Hunde im Büro: Stressfaktor oder Mitarbeitermotivation?

Am 21. Juni ist internationaler Bürohundtag. Die Vierbeiner haben am Arbeitsplatz einen positiven Effekt auf die Angestellten, das zeigen Studien. Doch müssen dafür Voraussetzungen erfüllt sein.

Es gibt keinen Rechtsanspruch auf einen Bürohund

Alexander Bredereck
  • Das Mitbringen von Hunden wird in Firmen immer beliebter
  • Jedoch muss der Arbeitgeber diesem ausdrücklich zustimmen
  • Aus Einzelgenehmigungen können aber Ansprüche erwachsen

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Hunde sind, wenn man dem Volksmund Glauben schenken mag, der beste Freund des Menschen. In Zeiten, in denen Fachkräfte und Nachwuchstalente zur umkämpften Ressource werden, schmücken sich auch immer mehr Unternehmen mit den Vierbeinern. Es gibt Untersuchungen, wonach Hunde das Betriebsklima positiv beeinflussen können. Auch als Marketinggag mag der eine oder andere Hund taugen. Allerdings gilt es, einiges zu beachten, wenn man als Arbeitgeber Hunde im Büro erlaubt. Denn aus Genehmigungen für einzelne Arbeitnehmer können Ansprüche weiterer Arbeitnehmer erwachsen – und nicht jeder mag Hunde, sodass es gar zu Streitfällen kommen kann.

Doch wie sieht die Rechtslage überhaupt aus? Zunächst kann der Arbeitgeber im Rahmen seines Direktionsrechts grundsätzlich das Mitbringen von Tieren an den Arbeitsplatz untersagen. Soweit also im Unternehmen keine Hunde am Arbeitsplatz auftauchen, muss man als Arbeitnehmer zunächst einmal von einem entsprechenden Verbot ausgehen. Der Arbeitnehmer benötigt in diesen Fällen eine ausdrückliche Genehmigung des Vorgesetzten, wenn er seinen Hund mitbringen möchte (Landesarbeitsgericht Düsseldorf, Urteil vom 24. März 2014 – 9 Sa 1207/13 –, juris).

Hund ist nicht gleich Hund

In bestimmten Fällen gibt es aber doch einen Anspruch des Arbeitnehmers. So zum Beispiel dann, wenn der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer die Möglichkeit der Mitnahme des Hundes im Arbeitsvertrag oder in einer separaten Vereinbarung ausdrücklich zugesagt hat.

Ein Anspruch auf die Mitnahme des Hundes kann auch aufgrund des Gleichbehandlungsgrundsatzes entstehen. Danach darf der Arbeitgeber nicht willkürlich einzelnen Mitarbeitern die Mitnahme des Hundes gestatten und anderen verbieten. Er kann dies aber, wenn es dafür sachliche Gründe gibt. Erlaubt der Arbeitgeber die Mitnahme eines Schoßhündchens, muss er deswegen noch keinen Rottweiler am Arbeitsplatz gestatten.

Allergien als Ausschlusskriterium

Selbst wenn der Arbeitnehmer eine Erlaubnis erhalten hat, kann der Arbeitgeber diese unter Umständen später widerrufen. Das gilt sogar dann, wenn hierzu eine konkrete Vereinbarung getroffen wurde. Der Widerruf einer bereits erteilten Erlaubnis ist allerdings auch nur aus sachlichen Gründen möglich: Der Arbeitgeber hat gegenüber allen Arbeitnehmern eine Fürsorgepflicht. Sollte sich zum Beispiel ein Arbeitnehmer durch einen Hund bedroht fühlen oder eine Hundeallergie entwickeln, kann der Arbeitgeber die künftige Mitnahme des Hundes verbieten. Eventuell ist der Arbeitgeber hierzu sogar (gegenüber dem sich bedroht fühlenden Mitarbeiter) verpflichtet. Es ist hier auch nicht unbedingt erforderlich, dass der Hund tatsächlich gefährlich ist. Ein Gefühl der Bedrohung bei den Mitarbeitern reicht als sachliche Begründung in der Regel aus. Gleiches gilt, wenn der Hund stark riecht, Verunreinigungen herbeiführt oder das Arbeitsklima in sonstiger Weise negativ beeinflusst.

Der Verstoß gegen das Hundeverbot kann zu einer Abmahnung und im Wiederholungsfall zu einer Kündigung führen. Im Streitfall sollte der Hund zunächst anderswo untergebracht und dann im Wege einer Feststellungsklage gerichtlich die Rechtslage geklärt werden. Gegebenenfalls kann man dann auch noch Schadensersatz für die Unterbringungskosten verlangen. Arbeitnehmer, die sich durch den Hund bedroht fühlen, haben unter Umständen gegen den Arbeitgeber einen Anspruch auf Durchsetzung des Hundeverbots.

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Alexander Bredereck
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Alexander Bredereck

Fachanwalt für Arbeitsrecht

Alexander Bredereck vertritt seit 1999 Arbeitnehmer und Arbeitgeber im Arbeitsrecht mit dem Schwerpunkt Kündigungsschutzrecht. Seit 2005 ist er Fachanwalt für Arbeitsrecht und ist unter anderem Mitglied im Verband deutscher ArbeitsrechtsAnwälte e.V. (VdAA) und im Vorstand der Verbraucherzentrale Brandenburg e.V. Zudem ist er Autor des Ratgebers Arbeitsrecht der Stiftung Warentest. Er betreibt zahlreiche Webseiten, zum Beispiel den Videoblog „Fernsehanwalt“ auf Youtube.

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