Bevölkerung im Hamstermodus: Gefährdet Corona unsere Grundversorgung?

Zum ersten Mal seit Jahrzehnten sehen wir leere Regale in unseren Supermärkten – auch wenn meist nur Klopapier, Nudeln oder Mehl fehlen. Ist die Versorgung auch in der Krise noch gesichert?

Es wird keine Engpässe bei wichtigen Lebensmitteln geben

Joachim Rukwied

Präsident, Deutscher Bauernverband

Joachim Rukwied
  • Unsere Landwirtschaft ist familiengetragen, die Familien stehen nun zusammen
  • Wir stellen weiterhin die Versorgung mit Grundnahrungsmitteln sicher
  • Wir brauchen Ausnahmeregelungen, beispielsweise für Saisonkräfte

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Zuallererst möchte ich Sie beruhigen: Die Arbeit auf unseren Höfen läuft trotz der Coronapandemie weiter. Unsere Bauernfamilien arbeiten auf ihren Feldern und in den Ställen und sichern so für Sie die Lebensmittelversorgung. Uns als Gesellschaft kommt in der jetzigen Situation zugute, dass wir über eine starke heimische Landwirtschaft verfügen. Wie Bundesagrarministerin Julia Klöckner völlig zu Recht betont hat, ist diese Branche – natürlich neben mehreren anderen – systemrelevant. Für diese Einstufung möchte ich der Ministerin danken. Im Gegenzug kann ich ihr und Ihnen versichern, dass unser Berufsstand alles daransetzt, diese Versorgungsaufgabe für das Land zu erfüllen.

Im Augenblick sind die deutschen Landwirte stark beschäftigt: Die Frühjahrsaussaat läuft, das heißt, unter anderem wird Getreide angebaut, das dann im Sommer geerntet werden kann. Wir stellen beispielsweise sicher, dass weiterhin genug Mehl für die Brotproduktion zur Verfügung steht. Auch in den Ställen setzen wir die Arbeit fort, sodass es auch keine Engpässe bei Fleisch und Milchprodukten geben wird. Die Futterversorgung für unser Vieh ist ebenfalls gesichert.

Die Bauernfamilien stehen in der Krise zusammen

Wir sind daher als Verband und als Landwirte sehr zuversichtlich, dass es keine Engpässe geben wird. Denn eine der Stärken unserer Landwirtschaft ist, dass sie überwiegend familiengetragen ist. Diese Familien stehen nun zusammen: Wo es Personalsorgen geben sollte, springen jetzt mal die Söhne und Töchter, die nicht in der Landwirtschaft beschäftigt sind, ein, damit die Versorgungskette nicht unterbrochen wird.

Wir müssen sicherstellen, dass die gesamten Lieferketten aufrechterhalten werden. Das beginnt bei der Beschaffung von Betriebsmitteln und setzt sich fort bis hin zur Auslieferung in die Supermärkte und Lebensmittelgeschäfte. Hierbei ist wichtig, dass uns die Politik als systemrelevant einstuft.

In Richtung der Politik möchte ich aber auch einen Appell richten: Wir brauchen – trotz aller Quarantänemaßnahmen – Lockerungen für unsere Arbeitskräfte auf den Feldern. Wir benötigen jetzt schnell praktikable Lösungen für unsere Betriebe. Zwei Beispiele will ich nennen: Zum einen müssen nun Kulturpflanzen wie Brokkoli raus aufs Feld gebracht und gepflanzt werden. Zum anderen steht zum Beispiel die Spargelernte an. Für beides brauchen wir Saisonarbeiter, die die Feldarbeiten erledigen. Viele davon kommen üblicherweise aus Osteuropa. Da die Grenzen derzeit geschlossen sind, brauchen wir von der Politik flexible Regelungen, um genügend Arbeitskräfte zur Verfügung zu haben.

Unabhängig von diesem Punkt möchte ich Ihnen noch mal zusichern: Unsere Landwirte können die Bevölkerung auch weiterhin mit hochwertigen heimischen Nahrungsmitteln versorgen.

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Joachim Rukwied
© DBV / Breloer
Joachim Rukwied

Präsident, Deutscher Bauernverband

Joachim Rukwied (Jg. 1961) hat eine Ausbildung als Landwirt gemacht und dann Agrarwirtschaft studiert, bevor er als Partner im elterlichen Hof bei Heilbronn einstieg. Den Hof hat er mittlerweile übernommen und erweitert. Rukwied ist Präsident des Landesbauernverbandes in Baden-Württemberg und wurde 2012 zum Präsidenten des Deutschen Bauernverbandes und somit zum Nachfolger von Gerd Sonnleitner gewählt. Rukwied ist außerdem Präsident der COPA-COGECA, des Zusammenschlusses der europäischen Bauernverbände.

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