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Trend #4 – Work-Life-Separation: Sorry, Chef, das muss echt warten!

Die Generation Z fordert weniger Stress und mehr Leben. Arbeitgeber werden stärker darauf achten müssen, dass Feierabend und Wochenende frei bleiben. Ist die Trennung überhaupt sinnvoll und notwendig?

Generation Z - Leidenschaft über Balance

Charles Bahr
  • Mit 15 habe ich das Gen-Z-Beratungsunternehmen Tubeconnect gegründet
  • Wie ich sind viele meiner Kollegen Teenager und gehören selbst der Gen Z an
  • Meine Erfahrung zeigt: Uns ist die Work-Life-Balance ziemlich egal

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Was bewegt die Nachwuchskräfte von morgen, die Generation Z? Sicherlich nicht das Thema Work-Life-Separation. Immer mehr Unternehmen machen sich bereit, in Zukunft die besten Talente unter den ab 1995 Geborenen zu gewinnen. Nicht selten wird in diesem Zusammenhang von flexiblen Arbeitszeitmodellen gesprochen. Und auch von dem vermeintlichen Trend, dass die Gen Z die Arbeitszeit strikter von der Freizeit trennen wird, wie ihn das „Trendbook“ von XING beschreibt. Der Trendforscher ist jedoch auf dem Holzweg.

Der eigentliche Trend heißt: Do what you love

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Eine Work-Life-Balance gibt es nicht. Sie ist uns, der Gen Z, auch nicht wichtig. Mit 15 Jahren habe ich zusammen mit zwei Freunden das Generation-Z-Beratungsunternehmen Tubeconnect gründet. Mittlerweile sind wir 20 Leute. Etwa die Hälfte davon sind Teenager wie ich. Ihnen geht es nicht um eine Balance, ihnen geht es auch nicht um das große Geld. Der Gen Z geht es um Spaß, um Leidenschaft für das, was man tut. Der Trend, den ich wahrnehme, trägt vielmehr die Überschrift „Do what you love“. Selbstverwirklichung lautet das Stichwort.

In unserer Generation werden Arbeit und Freizeit noch weitaus mehr verschmelzen, als es bisher schon der Fall ist. Wenn man das tut, was einem Spaß macht, lässt sich Arbeit nicht in Uhrzeiten oder Tageszeiten zwängen. Einen 100-prozentigen Ausgleich gibt es nicht – und braucht es auch nicht. Bei Tubeconnect teilen wir uns unsere Arbeitszeit selbst ein. Ich zum Beispiel mache gerade zusätzlich eine Ausbildung zum Kaufmann für Marketingkommunikation. An den Tagen, an denen ich Schule habe, gehe ich danach ins Büro, mache mir einen Plan, was ich an diesem Tag schaffen will, und ziehe das durch. Ich bin zum Glück niemand, der viel Schlaf braucht. Dafür versuche ich, mir die Wochenenden für andere Dinge freizuhalten – auch wenn mir das manchmal schwerfällt.

Wir schauen am Wochenende in die Mails, weil wir es wollen

Meine Kollegen und ich arbeiten zu 80 Prozent remote, also von zu Hause und unterwegs. Nur einmal im Monat trifft sich das über ganz Deutschland verstreute Team zu einem großen Meeting. Das heißt, dass jeder arbeiten kann, wann und wo er möchte. Das führt auch dazu, dass gern am Wochenende gearbeitet wird. Schickt ein Teammitglied am Sonntag eine Mail und bittet die anderen, noch einmal über eine Präsentation zu schauen, bekommt es auch am Sonntag eine Antwort. Das hat viel mit Leidenschaft und der eigenen Einstellung zu tun. Wir schauen am Wochenende nicht in die Mails, weil wir das Gefühl haben, es zu müssen, sondern weil wir es wollen.

Dass ein Job erfüllend sein muss, bemerke ich vor allem bei mir und meinen Gen-Z-Kollegen. Andere Generationen haben eine ganz andere Einstellung zur Arbeit. Bei älteren Kollegen wird der Beruf vornehmlich als Einnahmequelle verstanden. Bei ihnen besteht eine klare Trennung zwischen Arbeits- und Freizeit. Ich glaube nicht, dass es hier ein richtig oder falsch gibt. Aber es ist abzusehen, dass es einen deutlichen Wandel auf dem Arbeitsmarkt geben wird.

