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Neujahrsvorsätze: Was bringen sie wirklich?

Alle Jahre wieder ist es das gleiche Spiel: Kurz vor Silvester werden Pläne geschmiedet, was in den kommenden Monaten besser oder anders laufen soll. Von langer Dauer sind diese Vorhaben meist nicht.

Gute Vorsätze: Nicht groß vornehmen, sondern klein umsetzen!

Frank Behrendt
  • Der gute Vorsatz zum neuen Jahr ist ein recht umfangreicher Change-Prozess
  • Statt immer nur groß zu denken, sollte man mit kleinen Schritten beginnen
  • Wie im Job gilt es, Ziele schriftlich festzuhalten – und Verträge abzuschließen

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„Think Big“, so bekommen es schon die Kleinen eingetrichtert, damit große Gedanken später fliegen lernen und nicht schon beim ersten Überlegen abstürzen. Wen wundert es, dass sich der erwachsene Selbstoptimierer für das herandämmernde Jahr in der Silvesternacht einen Quantensprung vornimmt? Ein Freund von mir bringt es mit einer seiner Lieblingsaussagen prägnant auf den Punkt: „Zeichen setzen“. Ein großes Ausrufezeichen. Seht her, ich habe mir etwas vorgenommen, ich mache eine Ansage, im neuen Jahr wird alles besser. Ob die sportlichen Aktivitäten endlich mal hochgefahren werden sollen, das Rauchen eingestellt oder ein lang gehegter Traum endlich erfüllt werden soll – die Botschaft wird dynamisch in die Luft geschossen wie eine Nico-Silvesterrakete aus dem Supermarkt. Die verglüht in der Luft – die guten Vorsätze häufig ebenso nach kurzer Zeit.

Noch dramatischer wird es, wenn die angedachten Optimierungen nicht nur den Vornehmer selbst betreffen, sondern andere in den Genuss der verkündeten Veränderungen kommen sollen. „Im neuen Jahr komme ich früher nach Hause“ ist ein Klassiker. Oder: „Im neuen Jahr nehme ich mir mehr Zeit für die Kinder.“ Wenn diese Vorsätze nicht eingelöst werden, leiden andere. Und das ist nicht nur traurig, sondern unfair. Elementares Problem aus meiner Sicht: Das Berufs- und Privatleben läuft weiter wie eine Maschine in der Endlosschleife und lässt sich nicht mit einer Vollbremsung mal eben umprogrammieren. Mancher kommt mir gar vor, als ob er direkt ein ganzes Haus abreißen wollte, aber weder den Bauplan für ein neues, geschweige denn einmal mit Architekten und Handwerkern gesprochen hat.

Von jetzt auf gleich funktioniert es nicht

Fakt ist: Der gute Vorsatz für das neue Jahr ist am Ende ein umfangreicher Change-Prozess. Genau so einer, wie ihn Unternehmen in einer immer digitaler tickenden Welt dauernd gestalten (müssen). Und relevante Veränderungen gehen nicht von jetzt auf gleich und auch nicht reibungslos über die Bühne. Man braucht einen langen Atem und: Es muss intensiv mit allen Beteiligten kommuniziert werden. Nicht anders ist das bei den guten Vorsätzen. Einsame „Ich mach das im neuen Jahr so“-Verkündigungen laufen oft nach kurzer Zeit ins Leere, weil die Verortung mit den Menschen, die involviert sind, fehlt.

Veränderungsprozesse brauchen einen Plan. Am besten einen der kleinen Schritte. Statt der großen Welle lieber ein kleines Bächlein, aber das sollte dann auch nachhaltig rauschen. Zum Beispiel erst einmal an einem Tag in der Woche konsequent um Punkt 18:00 Uhr zu Hause sein, egal was kommt. Oder einen Abendtermin mit dem Partner genauso fix und langfristig planen wie eine Konferenz und dann auch nicht verschieben – macht man im Job ja auch meist nicht, weil kurzfristig etwas angeblich Wichtigeres dazwischenkommt. Richtig priorisieren ist ein zentrales Zauberwort der Managementlehre für alle Leader. Wer auf einem höheren Level der Erkenntnis angekommen ist, weiß, dass Privates auch eine hohe – wenn nicht sogar die höchste – Priorität genießen sollte.

Check-up-Gespräche können der Schlüssel sein

Und was wir auch oft vergessen: Im Job messen wir alles und jeden. Mit den tollsten KPIs. Warum sollte das mit den gewünschten persönlichen Veränderungen im Zuge der guten Vorsätze nicht auch möglich sein? Das Check-up-Gespräch findet dann eben nicht mit dem Vorgesetzten, sondern mit dem Partner, mit Freunden oder auch mal mit den Kids statt. Wird eingehalten, was ich versprochen habe? Wenn ja, gibt es auch nach Silvester direkt wieder einen guten Grund, die Korken knallen zu lassen. Wenn nicht, muss nachgebessert werden. Am besten schreibt man es auf, schließt einen „Vertrag“ mit Partner und/oder Familie. Im Job machen wir das schließlich auch, es ist gelernt, und die Hemmschwelle, Dinge nicht einzuhalten, steigt automatisch.

Bei den optimalen Change-Prozessen, die versierte Consultants ihren Kunden einflüstern, gibt es immer tolle Zeitpläne mit den berühmten Milestones. Warum nicht auch im Privaten? Meine kleine Tochter Holly hat mir einen Jahresplan mit zwölf Kästchen gemalt. In der Mitte hat sie eine Sommerparty mit fünf lustigen Menschen und einem Hund vorgesehen. Wir feiern dann, weil ich es geschafft habe, meine Versprechen einzuhalten. Und ich will diese Party haben, genauso fröhlich wie auf dem Bild von meiner jüngsten Tochter. Dafür muss ich was tun. Und ich tue es gern. Für mich und für die Menschen, die jeden Einsatz und jede Veränderung wert sind. „Gesagt, getan!“ hat mein Vater immer als Mantra ausgegeben. Und er hat sich dran gehalten. Immer.

Veröffentlicht:

Frank Behrendt
© John M. John
Frank Behrendt

Senior Advisor, fischerAppelt AG

Frank Behrendt (Jg. 1963) war von 2011 an Vorstand der fischerAppelt AG, für die er seit März 2016 als Senior Advisor tätig ist. 2015 sorgte er mit seinen „10 ernsthaften Ratschlägen, wie man lockerer durchs (Berufs-)Leben kommt“ für Furore. Im Herbst 2016 kam sein Buch „Liebe dein LEBEN und NICHT deinen Job“ (Gütersloher Verlagshaus) auf den Markt. Er ist ein gefragter Referent zur Zukunft der Arbeit. Zum Beispiel tritt er 2017 als Speaker auf der XING-Konferenz #NWX2017 auf.

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