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LANDTAGSWAHL SPEZIAL: Was beschäftigt die jüngeren Generationen?

Der Wahlkampf in Sachsen und Brandenburg ist auf der Zielgeraden. Immer wieder wird darüber gesprochen, Politik auch für die jüngeren Generationen zu machen. Doch fühlen diese sich verstanden?

Adriana Lettrari
  • Im Zusammenspiel zwischen Jüngeren und Älteren liegt viel ungenutztes Potenzial
  • Streiten wir gemeinsam dafür, dass wir unsere Heimat morgen noch erkennen
  • Die Deutungshoheit darf nicht bei denen liegen, die in Problemtrance verharren

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Sachsen und Brandenburg gehen zur Wahl. Aber trotz monatelangem Wahlkampf könnte Deutschland im Jubiläumsjahr nach 30 Jahren friedlicher Revolution mehr Aufbruchsstimmung gut vertragen. Das ist eine Tatsache, die insbesondere die junge Generation ändern kann – und ändern muss. Jetzt ist der Zeitpunkt, dafür zu streiten, dass wir unsere Heimat auch morgen noch erkennen. Das bedeutet, das Positive, die wunderbaren Ideen für die Zukunft und sich selbst als Ostdeutsche/n zu zeigen, sich einzubringen und sich zu engagieren.

Eine vitale Zukunft Ostdeutschlands benötigt die Transformationserfahrung der Elterngeneration und die doppelte Sozialisation der Wendekinder. Sie, zwischen 1975 und 1985 geboren in der DDR und aufgewachsen im vereinigten Deutschland, wissen, wie sich Zukunft transformativ gestalten lässt. Sie haben Umbruch zusammen mit einem Auf-, aber auch Einbruch erlebt.

Die Deutungshoheit nicht jenen überlassen, die in Problemtrance verharren

Im Zusammenspiel zwischen Jüngeren und Älteren liegt viel bisher ungenutztes Potenzial. Für diese neue, progessive Geisteshaltung in Ostdeutschland müssen sich mehr Menschen begeistern und sich aktiv dafür einsetzen.

Ein wichtiger Schritt dorthin ist es, die Deutungshoheit über die Kampfbegriffe dieses Wahlkampfes nicht länger jenen zu überlassen, die in Problemtrance verharren und wichtige Begriffe populistisch für rückwärtsgewandte politische Ziele nutzen. Da ist zum einen die Heimat. Ein Begriff, der aktuell oft mit einer völkischen Definition gebraucht wird, die ausschließen und ausgrenzen will. Eine progressive Denkweise für Ostdeutschland bedeutet, unseren eigenen Heimatbegriff dagegen zu setzen.

Heimat ist inklusiv, nicht ausgrenzend

Unsere Heimat ist der Ort, dem wir uns emotional verbunden fühlen. Dessen Zukunft uns am Herzen liegt. Alle sind willkommen, sich zu engagieren und diesen Ort und ihre Region mitzugestalten. Heimat ist also da, wo ich wesentlich sozialisiert bin, wo ich mich verbunden fühle und wo ich an soziale Kontakte anknüpfen kann. Dies ist ein inklusiver Blick auf Heimat, der niemanden ausschließt. Wir müssen zeigen: Ostdeutschland ist diese gemeinsame Heimat, für alle Menschen, die hier leben.

Doch auch das entgegengesetzte politische Lager fokussiert sich auf einen Begriff, den wir mit einer neuen Bedeutung füllen müssen: Solidarität. Noch immer wird mit diesem Wort ein verklärter Blick zurück in die Gesellschaftsordnung der DDR verbunden. Die gesellschaftliche Solidarität aber als Mythos oder unerfülltes Erbe der DDR zu sehen hilft nicht dabei, unsere Heimat weiterzuentwickeln.

Solidarisch zu sein bedeutet im heutigen Zeitalter, kooperativ zu handeln. In Zeiten von Co-Creation, kollaborativen Arbeitsformen und einer Sharing-Economy ist es ein kritischer Faktor für jeden Erfolg, ob ich mit denen gemeinsam wirken kann, die in die gleiche Richtung blicken. Nichts anderes meint Solidarität. Wir können gemeinsam, solidarisch an den Herausforderungen der Zukunft Ostdeutschlands arbeiten. Aber nicht mit einem „Früher war alles besser“, sondern mit einem „Heute gilt es, zu handeln“.

Jeder Einzelne hat eine gesellschaftliche Verantwortung

Derzeit benötigen wir angesichts aktueller Umfragen zu den Landtagswahlen nötiger als je zuvor eine gesellschaftliche, solidarische Verantwortung jedes Einzelnen für unsere Heimat. Diese progressiven Kräfte sichbar zu machen und zu stärken sollte Aufgabe jeder Berichterstattung sein.

Für uns Ostdeutsche besteht deshalb eine dringliche Wirkungspflicht: Wir müssen nun gemeinsam dafür streiten, wählen und wirken, dass wir unsere Heimat morgen noch erkennen. Indem wir sie zu dem machen, was sie im Konzert all unserer Stimmen in Zukunft sein soll. Damit wir laut sagen können und wollen: Yes, we like Ostdeutschland.

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Adriana Lettrari
© Adriana Lettrari
Adriana Lettrari

Gründerin des „Netzwerk 3te Generation Ost“

for Leadership, Changeability, Wendekinder, Transformationskompetenz

Adriana Lettrari (Jg. 1979) ist Organisationsberaterin, Speakerin, Publizistin und Gründerin des „Netzwerk 3te Generation Ost“ . Für ihr berufliches und ehrenamtliches Engagement wurde sie unter anderem ausgezeichnet mit den Titeln „Frau Europas Deutschland 2016“ und „Women of Europe 2017“. Neben ihrer Selbstständigkeit als Organisationsberaterin und Speakerin verantwortet sie derzeit die Organisationsberatung des Fürstenberg Instituts mit und wirkt zudem in dessen Strategieabteilung mit.

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