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Büroalltag: Wie strikt sollte man Beruf und Privatleben trennen?

Wir verbringen den Großteil unserer Zeit im Job: aus Kollegen werden oft Freunde, aus dem Büro ein zweites Wohnzimmer. Doch die Vermischung von Beruflichem und Privaten kann auch Konflikte bergen.

Die Vermischung von Job und Privatleben birgt Gefahren

Simone Janson
  • Flache Hierarchien bedeuten nicht, dass Grenzen ganz wegfallen
  • So können schnell Unsicherheiten und Missverständnisse entstehen
  • Bei Kündigung oder Beförderung hört die Freundschaft meist auf

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Unternehmen wie Google haben den Trend erfolgreich mitgemacht: Nach dem gemeinsamen Mittagessen wird gekickert, auf Partys tritt man beim Sumoringen gegen den Chef an, und einmal im Jahr fährt die gesamte Belegschaft zusammen in Urlaub. Das geht weit über das vertrauliche Du unter Kollegen hinaus und suggeriert, dass Kollegen und Chefs gute Freunde sein könnten – gewissermaßen hierarchielos als große glückliche Familie.

Ein Trugschluss, denn die Vermischung von privaten und beruflichen Aspekten birgt eine Reihe von Gefahren: Flache Hierarchien bedeuten nicht automatisch, dass die Grenzen zwischen Chefs und Mitarbeitern ganz wegfallen, im Gegenteil: Sie sind nur viel durchsichtiger geworden und damit weniger gut auszumachen. Das führt zwangsläufig zu Unsicherheiten auf beiden Seiten und ständigen Grenzüberschreitungen. Und während moderne Managementmethoden schnell mal im Meeting aufs Strategiepapier geworfen werden, nehmen nicht wenige Chefs Einmischungen in ihren Machtbereich persönlich übel – und schnell ist das Missverhältnis da.

Freundschaften unter Kollegen können Konflikte auslösen

Auch der private Umgang mit gleichgestellten Kollegen ist problembehaftet: Natürlich ist es sinnvoll, sich mit Kollegen gut zu verstehen, schließlich muss man jeden Tag zusammenarbeiten, und das gelingt natürlich besser, wenn die Chemie stimmt. Schwierig wird es allerdings dann, wenn man mit den Kollegen auch Details aus seinem Privatleben teilt oder diese gar zum Ersatzfreundeskreis mutieren. Denn sobald sich Beziehungs- und Sachebene miteinander vermischen, können Konflikte entstehen. Was zum Beispiel tun, wenn der Kollege einem unentwegt von seinen Eheproblemen erzählt, die man nicht hören will? Wie reagieren, wenn jemand mehr will als nur Freundschaft? Und wie damit umgehen, wenn man beim abendlichen kollegialen Umtrunk versehentlich mehr preisgegeben hat, als die eigene Schamgrenze verträgt?

Neid und Missgunst bleiben nicht aus

Solche Peinlichkeiten, zu denen auch Lästereien über den Chef gehören, können spätestens dann richtig unangenehm werden, wenn die nächste Rationalisierungswelle durch das Unternehmen fegt oder Beförderungen anstehen. Neid und Missgunst machen sich dann schnell auch in der familiärsten Unternehmenskultur breit, und private Informationen können zur Waffe werden, um unliebsame Konkurrenten auszuschalten. Und gerade weil wir heute zehn Stunden und mehr am Tag im Job verbringen, bedeutet der Verlust des Kollegenkreises oft auch den schlagartigen Verlust des sozialen Umfeldes – ich denke da nur an einen befreundeten Chefredakteur, der nach seiner Beförderung plötzlich nicht mehr zu Partys seiner Kollegen eingeladen wurde.

Was also tun? Wichtig ist, im Umgang mit Kollegen wie auch mit Chefs das richtige Maß zu finden: Privatleben und Arbeitswelt lassen sich gar nicht strikt trennen, das wäre ein unrealistisches Ziel. Es gilt aber, im Umgang miteinander ein gesundes Maß zu finden: private Themen ja, aber nicht zu viele Details. Gleichzeitig sollte man gezielt auch einen Freundeskreis pflegen oder aufbauen, der mit dem Job nichts zu tun hat. Das kostet einige Mühe, gerade auch wenn man beruflich in eine fremde Stadt gezogen ist, verhindert aber, dass die Arbeit zum einzigen Lebensinhalt wird.

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Simone Janson
© emanya-photography.com
Simone Janson

Autorin und Herausgeberin, berufebilder.de

Simone Janson ist Kolumnistin für „Die Welt“. Sie betreibt berufebilder.de, eines der 500 wichtigsten deutschen Blogs mit dem News-Dienst „Best of HR“ und dem Service eLearning+. Sie setzt sich mit Management- und Personalthemen sowie verschiedenen Aspekten des Work-Life-Blending, der zunehmenden Vermischung von Arbeit und Freizeit unter den Bedingungen des digitalen Wandels, auseinander. Sie veröffentlicht regelmäßig in verschiedenen Medien. Ihr Bestseller „Die 110%-Lüge“ wurde in mehrere Sprachen übersetzt.

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