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Gleichberechtigung im Job und Alltag: Warum halten sich Rollenbilder?

Frauen und Männer sind nach wie vor nicht gleichberechtigt – weder im Arbeitsleben, noch in der Gesellschaft oder vor dem Gesetz. Wie fühlt es sich an, als Frau nicht ernst genommen zu werden?

Eine maskulin geprägte Kultur bremst Frauenkarrieren aus

Finja Carolin Kütz

Deutschlandchefin, Oliver Wyman

Finja Carolin Kütz
  • Allen Fördermaßnahmen zum Trotz sind weibliche Führungskräfte rar
  • Schuld an dem Missstand sind vorherrschende, veraltete Rollenbilder
  • Wer als Frau nach oben will, braucht Ziele – und Spaß am Wettbewerb

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In Deutschland fehlen die Führungsfrauen. Es ist ein schlechtes Zeugnis, das beispielsweise unsere zweite „Women in Financial Services“-Studie der deutschen Finanzbranche ausstellt: Nur jede zehnte Vorstandsposition ist hierzulande mit einer Frau besetzt. An frauen- und familienpolitischen Maßnahmen mangelt es jedoch nicht. Das zeigt der Vergleich mit der Schweiz: In Deutschland ist die Frauenförderung deutlich umfassender – die Frauenquote für Aufsichtsräte, Mutterschutz, Elternzeit und Anspruch auf Teilzeitarbeit sind prägnante Beispiele. Dennoch ist der Frauenanteil in den Führungsgremien beider Länder nach wie vor ähnlich niedrig.

Stärker als jede Gleichstellungsmaßnahme wirkt sich die Kultur aus, die in Deutschland und der Schweiz eher maskulin geprägt ist. Traditionelle Geschlechterrollen bleiben fest in den Köpfen verankert. Während Männer Karriere machen, wird von Frauen eher erwartet, zurückzustecken. Veraltete Rollenmuster und Unternehmenskulturen bremsen Frauen aus.

Ein kultureller Wandel ist nötig

Deutschland braucht Mut zur Veränderung. Zwar lassen sich kulturelle Hindernisse nur langsam abbauen, doch können Unternehmen aktiv dazu beitragen – indem Frauenförderung nicht nur ein strategisches Ziel bleibt, sondern auch im Arbeitsalltag gelebt wird. Und das nicht aus Nettigkeit: Frauen werden als Fach- und Führungskräfte auch aus betriebswirtschaftlicher Sicht wichtiger – nicht zu vergessen, dass divers besetzte Teams bessere Leistungen erzielen.

Was Frauen selbst tun können

„Seid mutig!“ lautet meine Devise für Frauen. Wer sich traut, veralteten Rollenbildern zu trotzen, ist beruflich eher erfolgreich. Das beginnt bereits bei der Arbeitgeberwahl – nur, wenn die Unternehmenskultur zu den eigenen Vorstellungen passt, kann man seine Stärken selbstbewusst einbringen. Wer Familie haben möchte, sollte auch schauen, welche Arbeitsmodelle angeboten werden, um Beruf und Kinder zu vereinbaren. Hier lohnt sich ein Blick auf die Männer: Ein Arbeitgeber, der aktive Väter fördert, schafft ein Klima, in dem Frauen Karriere und Familie miteinander verbinden können.

Auch Frauen ohne Kinder machen im Schnitt weniger Karriere als Männer. Bei der Verfolgung der eigenen Ziele ist einiges Durchhaltevermögen nötig; jede Karriere hat ihre Höhen und Tiefen. Doch während eine Niederlage bei Männern häufig den Kampfgeist weckt, tendieren Frauen dazu, sich leichter beirren zu lassen und in gängige Rollenbilder zu fügen. Spaß am Wettbewerb hilft, es nicht persönlich zu nehmen und nicht zu früh das Handtuch zu werfen. Außerdem ist eine Portion Zuversicht wichtig, um sich eine Führungsposition auch zuzutrauen, wenn die Chance besteht. Denn gerade in Deutschland wird allzu oft irrtümlich vermutet, dass nur wer selbst aktiv nach einer Führungsrolle greift, diese auch gut ausfüllen kann.

Veröffentlicht:

Finja Carolin Kütz
© Oliver Wyman
Finja Carolin Kütz

Deutschlandchefin, Oliver Wyman

Finja Carolin Kütz ist Deutschlandchefin bei der Managementberatung Oliver Wyman. Sie verantwortet das Beratungsgeschäft für Deutschland und Österreich. Die dreifache Mutter ist Expertin für strategische Fragestellungen von Banken, der Bedeutung von Regulierung auf strategische Geschäftsmodellfragen sowie Governance, Compliance und Risikomanagement. Sie hält einen MSC in Mathematics and Foundations of Computer Sciences der Oxford University sowie ein Diplom in Mathematik der Westfälischen Wilhelms Universität.

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