Probleme beim Einloggen

Kursanpassung der Europäischen Zentralbank: Ist das die Zinswende?

Ende Oktober kündigte EZB-Chef Mario Draghi eine Kurskorrektur an: Die Notenbank setzt ihre Wertpapierkäufe 2018 zwar fort, verringert das Volumen aber deutlich. Kritikern geht das nicht weit genug.

Eine Zinswende bei der EZB ist weiter entfernt denn je

Marc Friedrich

Wirtschaftsexperte und Buchautor

Marc Friedrich
  • Ende Oktober kündigte EZB-Chef Mario Draghi eine „Zinswende“ an
  • Doch die EZB verharrt weiterhin im Krisenmodus – zulasten der Sparer
  • Je länger die Flut billigen Geldes anhält, desto gravierender die Folgen

4.023 Reaktionen

Der Wahnsinn der Europäischen Zentralbank geht weiter. Ihr Chef, Mario Draghi, hat kürzlich verkündet, dass der Zins bei 0 Prozent und der Negativzins für Bankeinlagen bei minus 0,4 Prozent bleiben werden. Obendrein gab er bekannt, dass das irrsinnige Ankaufprogramm der EZB, welches eigentlich Ende dieses Jahres enden sollte, abermals verlängert wird. Zwar werden dann – für weitere 9 Monate – keine 60, sondern nur noch 30 Millionen Euro pro Monat gedruckt. Doch das sind immer noch 30.000 Millionen Euro pro Monat und insgesamt 270.000 Millionen Euro zu viel. Das soll die Wende sein?

Wir gehen davon aus, dass im September 2018 damit nicht Schluss sein wird, die EZB auch 2019 weiterhin Geld druckt und der Zins im Keller bleibt. Draghi hat keinen Plan B zur Lösung der Krise außer dieses eine Notenbankexperiment, welches an pure Verzweiflung grenzt. Die Party an den Märkten dürfte also erst mal weitergehen. Es bleibt spannend, was die EZB noch ankaufen will. Wir werden im September 2018 eine noch ratlosere EZB sehen, die verzweifelt Zeit kauft, welche die Politik nicht nutzt.

Das Programm vom EZB-Chef ist unverantwortlich

Bis zum heutigen Tag hat allein die Europäische Zentralbank über 2.188.000.000.000 Euro (2,188 Billionen Euro) in die Märkte gepumpt. Der Wahnsinn wird sich bis September auf 2,55 Billionen auftürmen, für den im Notfall wir alle haften müssen. In Anbetracht der gigantischen Schuldenberge und der äußerst schwachen Wirtschaft, insbesondere in Griechenland und Italien, aber auch in Frankreich, Portugal und Spanien, werden wir auch in Zukunft keine markanten Zinserhöhungen sehen, da ansonsten ebendiese Staaten relativ zügig erhebliche Refinanzierungsprobleme bekommen würden. Unbestreitbar ist der Euro viel zu stark für die Länder Südeuropas und viel zu schwach für Deutschland. Diese Tatsache wird auch Herr Draghi mit seinem unverantwortlichen Programm nicht ändern können. Im Zins- und Währungskorsett des Euros wird die Südschiene Europas niemals auf die Beine kommen.

Mit der Notenbankpresse lassen sich keine Probleme lösen

Gegenwärtig ist die Bilanzsumme der EZB mit über 5 Billionen Euro, wovon 2,2 Billionen Euro auf die Wertpapierkäufe entfallen, höher als die der US-Notenbank FED. Die EZB ist mittlerweile zu einem wichtigen Marktteilnehmer geworden. Sie kauft Aktien und Anleihen von Unternehmen auf, welche auf eher tönernen Füßen stehen. Obendrein kauft sie Staatsanleihen von Ländern wie beispielsweise Griechenland, welche faktisch bankrott sind, oder Ländern wie Italien, welche wirtschaftlich gesehen mit dem Rücken zur Wand stehen. Fakt ist jedoch auch: Mit der Notenbankpresse lassen sich nachhaltig keine Probleme lösen, auch wenn ebendieses auf globaler Ebene versucht wird. Ein Blick nach Japan zeigt, wie weit man diesen Irrsinn treiben kann. Mittlerweile hält die japanische Notenbank – Bank of Japan – 75 Prozent aller japanischen ETFs. Wo bitte soll die Reise hingehen?

Zum allen Überfluss hat EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker jetzt eine vermeintlich simple Lösung präsentiert, wie wir den Euro und die EU retten können: die Ausweitung des Euros in alle Länder – ja, auch Rumänien und Bulgarien. Wir werden uns in Zukunft warm anziehen müssen.

Veröffentlicht:

Marc Friedrich
© Christian Stehle/ Asperg
Marc Friedrich

Wirtschaftsexperte und Buchautor

Marc Friedrich ist Wirtschaftsexperte und Buchautor. Er studierte internationale Betriebswirtschaftslehre. Während eines Aufenthalts in Argentinien erlebte er 2001 einen Staatsbankrott und dessen Folgen. Friedrich ist langjähriger Investmentexperte für Edelmetalle. Zusammen mit seinem Partner Matthias Weik hält er Fachvorträge und ist Gründer der Friedrich & Weik Vermögenssicherung UG.

Mehr anzeigen

Werden Sie kostenlos XING Mitglied, um regelmäßig Klartext-Debatten zu aktuellen Themen zu lesen.

Als XING Mitglied gehören Sie zu einer Gemeinschaft von über 14 Mio. Berufstätigen allein im deutschsprachigen Raum. Sie erhalten zudem ein kostenloses Profil und den Zugang zu spannenden News, Jobs, Gruppen und Events.

Mehr erfahren