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Warum ist Gründen immer noch Männersache?

Nur 14 Prozent aller Start-ups werden von Frauen gegründet. Hier berichten Gründerinnen davon, was sie beim Aufbau eines Unternehmens erlebt haben.

Für Unsolidarität gibt es einen speziellen Platz in der Hölle

Sanja Stankovic
  • Frauen pflegen ihr Netzwerk weniger strategisch als Männer
  • Viele lassen sich von männlicher Dominanz einschüchtern
  • Reine Frauenevents sollten nicht der Standard sein

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Es war ein Bild, das mir noch vor einigen Jahren immer wieder begegnete: Auf Konferenzbühnen oder beim Aufschlagen von Fachzeitschriften – überall waren fast ausschließlich (die gleichen) Männer zu sehen. Ich hatte damals häufig das Gefühl, dass nur bei wenigen Frauen Netzwerken ganz oben auf der Agenda stand. Diese Ausnahmen bildeten in der Regel selbstständige Unternehmerinnen und Freiberuflerinnen. Klar, ohne Netzwerk keine Aufträge. Bei angestellten Frauen habe ich oft das Gegenteil gesehen. Strategisches Netzwerken? Fehlanzeige. Ich zitiere hier gern Angela Rittig, ehemalige Senior Managerin Corporate Communications bei XING, die dazu einmal gesagt hat: „Männer pflegen ihre Netzwerke, Frauen ihre Familie.“ Traurige Aussage, aber leider wahr. Ich habe häufiger beobachtet, dass Frauen bevorzugt mit Menschen lunchen gehen, die sie nett finden. Männer gehen viel strategischer vor. Ihre Motivation: „Wer bringt mich weiter?“ oder „Wen muss ich treffen?“ – und das setzen sie dann einfach um.

Bei Sushi auf nackten Frauen vergeht der Appetit

Doch warum gibt es diesen gesellschaftlichen Bug? Sind die Frauen selbst schuld? Oder die Männer, die ihnen keinen Platz überlassen? Oder fehlen einfach die geeigneten Möglichkeiten, sich zu präsentieren? Nun, wahrscheinlich liegt die Antwort irgendwo in der Mitte. Die Gründerszene zum Beispiel ist nach wie vor sehr von Männern geprägt – da kann Gepose und Geschwafel manche Unternehmerin wirklich abtörnen. Frauen feiern sich und ihren Pitch meist ungern ab, verkaufen sich häufig unter Wert – und überlassen somit ungewollt den Männern das Feld. Absurde Netzwerktreffen, bei denen Sushi auf nackten Frauen serviert wird, tragen nicht gerade zu einer Verbesserung der Situation bei.

Allerdings gilt auch: Events dieser Art sind glücklicherweise kein Usus und werden zu Recht breit kritisiert. Ganz im Gegenteil – mittlerweile gibt es eine Reihe von informativen und wertvollen Netzwerktreffen. Bei Hamburg Startups veranstalten wir eine Reihe an Events, bei denen wir uns regelmäßig über eine Frauenquote von knapp 40 Prozent freuen dürfen. Vor fünf Jahren habe ich mit Carolin Neumann, Inken Arntzen, Kixka Nebraska, Taalke Renken, Sarah Pust, Nicole Willnow und Agnieszka Krzeminska die Digital Media Women (#DMW) ins Leben gerufen. Als Treffen mit acht Gründerinnen gestartet, engagieren sich heute über 60 Frauen an fünf Standorten. In unserer Community tauschen sich mehr als 5500 Frauen aus – und Männer zählen auch dazu.

Netzwerken kann man auch in den Mittagsstunden

Wir bei #DMW finden es wichtig, keine reinen Frauen-Events zu planen. Sicher – es gibt Themen, bei denen ein geschützter Raum richtig und wichtig ist. Doch für uns ist entscheidend: Wir wollen einen gesellschaftlichen Wandel herbeiführen. Und das geht nicht, wenn man die Männer ausschließt. Zudem organisieren wir nicht nur Events in der Abendzeit, da viele Frauen (und auch Männer) diese aufgrund von Kindern nicht immer einrichten können. Meet-ups zur Mittagszeit hingegen werden sehr positiv angenommen.

Ein abschließendes Wort noch zum Stichpunkt Stutenbissigkeit. Häufig wird uns Frauen ja vorgeworfen, wir würden uns gegenseitig im Weg stehen. Ich weigere mich aber, das zu einem Frauenproblem zu machen. Ellenbogenzeigen ist absolut keine geschlechtsspezifische Eigenschaft. Persönlich erlebe ich eine sehr große Solidarität unter Frauen. Bei den wenigen Ausnahmen halte ich es mit Madeleine Albright: „Es gibt einen speziellen Platz in der Hölle für Frauen, die anderen Frauen nicht helfen.“

Veröffentlicht:

Sanja Stankovic
© Rieka Anscheit
Sanja Stankovic

Mitgründerin, Digital Media Women e.V.

für Startups & Women in Tech

Sanja Stankovic (Jg. 1979) ist Mitgründerin des Digital Media Women e.V. (#DMW), einem 2010 gegründeten Netzwerk von Frauen für Frauen – und mit Männern –, das sich für mehr Sichtbarkeit von Frauen in der Digitalwirtschaft einsetzt. Als Gründerin des Startups@Reeperbahn Pitches und von Hamburg Startups etablierte sie mit ihrer Mitgründerin Sina Gritzuhn die führende Plattform der hanseatischen Gründerszene. Die freie Strategin für interdisziplinäre Projekte hat ihren Schwerpunkt in der digitalen Kommunikation.

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