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Change Management: Warum hakt der Wandel oft so gewaltig?

Unternehmen müssen sich wandeln, um ihren Erfolg zu wahren. Change-Prozesse werden deshalb oft als Wunderwaffe eingesetzt. Das Problem ist nur: Neun von zehn Veränderungsprozessen scheitern.

Digitale Transformation – allein wird es keiner schaffen

Dr. Rahmyn Kress

Chief Digital Officer (CDO), Henkel

Dr. Rahmyn Kress
  • Wir können uns der digitalen Transformation nicht entziehen
  • Wir müssen nicht nur Tools, sondern vor allem unsere Einstellung ändern
  • Und ich denke weiter: Wir brauchen ein Netzwerk über das Unternehmen hinaus

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Gerade in der deutschen Kultur ist man Veränderungen gegenüber sehr skeptisch. Dinge brauchen länger, um „disrupted“, grundlegend neu organisiert zu werden. In meiner Rolle als CDO, Chief Digital Officer, verstehe ich mich als Beschleuniger, ja fast schon als Störer, um den Wandel voranzutreiben. Nicht im negativen Sinne, sondern vielmehr als positiver Katalysator, um den Unternehmergeist zu stärken und bestehende Strukturen und Prozesse zu hinterfragen.

Denn die digitale Transformation ist eine der größten Veränderungen unserer Zeit. Wir können uns ihr nicht entziehen. Traditionelle Geschäftsmodelle werden auf den Kopf gestellt. Die Kommunikation mit unseren Kunden wandelt sich. Wir werden künftig vollkommen anders arbeiten (müssen). Prozesse werden immer schneller und Netzwerke so eng geknüpft wie noch nie. Wer an Digitalisierung denkt, hat viele Buzz-Wörter im Kopf: Big Data oder Blockchain zum Beispiel. Viele davon sind vielleicht sogar abschreckend.

Wie können wir den Wandel also so gestalten, dass wir Berührungsängste vermeiden und Veränderungen greifbarer machen?

  1. In meiner Position als CDO muss ich aufzeigen, was hinter diesen Begriffen und Technologien steckt, um Hemmungen und Unkenntnis abzubauen. Und ich muss erklären, warum wir etwas tun. Nämlich aus nur einem einzigen Grund: um die besten Produkte und Services für unsere Kunden zu bieten. Blockchain, AI (Artificial Intelligence) oder ein schneller Datenaustausch via NFC-Tags – das alles sind wichtige Technologien. Aber wir setzen nichts um, nur weil es technisch möglich ist. Am Anfang steht immer die Frage: „Was bringt es dem Kunden?“ Ein Transformationsverständnis, das sich lediglich auf die Implementierung neuer Tools, Technologien und Datensysteme beschränkt, wäre deshalb folgenschwer. Technik ist immer nur der Weg, nie das Ziel.

  2. Wir müssen also an den Kern heran, an die Unternehmenskultur. Eine der größten Herausforderungen im Rahmen der digitalen Transformation ist es, die richtige Kultur in den Unternehmen zu etablieren. Das geht nur mit einem veränderten „Mindset“ einher, also der Einstellung der Mitarbeiter und auch der Unternehmensführung. Ich spreche deshalb lieber von unternehmerischer Transformation als von digitaler Transformation. So erwartet beispielsweise eine Vielzahl von Managern eine fundamentale Veränderung ihrer Branche, allerdings glauben nur die wenigsten, dass dieser Wandel auch ihr aktuelles Geschäftsmodell betrifft. Die notwendige kulturelle Transformation der Unternehmen wird unterschätzt. In Zukunft wird jedes Unternehmen ein Technologieunternehmen sein (müssen). Das müssen wir verstehen, annehmen und umsetzen. Auch die Organisationsstruktur muss entsprechend angepasst werden. Deshalb bedarf es dringend eines ganzheitlichen Ansatzes, der einen tiefgreifenden Wandel umfasst – bezüglich der Art und Weise, wie Organisationen und ihre Stakeholdergruppen denken, miteinander interagieren und handeln. Ganz wichtig ist intern die enge Zusammenarbeit mit allen Bereichen und das rückhaltlose „Commitment“ des Managements. Denn „ein bisschen digitale Transformation“ geht nicht!

  3. Und noch wichtiger: Allein geht es nicht! Sonst ist der Wandel nicht zu schaffen. Intern muss die digitale Transformation von allen mitgetragen werden, aber ich denke weiter. Wir brauchen ein Netzwerk über das Unternehmen hinaus, um gemeinsam mit der Industrie und Partnern die so grundlegenden Veränderungen zu gestalten. Wir müssen uns gemeinsam bewegen. Keiner kann das allein, nicht bei dieser Komplexität und Geschwindigkeit. Nehmen wir das Thema Daten: Den Kunden interessiert überhaupt nicht, ob der Handel oder der Hersteller die meisten und aussagekräftigsten Daten sammelt. Der Kunde will, dass wir gemeinsam in der Lage sind, etwas daraus zu machen, das sich für ihn lohnt. Wir müssen die Angst ablegen, uns gegenseitig etwas wegzunehmen. Grundsätzlich stehen bei der digitalen Transformation nicht einzelne digitale Geschäftsmodelle im Fokus, sondern der Gedanke, Themen ganzheitlich zu betrachten, uns zu vernetzen und unser Wissen zu teilen.

Wir müssen uns vernetzen, uns austauschen und voneinander lernen

Um genau diese Art von Kollaboration voranzutreiben, habe ich Anfang dieses Jahres – etwa ein halbes Jahr, nachdem ich als CDO bei Henkel begonnen hatte – Henkelx gegründet. Das ist eine offene Plattform, eine Art Ökosystem, mit dem Ziel, die unternehmerische Energie zu bündeln und zu beschleunigen. Das machen wir, indem wir ein Netzwerk aus internen Experten und externen Partnern aufbauen, interaktive und kooperative Veranstaltungen und Formate organisieren – und indem wir neue, agile Arbeitsweisen einführen. Das Netzwerk ist offen – für Gründer und Start-ups, Unternehmer, Venture-Capital-Experten, Industriepartner, wissenschaftliche Einrichtungen und Studenten – aber auch für Wettbewerber. Über 100 Experten sind bereits Teil unseres Mentorship Clubs. Sie laden wir ein, uns als Mentoren bei konkreten Projekten beratend zu begleiten. Start-ups pitchen einmal im Monat in einer Veranstaltungsreihe ihre Ideen. Daraus sind schon viele konkrete Pilotprojekte entstanden. Dies sind nur zwei Beispiele, die zeigen: Unternehmen müssen sich öffnen. Denn allein kann es niemand schaffen!


Diskutieren Sie mit, liebe Leserinnen und Leser: Können wir die zukünftigen Herausforderungen nur meistern, wenn wir voneinander lernen und unsere Erkenntnisse teilen? Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?

Veröffentlicht:

Dr. Rahmyn Kress
© Henkel
Dr. Rahmyn Kress

Chief Digital Officer (CDO), Henkel

Als CDO steuert Dr. Rahmyn Kress die Digitalaktivitäten von Henkel. Um die Transformation voranzutreiben, hat er im Februar 2018 die Plattform Henkelx gegründet. Das Netzwerk soll den Austausch zwischen internen und externen Experten fördern. Bevor er zu Henkel wechselte, war Kress in verschiedenen Führungspositionen bei Accenture tätig, zuletzt als Managing Director Technology Ecosystems & Ventures. Kress hat einen Doktortitel in Finanzmanagement und Organisationslehre sowie einen MBA.

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