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Homeoffice: Welche Vorteile bringt die Heimarbeit wirklich?

Einer aktuellen Studie zufolge glauben zwei Drittel der Arbeitnehmer nicht mehr, dass sie zu festen Zeiten in ihrer Firma sitzen müssen. Doch birgt das Homeoffice auch Risiken, warnen Experten.

Ich arbeite lieber mit anderen als allein vor mich hin

Roman Czychi
  • Beim Homeoffice fehlt mir die klare Trennung von Arbeit und Privatem
  • In Coworking-Spaces bin ich unabhängig und trotzdem unter Menschen
  • Dieses Umfeld sorgt für gewisse Strukturen und einen regen Austausch

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Wer Homeoffice sagt, meint in meiner Wahrnehmung in über 80 Prozent der Fälle nicht Tatsächlich-zu-Hause-Arbeiten, sondern hegt den dringenden Wunsch nach einer flexibleren Gestaltung des Arbeitsalltags, der Anpassung des Arbeitsorts und der Arbeitszeit an die eigenen Bedürfnisse. Mangels bekannter Alternativen zum festen Schreibtisch im Unternehmen sprechen dann die meisten von „Homeoffice“.

Ich wundere mich, wie eingefahren und eng die Handlungsmöglichkeiten angelegt sind und wie begrenzt die Fantasie in dem Zusammenhang ist. Schon mal was von Coworking gehört? Coworking-Spaces sind nicht das einzige Werkzeug, nicht das Heilsversprechen, sie werden jedoch seitens der Freiberufler, der Festangestellten und vor allem der etablierten Unternehmen leider immer noch zu wenig beachtet und integriert.

Das Umfeld macht Lust auf die Arbeit

Coworking-Spaces, so wie ich sie kenne, bieten nicht nur für Start-ups genau das, was sich viele Menschen unter einem idealen Arbeitsplatz vorstellen. Es herrscht eine warmherzige und zugleich kreative Stimmung vor. Die Leute, die hier arbeiten, sitzen hier, weil sie es wollen, und nicht, weil sie es müssen. Innere Kündigung? Ein Fremdwort. Coworking ist vergleichsweise günstig und führt zu einem optimalen Ressourceneinsatz! Ich habe die Wahl zwischen vielen unterschiedlichen Räumen, die zum Teil mit fortschrittlichster interaktiver Technik ausgestattet sind. Das selbst vorzuhalten wäre nur zum Teil realisierbar und würde für mich eine enorme finanzielle Belastung bedeuten. Am Ende würde ich das in irgendeiner Form an meinen Kunden weiterberechnen.

Hauptprobleme beim reinen Homeoffice sind für mich die fehlende Trennung von Familie und Arbeit und die Abschottung gegenüber äußeren förderlichen Einflüssen. Ich persönlich benötige einen externen Arbeitsplatz. Hier Familie und dort Arbeit. Vor allem meine kleine Tochter versteht nicht, warum sie Papa nicht ansprechen soll, wenn er gerade telefonisch mit einem Kunden das Strategieblatt für die nächste Quartalsbesprechung durchgeht. Ich schätze die Mischung aus Ruhe und der Möglichkeit des Austauschs und dem immerwährenden Angebot eines Gemeinschaftsgefühls, das ich für mich nutzen kann oder nicht. Ich erkenne hier keinen Gruppenzwang, sondern ein klares „Kann, aber muss nicht“, eine ehrliche Einladung zu gemeinsamen Aktivitäten wie zum Beispiel einem Mitternachtslauf oder firmenübergreifenden Fußballturnier, Business-Präsentationen, offenen Brainstormings und Netzwerkveranstaltungen.

Netzwerke werden zwischendurch erweitert

Ausschlaggebend für meine Entscheidung damals vor sechs Jahren war ein Erlebnis am ersten Probetag. Ein IT-Berater kam an meinen Tisch und fragte mich, ob ich zwischendrin Lust auf ein paar Würfe mit dem Frisbee hätte. Ich fühlte mich sofort eingebunden und bin nach zehn Minuten mit einem Kontakt mehr und konzentriert zurück an die Arbeit. Das Arbeiten in einem Coworking-Space hat mir in München viele Netzwerke und Kontakte eröffnet. Hier haben eine Reihe meiner wichtigsten geschäftlichen Kontakte ihren Ursprung, ich habe allein vier tolle Kunden direkt aus dem Umfeld des Coworking-Spaces erhalten.

Für mich war das zu keinem Zeitpunkt „nur“ der reine Arbeitsplatz, den ich angemietet habe. Es war und ist ein offenes Netzwerk mit vielen tollen Menschen, Unternehmern, Start-ups, Vordenkern und kreativen Köpfen und warmherzigen Persönlichkeiten. Das hat mich in meiner persönlichen und geschäftlichen Entwicklung gestärkt und geprägt und ein eigenes Erfahrungsfeld, eine Laborsituation hinsichtlich der Flexibilisierung der Arbeitswelt mit Vertrauensarbeitsort und -zeit, geschaffen. Als Unternehmens- und Personalberater für vorwiegend mittelständische familiengeführte Unternehmen sind das interessante Erfahrungen – meine Kunden profitieren davon.

Veröffentlicht:

Roman Czychi
© Roman Czychi
Roman Czychi

Coach und Personalberater, Permanaut Personalberatung & Coaching

Roman Czychi war als Leiter HR-Research über sechs Jahre bei renommierten Personal- und Outplacementberatungen tätig. Mit seiner 2011 gegründeten Permanaut Personalberatung hat er sich unter anderem darauf spezialisiert, Freiberuflicher und Unternehmer in der Rolle des Lotsen im Kreislauf von Recruiting, Mitarbeiter-Einbindung und beim Aufbau von Trennungskompetenz zu unterstützen. Er ist aktives Mitglied der International Coach Federation (ICF).

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