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Exchange Traded Funds – Chance oder Risiko für die Anleger?

Seit Jahren schwimmen die passiv verwalteten Indexfonds auf einer weltweiten Erfolgswelle. Doch die Kritik wird immer lauter: Experten warnen vor negativen Auswirkungen an den Kapitalmärkten.

Für das Wachstum der ETFs besteht noch viel Luft nach oben

Prof. Dr. Dr. h.c. Martin Weber

Senior-Professor, Fakultät BWL, Universität Mannheim

Prof. Dr. Dr. h.c. Martin Weber
  • Indexfonds sind bewusste Nutznießer, die keine aktive Marktanalyse betreiben
  • Deshalb ist die Versuchung groß, sie als „böse“ und marktgefährdend abzutun
  • Wir haben genug Marktteilnehmer, um die Effizienz des Marktes sicherzustellen

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Die Idee von ETF-Indexfonds besteht darin, dass sie den jeweilig zugrunde liegenden Aktienindex kostengünstig und möglichst präzise abbilden. Die bekannten Indizes (und damit die entsprechenden ETFs) streben in der Regel an, einen großen Anteil des Marktes zu berücksichtigen und eine transparente, regelbasierte Gestaltung des Indexes zu gewährleisten. Kurzum, ETF-Indexfonds (oder im Prinzip ähnliche, rechtlich anders gestaltete Indexfonds) sind das ideale Instrument, damit wir uns diversifiziert an den Unternehmen der Welt beteiligen können – und das für eine Managementgebühr, die 0,5 Prozent im Jahr oder weniger beträgt.

Wir Wissenschaftler begeistern uns für Indexfonds auch deshalb, weil praktisch alle Studien zu dem Ergebnis kommen, dass aktive Fondsmanager den durch den Index abgebildeten Markt nicht schlagen können. Diese Tatsache hat die Industrie heute akzeptiert – auch wenn jede Fondsgesellschaft sich als Ausnahme sieht und verlässliche Überrenditen verspricht. Das klingt gut, und die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt, aber die Fakten sprechen eine klare Sprache. Wie gut für die Anleger, dass es Indexfonds gibt.

Die Lösung liegt im Gleichgewicht

Indexfonds sind bewusste Nutznießer aktiver Fondsmanager. Sie sind insbesondere deshalb so günstig, weil sie keinerlei Aufwand bei der Marktanalyse betreiben. Entsprechend groß ist die Versuchung, Indexfonds als „böse“, als Gefährdung der Finanzmärkte zu brandmarken. Wenn jeder nur noch in Indexfonds investieren würde, würde kein Research mehr betrieben, die Bewertungen an den Märkten wären nicht mehr korrekt, und die Welt stünde vor dem Zusammenbruch. In den USA wurde dieses Phänomen schon 1980 von zwei Wissenschaftlern erkannt und unter dem Namen „Informationsparadoxon“ bekannt gemacht: Wie kann man behaupten, Märkte seien effizient und Marktpreise spiegelten alle Informationen korrekt wider, wenn es sich für niemanden lohnt, aktiv zu recherchieren und zu handeln?

Die Lösung dieses Rätsels liegt – wie in der Ökonomie so oft – im Gleichgewicht: Betriebe niemand mehr Research, könnte der Erste, der wieder damit anfangen und entsprechend handeln würde, etwas verdienen. Je mehr Marktakteure Research betreiben, desto besser spiegeln die Preise die gesammelten Informationen wider und desto schwieriger wird es, mit Research Geld zu verdienen. Es kommen so lange weitere Teilnehmer hinzu, bis der letzte Teilnehmer gerade noch seinen Aufwand verdient.

Der Markt ist effizient genug

Was heißt das in der Praxis? Zunächst benötigt der Markt nur wenige aktive Händler, damit die Preise korrekt und Märkte effizient sind. Denke ich an die vielen (aktiven) Privatanleger, die (aktiven) Handelsabteilungen der Banken, die (aktiven) Hedgefonds, die (aktiven) Vermögensverwalter, sind das mehr als genug Akteure, um die Effizienz des Marktes sicherzustellen. Für das Wachstum der Indexfonds besteht also noch viel Luft nach oben. Und sollte es am Sankt-Nimmerleins-Tag einmal so sein, dass die gesamte Welt nur noch Indexprodukte kauft, dann schlägt die Stunde des aktiven Researchs und des aktiven Handels.

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Prof. Dr. Dr. h.c. Martin Weber
© Universität Mannheim
Prof. Dr. Dr. h.c. Martin Weber

Senior-Professor, Fakultät BWL, Universität Mannheim

Martin Weber ist seit 2017 Senior-Professor für die allgemeine Betriebswirtschaftslehre an der Universität Mannheim. Zuvor hatte er Professuren an den Universitäten Köln und Kiel inne. Seit 1993 lehrt er in Mannheim Finanzwirtschaftslehre mit dem Schwerpunkt Bankbetriebslehre. Von 2004 bis 2006 war er zudem Dekan der Fakultät für Betriebswirtschaftslehre.

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