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Gleichberechtigung im Job und Alltag: Warum halten sich Rollenbilder?

Frauen und Männer sind nach wie vor nicht gleichberechtigt – weder im Arbeitsleben, noch in der Gesellschaft oder vor dem Gesetz. Woran liegt das?

Frauen sollten den Mut haben, auch mal zu versagen

Petra Scharner-Wolff
  • Noch immer sitzen in Deutschland zu wenige Frauen in Chefsesseln
  • Zum einen sind es die Rahmenbedingungen, die eine Karriere erschweren
  • Zum anderen aber stehen sich die Frauen selbst manchmal im Wege

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In Deutschland sitzen immer noch viel zu wenige Frauen in Chefsesseln. Für Unternehmen wie die Otto Group, die dieses Thema ernst nehmen, bedeutet das, dass sie weiter daran arbeiten müssen, weibliche Nachwuchskräfte nachhaltig in Richtung Führung zu entwickeln. Doch warum ist das eigentlich so? Stehen Frauen sich selbst im Weg? Sind Männer zu dominant? Oder stimmen die Rahmenbedingungen nicht? Vielleicht haben wir es mit einer Mischung zu tun. Aus meiner persönlichen Erfahrung heraus sollten Frauen bei ihrer Karriereplanung drei Punkte ganz besonders im Blick haben.

Ganz wichtig: Den Spaß nicht verlieren

  1. Junge Frauen sollten sich auf dem Weg nach oben eine positive Unruhe zugestehen. Sie sollten Lust darauf haben, nach vorn zu gehen, die Hand zu heben – etwa wenn es in einem Projekt darum geht, die Ergebnisse zu präsentieren – und Freude daran haben, sich zu zeigen. Frauen tendieren häufiger als Männer zu der Befürchtung, dass so ein Verhalten aufgesetzt oder „angeberisch“ wirkt, und halten sich zurück. Männer stellen sich eher auf eine Rampe und erreichen automatisch eine höhere Sichtbarkeit.

  2. Frauen, die Karriere machen möchten, sollten sich nicht auf mögliche Hürden fokussieren, sondern immer die nächsten Schritte planen. Sie sollten durchaus auch den Mut haben, mal zu versagen – und dabei eine gewisse Gelassenheit an den Tag legen. Frauen haben es oft schwer, mit Misserfolgen umzugehen, lassen sich schnell entmutigen. Männer können das besser, nehmen daraus die positiven Effekte mit und haben den Ansporn, es beim nächsten Mal besser zu machen. Deshalb, liebe Kolleginnen, beherzigen Sie den Spruch von Norman Vincent Peale, den ich kürzlich gelesen habe: „Shoot for the moon. Even if you miss, you’ll land among the stars.“ Es lohnt sich durchaus, Neues zu wagen, unerschrocken in ein unbekanntes Projekt einzutauchen und darauf zu vertrauen, dass man es mit der nötigen Portion Cleverness meistern wird.

  3. Wichtig ist es gleichwohl, sich auf die Aufgaben zu konzentrieren, die einem Spaß machen, und sich nicht verkrampft von einer Hierarchiestufe zur nächsten zu hangeln. Und natürlich auch, die eigenen Ziele zu klären. Selbstreflexion ist ein wichtiger Teil dieses Prozesses. Was will ich erreichen, was bringe ich dafür mit und was muss ich vielleicht noch lernen? Wer seine eigenen Stärken und Schwächen kennt, kann sich viel besser zu einer authentischen und erfolgreichen Führungskraft entwickeln. Eines ist bei all dem meines Erachtens unerlässlich: Nur wer sich gut vernetzt, wird erfolgreich sein. Ohne Unterstützer und Förderer, die dich auf deinem Weg nach oben bestärken, wird es schwer.

Die Rahmenbedingungen sind zu starr

Dennoch: Wir müssen nicht nur in unseren Unternehmen, sondern zuallererst gesellschaftlich besser darin werden, Unterschiedlichkeit wertzuschätzen und individuelle Lebensmodelle zu ermöglichen. Die Rahmenbedingungen im Job – für Frauen und für Männer – sind noch nicht flexibel genug. Führen in Teilzeit und Jobsharing sind da wichtige Schlagworte. In diesem Zusammenhang lohnt es sich auch, darüber nachzudenken, wie Männer, die sich das wünschen, aus etablierten Karrierestrukturen entlassen werden können. Oftmals tun sich Unternehmen schwer damit, wenn Männer vermeintliche Karriererückschritte in Kauf nehmen und beispielsweise Arbeitszeit reduzieren wollen. Warum eigentlich? Das sollte im Jahr 2017 doch eigentlich kein Thema mehr sein. Und eröffnet Frauen gleichzeitig eine weitere Möglichkeit, in Führung zu kommen.

In der Regel sind bestimmte Verhaltensweisen und Kompetenzen wichtig, um in einem Unternehmen Karriere zu machen. In vielen Unternehmenskulturen werden dabei noch tendenziell männliche Eigenschaften wie etwa Rationalität, Besonnenheit und Risikobereitschaft bevorzugt, und es fehlt immer noch an weiblichen Vorbildern. Allerdings: Die Rolle der Führungskraft und das Führungsverständnis verändern sich im Moment sehr. Auch bei uns in der Otto Group. Wenn wir an Themen wie Agilität und Empowerment denken, wird es zukünftig viel stärker darum gehen, eine gemeinsame Vision zu schaffen, dem Team zu vertrauen, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dazu zu befähigen, Verantwortung zu übernehmen und diese auch abzugeben. Ich sehe hierin eine große Chance, denn dabei werden Eigenschaften, die tendenziell eher Frauen zugeschrieben werden, etwa Empathie, Sozialkompetenz und Kommunikationsfreude, sehr helfen.


Petra Scharner-Wolff ist eine von rund 30 ExpertInnen, die am 30. November auf der Work-Awesome-Konferenz in Berlin über die Zukunft der Arbeit diskutieren. XING ist Medienpartner der Veranstaltung. Tickets und weitere Informationen finden Sie unter www.workawesome.de.

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Petra Scharner-Wolff
© Otto Group
Petra Scharner-Wolff

Konzernvorstand, Otto Group

Petra Scharner-Wolff (Jg. 1971) ist seit 2015 im Konzernvorstand der Otto Group verantwortlich für Finanzen, Controlling und Personal. Sie ist seit 1999 im Unternehmen und war von 2002 bis 2007 Direktorin Konzern-Controlling weltweit. Im Jahr 2007 wurde Scharner-Wolff in die Geschäftsführung der Schwab Gruppe berufen, 2009 übernahm sie dort die Sprecherfunktion der Geschäftsführung. 2012 wechselte sie zurück nach Hamburg und übernahm die Position als Otto-Bereichsvorstand für Personal, Steuerung und IT.

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