Um Talente zu gewinnen, müssen Unternehmen an ihrer Einstellung arbeiten

Während vorherige Generationen gern 20 Jahre und länger in einem Job ausharrten, ist uns, der Gen Z, die Beständigkeit und Sicherheit nicht so wichtig. Vor anderthalb Jahren hatten wir bei Tubeconnect noch keinen Investor, unsere Zukunft war ungewiss. Dennoch war das Team hoch motiviert und mit Leidenschaft dabei. Unternehmen, die in den kommenden Jahren junge Talente gewinnen wollen, sollten sich daher fragen, was sie ihnen ermöglichen wollen, damit sie ihr Bestes geben und gern zur Arbeit kommen.

Wichtige Themen sind nicht nur flexible Arbeitszeiten und remote arbeiten zu können. Was zählt, ist auch die Unternehmenskultur. Die Meinung jedes Mitarbeiters sollte wichtig sein und zählen – egal wie alt er ist. Zudem ist ausschlaggebend, wie viel man im Unternehmen bewegen kann. Sind die Hierarchien flach und habe ich einen direkten Draht zum Vorstand? Oder arbeite ich in einem Konzern mit zig Hierarchiestufen, kann in fünf Jahren aufsteigen, aber nichts bewegen? Da wären vielleicht meine Eltern stolz auf mich. Sinnstiftend ist das nicht.

Wie eingefahren das Denken heute auch bei vielen unserer Kunden noch ist, erleben wir selbst in kleinen Dingen. Beraten wir größere Konzerne, ecken wir oft mit einfachsten Abläufen schon an. Ein Beispiel: Wir versenden keine PDFs, sondern einen Link zu einem Dokument auf einer Cloud. Diese Lösung ist deutlich flexibler, denn jeder kann das Dokument schnell austauschen oder verändern. Trotzdem trifft das hin und wieder auf Unverständnis. Die Begründung: Arbeitsweisen, die ältere Kollegen nicht kennen, würden sie vergraulen. Das mag aus Sicht der Verantwortlichen kurzfristig der Weg des geringeren Widerstands sein. Engagierte und energetische Arbeitnehmer der Gen Z begeistert jedoch kein Arbeitgeber, wenn er schon bei solchen Kleinigkeiten auf die Bremse tritt.


15 Jahre XING

Vor 15 Jahren gab es weder soziale Medien noch Smartphones, agiles Arbeiten war hierzulande unbekannt. Unvorstellbar, was in den kommenden 15 Jahre alles Neues entstehen und wie sich unsere Arbeitswelt entwickeln wird! In welchen Berufen werden wir künftig überhaupt arbeiten – und wie? Wie verändert die künstliche Intelligenz den Recruiting-Prozess? Wird die Arbeitswelt von morgen gerechter sein – oder tiefer gespalten?

Zusammen mit dem Zukunftsforscher und Gründer des Trendbüros, Professor Peter Wippermann, hat XING 15 Trends untersucht, die Arbeitnehmer und Unternehmen betreffen und die Gesellschaft verändern werden. Unsere Prognosen basieren auf der wissenschaftlichen Expertise des Trendbüros, einer repräsentativen Umfrage unter den XING Mitgliedern und E-Recruiting-Kunden sowie aus unserer Erfahrung als Vorreiter beim Thema New Work.

Die 15 Trends lassen wir ab dem 5. November täglich auf XING diskutieren – hier auf XING Klartext, von unseren XING Insidern und im XING Talk. Alle Beiträge finden Sie gesammelt auf einer News-Seite.

  • In der Woche ab dem 5. November dreht sich alles darum, was sich für den einzelnen Arbeitnehmer ändert.
  • Ab dem 12. November diskutieren wir eine Woche lang die Folgen des Wandels für Unternehmen.
  • Eine Woche später, ab dem 19. November, thematisieren wir, wie sich unsere Gesellschaft verändern wird.

Bei Fragen, Feedback und Ideen erreichen Sie die Redaktion von XING News unter klartext@xing.com. Wir freuen uns auf spannende und hitzige Diskussionen!

Veröffentlicht:

Charles Bahr
© Tubeconnect
Charles Bahr

Gründer, Tubeconnect Media UG

Der Auszubildende (Jg. 2002) war 15 Jahre alt, als er gemeinsam mit zwei Freunden das Generation-Z-Beratungsunternehmen Tubeconnect gründete. Der heute 16-Jährige und sein Team unterstützen Marken dabei, die junge Zielgruppe nicht nur zu erreichen, sondern auch zu verstehen. Neben seiner unternehmerischen Tätigkeit macht Charles Bahr bei der Influencermarketingagentur Lucky Shareman eine Ausbildung zum Kaufmann für Marketingkommunikation.

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