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Warum ist Gründen immer noch Männersache?

Nur 14 Prozent aller Start-ups werden von Frauen gegründet. Hier berichten Gründerinnen davon, was sie beim Aufbau eines Unternehmens erlebt haben.

Dr. h.c. Michael Dur
  • 80 Prozent der Unternehmerinnen gründen allein
  • Dabei haben Männer oft einen Wissensvorsprung
  • Man könnte gegenseitig voneinander profitieren

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„Warum ist Gründen immer noch Männersache?“ – diese Frage wurde hier intensiv diskutiert. Sind die Männer schuld? Die Gesellschaft? Oder doch die Politik? Meine Meinung: Sicherlich alle ein bisschen. Und doch sollten wir die Eigenverantwortung der Frauen nicht außer Acht lassen. Man verzeihe es mir, aber ich würde meine Erläuterungen gern mit einer Anekdote beginnen: Vor geraumer Zeit, ich war damals Mitglied im amerikanischen Yachtclub in Berlin, wurde ich gefragt, ob ich einer Gruppe von Offiziersfrauen Kenntnisse im Segeln vermitteln möchte. Zunächst war ich sehr skeptisch, da die Aspirantinnen eher etwas unsportlich waren und ein beachtliches Übergewicht mit ins Boot brachten. Das Ausbildungsboot war klein und kippelig, ein Pirat. Aus- und Einstieg gestalteten sich deshalb ein wenig problematisch, jedoch wich die anfängliche Angst der Teilnehmerinnen, je mehr Routine sie bekamen. Schließlich konnten sie ohne Probleme ihr Ziel, die Prüfung des A-Scheins zu bestehen, erreichen.

Es braucht Risikobereitschaft mit Augenmaß

Warum ich das erzähle? Nun, als Segler bin ich der Auffassung, dass das Segeln und das Gründen und Managen eines Unternehmens sehr viele Parallelen aufweisen. Es beginnt mit der Auswahl des richtigen Bootes und der richtigen Mannschaft unter Berücksichtigung des jeweils zu befahrenden Reviers. Wenn ich nun etwa auf Amorgos, in der griechischen Ägäis, am späten Nachmittag in einer Hafenkneipe sitze und von der Terrasse aus die einfahrenden Schiffe beobachte, fällt mir auf, dass nahezu 100 Prozent der Yachten von Männern geführt werden. Zum Führen eines Schiffes gehören Erfahrung, Mut und ein gewisses vernünftiges Maß an Risikobereitschaft. Eben all jene Eigenschaften, die man auch als Gründer/Gründerin braucht.

Der Frauenanteil bei Unternehmensgründungen über alle Branchen hinweg liegt mit zirka 35 Prozent erheblich unter dem der Männer. In der Regel verfügen Frauen über weniger Kapital, und ihre Bonität wird von den Banken kritischer betrachtet. Ein Firmenaufbau vergleichbar mit der Querung des Ärmelkanals, also mit einem hohen Risiko belastet. Viele Frauen scheuen dieses Risiko. Und auffällig ist auch: 80 Prozent der Frauen gründen allein.

Digitalisierung bietet einmalige Chancen

Traditionell haben Männer einige Tausend Jahre Vorsprung bei Unternehmensgründungen und dem Führen eines Unternehmens. Dieser Vorsprung muss über Training und Wissenserwerb ausgeglichen werden. Die Frauen müssen also zusätzliches Tuch setzen, um in der Sprache des Seglers zu bleiben.

Der Siegeszug der Digitalisierung kann die Erfolgschancen der Frauen bei der Unternehmensgründung um ein Beachtliches erhöhen. Meine tägliche Erfahrung zeigt mir, wie sehr dieses Thema bei vielen Vorständen der führenden Unternehmen unserer Wirtschaft vernachlässigt wird. Frauen könnten sich durch Nutzung der Digitalisierung ein nahezu unschlagbares Alleinstellungsmerkmal schaffen. Ich möchte dabei jedoch noch auf einen wesentlichen Aspekt hinweisen: In Zeiten der Globalisierung und der Digitalisierung halte ich gemischte und gleichberechtigte Teams mit Frau und Mann für besonders Erfolg versprechend.

Eine Frau sollte sich also einen tüchtigen Mann an Bord wünschen – ob bei einer Unternehmensgründung oder einer Kap-Horn-Umrundung.

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Dr. h.c. Michael Dur
© Michael Dur
Dr. h.c. Michael Dur

Unternehmensberater, Kanzlei Dur & Kollegen

Michael Dur ist Unternehmensberater und Autor. Nach seinem Abschluss als Wirtschaftsingenieur war er langjährig im Management amerikanischer Konzerne tätig. 1974 gründete er ein Beratungsunternehmen. Seit 1982 arbeitet er neben seinen Beratungstätigkeiten als freier Journalist. Ab 1992 wirkte er vier Jahre im Referat Öffentlichkeitsarbeit als Moderator für den Deutschen Bundestag und die Landesregierungen von Berlin und Brandenburg. Aktuell betreibt er eine Kanzlei für Business Development in Berlin.

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