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Wie viel Empathie tut uns im Berufsleben gut?

Anteilnahme und Einfühlsamkeit gelten als Erfolgsfaktoren für die Karriere. Unzählige Studien belegen die Vorteile des Mitgefühls – doch mehren sich auch kritischere Sichtweisen.

Rudolf Andreas Graf
  • Empathie ist wesentlich mehr, als „sich hineinfühlen zu können“
  • Zu oft wird diese Eigenschaft noch als Störfaktor wahrgenommen
  • Dabei profitieren Unternehmen von breit aufgestellten Managern

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Zu Recht wird Empathie heute von immer mehr Unternehmen als wichtige, wenn nicht die wichtigste Soft Skill von Führungskräften angesehen. Dabei geht es meistens darum, ob ich mich als Führungskraft in die Mitarbeiter hineinfühlen kann – oder eben nicht.

Empathie ist jedoch wesentlich mehr als das, spielt sie sich doch gleich auf vier Ebenen der menschlichen Existenz ab. Man muss hier unterscheiden zwischen:

  • Instinktiver Empathie: Wo bekomme ich mein Futter her? Wie kann ich den anderen besiegen?
  • Emotionaler Empathie: Wie fühlt sich der andere im Augenblick?
  • Kognitiver Empathie: Kann ich den anderen in seinem Wertesystem verstehen?
  • Intuitiver Empathie: Was ist für die Gruppe nachhaltig am besten? Wie wird es der Gruppe langfristig gelingen zu prosperieren?

Vordergründige Empathie nützt niemandem

Heute bewegen sich unsere Gesellschaften und Unternehmen sehr oft vordergründig im Bereich der instinktiven Empathie. Es geht darum, wer den höchsten Profit macht, wer am dominantesten ist, wer die Ängste anderer am besten ausnutzt oder wer Gier und instinktives Handeln der Menschen beziehungsweise Kunden am besten bedient – und wer somit am Markt überlebt. Dieses emotionale Verhalten kann allerdings mehr schädigen als nützen, da es selten nachhaltig ist.

Um eine höhere Art von Führung zu erlangen, gilt es deshalb, Empathie auf jeder Ebene zu entwickeln. Insbesondere im Bereich der intuitiven Empathie sind die strategischen Werte angelagert, die das Unternehmen und die Gesellschaft langfristig zum Erfolg bringen. Allerdings ist auch die Beherrschung aller anderen Ebenen der Empathie von essenzieller Bedeutung.

In unserer Gesellschaft und besonders im Bereich zielorientierter Unternehmenspositionen wird Empathie noch sehr oft als etwas Störendes oder sogar als Stressauslöser behandelt, ausgeblendet, unterdrückt und dominiert.

Mitgefühl demonstriert Sicherheit

Dabei ist das Gegenteil der Fall:

  • Empathie ist als Wahrnehmungsinstrument geeignet – und gibt damit Sicherheit.
  • Empathie ist als Steuerungsinstrument erforderlich – und gibt damit Führung.
  • Empathie verbindet Gruppen zu einer größeren nachhaltigen Macht, die ihre Umwelt entweder schädigt oder stützt.

Je stärker die empathischen Fähigkeiten einer Führungskraft entwickelt sind, umso höher kann ihre verantwortliche Position sein, um das Unternehmen und die Menschen darin – einschließlich sich selbst – nicht zu schädigen, sondern zu befördern. Um diese Fähigkeiten zu entfalten, muss man von der inneren Positionierung des Menschen respektive der Führungskraft ausgehen. Diese innere Situation und das Verständnis von Empathie bringen das Potenzial intelligenter Entscheidungen auf neuer Grundlage zutage. Wenn die innere Situation und das Verständnis empathischen Handelns sich entfalten, dann sind nachhaltige Verbesserungen von Unternehmenssituationen möglich.

In diesem Sinne ist die empathische Führungskraft eine wichtige Erfolgskomponente. Und ein Garant der Zukunft unserer Zeit.

Veröffentlicht:

Rudolf Andreas Graf
© Privat
Rudolf Andreas Graf

Unternehmensberater und Coach, Genesis Empathie

Rudolf Andreas Graf (Jg. 1967) meldete schon vor seinem Abschluss als Diplomingenieur mehrere Patente an. Sein erstes Unternehmen gründete er, um eigene Forschungsergebnisse im Umweltschutz der Papierbranche in die Praxis umzusetzen. 2001 verließ er die klassische Wirtschaft, um Business-Coach zu werden. Seit 2007 lehrt er seine Praktiken und Methoden im eigenen Schulungszentrum. Er ist Autor des Buches „Empathie in Unternehmen: Anteilnahme als Führungsinstrument unserer Zeit“.

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