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Unnütz oder unersetzbar: Brauchen wir noch Personalabteilungen?

Sie galten lange als eines der Herzstücke eines Unternehmens: Human Resources (HR) verantworten alle Themen rund um das Personal. Doch die Digitalisierung verlangt nach neuen HR-Konzepten.

Human Resources ist tot, es lebe Human Resources!

Timo Rathjen
  • Die Kritik an der Arbeit von HR ist an vielen Stellen sicherlich berechtigt
  • Wir müssen uns mehr auf das besinnen, was HR ausmacht: die Menschen
  • Statt Personalerbrille brauchen Personaler eine unternehmerische Sicht

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Human Resources, die Personalabteilung oder – wie es sich in einigen Köpfen immer noch festgesetzt hat – die Personalverwaltung sei, so liest man inzwischen immer häufiger, eine sterbende Profession. Da finden sich Hashtags wie #killHR und #NoHR, es wird über Sinn und Unsinn von diesem Unternehmensbereich diskutiert, schließlich könne man die Gehaltsabrechnung und das Recruiting auch fremdvergeben und für arbeitsrechtliche Themen habe man eh den Fachanwalt. So weit, so nachvollziehbar und an vielen Stellen sicherlich auch berechtigt.

Warum aber leisten sich gerade mittelständische Unternehmen wie Monacor International dann einen Leiter Personal, haben diese Stelle sogar neu geschaffen? Sicherlich nicht, weil es uns Personaler für die Standardthemen braucht: Lohn und Gehaltsabrechnung übernimmt ein Dienstleister, für arbeitsrechtliche Fragen gibt es Anwälte, die Personalaktenpflege und eben klassische „Verwaltungsarbeiten“, die damit zusammenhängen, konnten auch bisher ohne einen hauseigenen HR-Menschen bewältigt werden. Bei solchen Themen stimme ich auch durchaus zu: Es braucht hierfür keine eigene HR-Abteilung. Wer die Personalarbeit immer noch als „Verwaltung“ betrachtet und lebt, schafft sich selbst ab, denn an dieser Stelle stirbt HR, ist vielleicht zum Teil auch schon tot.

„Das war schon immer so“ reicht nicht mehr

Wir müssen uns zukünftig (wieder) mehr auf das besinnen, was gerade junge Absolventinnen und Absolventen so häufig als Begründung angeben, warum sie im Personalwesen tätig werden: Sie wollen mit Menschen arbeiten. Übertriebene Bürokratisierung, das unabdingbare Bestehen auf seit Jahr und Tag festgeschriebenen Richtlinien und Regularien macht diese Arbeit aber nur schwer möglich. Insbesondere, wenn als Begründung auf die Frage nach der Berechtigung und dem Sinn von bestimmten Abläufen immer wieder „Das war schon immer so“ angeführt wird. Frustrierend.

Ich möchte an dieser Stelle Werbung dafür machen, mehr auf die „Neuen“ am Arbeitsmarkt zu hören. Nicht umsonst nennt man die Generation – zu der ich mich auch zählen darf – Generation Y („Why?“). Denn die Frage nach dem „Warum?“ sollte viel öfter gestellt werden, ganz besonders von HR.

Und wir dürfen uns mit der oben genannten Antwort dann auch nicht zufrieden geben. Wir müssen lernen über den Tellerrand des Personalwesens zu schauen und auch unbequeme Fragen zu stellen. Wir müssen lernen, dass die immer wichtiger werdende Personalentwicklung sehr eng mit der Organisationsentwicklung zusammenhängt, sich häufig gegenseitig bedingt, zumindest aber Hand in Hand geht. Es gilt also, die Personalerbrille abzulegen und „unternehmerischer“ zu denken und zu handeln, das große Ganze im Blick zu haben. Und gerade hier liegt doch eigentlich eine unserer Stärken: Wir sind mit allen Fachbereichen des Unternehmens vernetzt, weil wir hier Personal (mit)eingestellt, dort Fachkräfte beraten und geschult oder Team-Building-Maßnahmen durchgeführt haben. Dieses interne Netzwerk gilt es jetzt auch für die Unternehmensentwicklung zu nutzen. HR muss sich als starker Partner fürs Management positionieren und die Bereitschaft zeigen, notwendige Veränderungen zu vollziehen und die eigenen Abläufe zu verschlanken. Oder sterben.

Lasst uns vom Verwalter zum Gestalter werden

Das zumindest in mein Ansatz, mit dem ich diese Position kürzlich angetreten habe: Ich möchte Partner sein für die Menschen, die dieses Unternehmen ausmachen und für die Geschäftsführung, die Monacor International auf einen weiterhin erfolgreichen Weg leiten will. Dabei gilt es die Kolleginnen und Kollegen für die zukünftigen Herausforderungen zu qualifizieren, den Nachwuchs zu fördern und die Organisation sowie die Prozesse so zu entwickeln, dass sie den Ansprüchen von innen und außen gerecht werden.

Eine spannende Aufgabe für HR, die Umdenken und sicherlich vielerorts auch Mut erfordern wird. Aber wenn wir diesen „Change“ vom Verwalter zum Gestalter schaffen, aktiv unsere neue Rolle leben, die entsprechenden Rahmenbedingungen entwickeln und wo notwendig einfordern, wird dieses #NewHR einen wichtigen Beitrag zum Unternehmenserfolg leisten können.

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Timo Rathjen
© Timo Rathjen
Timo Rathjen

Leiter Personal, Monacor International GmbH & Co. KG

Timo Rathjen (Jg. 1987) ist Leiter Personal bei Monacor International, einem Unternehmen im Bereich der Sicherheits- und Veranstaltungstechnik. Zuvor studierte er Wirtschaftsrecht mit Schwerpunkt Personalwesen an der Hochschule Osnabrück und arbeitete als Personalreferent in einem Diakonieklinikum.

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