investor, Advanced Blockchain AG

Robert A. Küfner
  • Die Weichen für eine "tokenisierte" Zukunft der Zahlungsmittel sind gestellt
  • Doch ob und wann die Mehrheitsgesellschaft auf den Zug aufspringt, ist unklar
  • Wer in Bitcoin die dringend nötige Revolution erkennt, sollte mitmachen

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“Die Erfindung hat so viele Mängel, dass es nicht ernsthaft als Kommunikationsmittel taugt. Das Ding hat für uns an sich keinen Wert”, lautete ein Memo der Western Union Financial Services zur Erfindung des Telefons im Jahr 1876. Auch das Radio, der Fernseher und das Internet sollten sich in den Augen vieler Experten ihrer damaligen Zeit nicht durchsetzen. Die Geschichte hat uns eines Besseren belehrt. Der Fortschritt, die Digitalisierung und die Demokratisierung und Öffnung von Märkten können und sollten nicht aufgehalten werden.

In diese Analogie reihen sich Kryptowährungen, ganz besonders jedoch die im Hintergrund wirkende Technologie, nahtlos ein. Es ist keine neue Bitcoin-Zeitrechnung angebrochen - Kryptowährungen brechen eine neue Zeitrechnung an. Und das ist der essenzielle Gedanke, der Branchenkenner antreibt: Teil einer technologischen Revolution zu sein, die über 1400 Jahre Papiergeld und zentralisierte Bankenmacht aufmischt. Und interessanterweise gehört der Ort, an dem im siebten Jahrhundert erstmalig mit Papiergeld gezahlt wurde, auch heute zu den Vorreitern einer - im wahrsten Sinne des Wortes - neuen Wertvorstellung: China.

Die Technologie dahinter ist die eigentliche Revolution

Für Kenner der Bitcoin-Welt ist dieser Gedanke faszinierend und beinahe philosophisch, denn Kryptowährungen sind zweifelsohne die demokratischste Form des Zahlungsverkehrs. Es handelt sich um ein System, das erstmalig in der Geschichte des Geldes ohne regulierende zentrale Instanzen auskommt. Bitcoin und verwandte Kryptowährungen benötigen keine Notenbanken und Kreditkartenfirmen, deren wirtschaftliche Interessen den Markt steuern. Was die Gesellschaft an Bankenimperien kritisiert, spielt in der “Distributed Ledger Technology” (DLT) keine Rolle. Die Technologie als solche sorgt für unzerstörbare Daten, die, wenn wir uns auf eine Blockchain konzentrieren, an jedem Punkt eines Datenstrangs nachvollzogen werden können. Wir sprechen hier von einer nie da gewesenen Währungstransparenz.

Der tatsächliche Wert eines Bitcoins ist nettes Beiwerk. Die Technologie ist die eigentliche Revolution. Krypto-Mining revolutioniert die Art, wie Wert generiert und investiert wird, in einem derart großen Maße, dass wir in 50 Jahren zurückblicken und erst dann die gesamten Auswirkungen begreifen werden. Probleme wie Strompreise, Engpässe bei der Lieferung von Grafikkarten und ein sehr hoher Energieaufwand sind nicht zu unterschätzende Hürden, die einerseits dringend behoben werden müssen, andererseits Kollateralprobleme einer Technologie im Entwicklungsmodus sind.

Wenn sich Angebot und Nachfrage einpendeln, kann eine solide Währung entstehen

Für mich sind Kryptowährungen keine “Tulpen”, sondern ein Strauß technologisch hoch entwickelter Möglichkeiten. Die Zweifel vieler Kritiker rühren daher, dass Kryptowährungen nicht offiziell in den Markt eingeführt wurden. Es wird viel spekuliert. Buchstäblich. Daher ist die Angst durchaus nachvollziehbar. Vielen Menschen bereitet die Zukunft einer digitalisierten Lebenswelt Sorgen. Ich meine jedoch, dass der Erzählton rund um das Thema die Musik macht wie die Blockchain den Bitcoin. In der Welt, in der ich lebe, zählt nur, wie viel Vertrauen in eine Idee gesteckt wird. Und welche Währung am Ende das meiste Vertrauen auf sich vereinen kann, entscheidet eben der Markt. Woran die Akteure der Kryptowährungsindustrie jetzt arbeiten müssen, ist das essenzielle Gegenstück zum Wert: Überzeugung.

Daher kann der Status quo nicht als Beleg für eine erfolgreiche oder gescheiterte Einführung des Bitcoins gesehen werden, wenn der gesamte Markt im Wachstum ist. Wir lernen durch Erfolge, vor allem jedoch durch Misserfolge. Daran erkennen wir, an welchen Schrauben gedreht werden muss. Fundierte Einschätzungen können erst dann getroffen werden, wenn Kryptowährungen einer offiziellen und anerkannten Markteinführung unterzogen wurden. Angebot und Nachfrage würden sich zügig einpendeln, sodass eine solide Währung entstehen könnte. Binnen kurzer Zeit hätte sich das Image von Bitcoin, Ether oder IOTA um 180 Grad gewandelt. Vom Darknet ins Internet, vom Keller in Lofts und Bankentürme dieser Welt.

Wir arbeiten mit alles verändernder Technologie. Tag für Tag. Nicht zuletzt aus diesem Grund erübrigt sich für mich die Frage, ob Bitcoin nun ein Hype ist oder nicht. Die Weichen für eine “tokenisierte” Zukunft der Zahlungsmittel sind gestellt. Nun stellt sich die Frage, wann und wie die Mehrheitsgesellschaft auf den Zug aufspringen wird. Kritisch ist das Interesse an Bitcoin lediglich dann, wenn ausschließlich der Wunsch nach schnellem Reichtum vorhanden ist. Wer Bitcoin jedoch als Symptom einer dringend nötigen Revolution der Fiat-Währungsunion erkennt, der sollte die Bewegung mitgestalten.

Veröffentlicht:

Robert A. Küfner
© Küfner
Robert A. Küfner

Bitcoin-Pionier und Investor, Advanced Blockchain AG

Robert A. Küfner (Jg. 1988) ist einer der ersten deutschen Bitcoin-Miner und Gründer des Unternehmens nakamo.to mit Sitz in Berlin, welches gerade in die Advanced Blockchain AG übergeht. Seine Investitionen in die Kryptowährung Bitcoin haben ihn zum Millionär gemacht.

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