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Coworking-Places: Wir sehen uns in der Cloud, Chef!

In 15 Jahren werden wir tief in virtuelle Welten abgetaucht sein - und überwiegend digital zusammenarbeiten. Coworking-Spaces, wie wir sie kennen, oder Homeoffice werden dann längst die Regel sein.

Ich gründete ein Coworking-Space nur für Frauen

Michelle Gasparovic

Gründerin, Birdhaus

Michelle Gasparovic
  • Es gibt genug Coworking-Spaces, die sich an alle richten
  • Frauen unter sich kommunizieren im Arbeitsleben ganz anders
  • Die konsequente Abgrenzung bringt auch Herausforderungen mit sich

7.254 Reaktionen

Ein Coworking-Space, der sich nur an Frauen richtet? Viele fragen, warum Frauen einen eigenen solchen Raum benötigen. Wenn Sie in ein typisches Büro gehen, sehen Sie jedoch das Ungleichgewicht. Es ist nicht nur das Geschlechterverhältnis, es sind auch die Gespräche. Zahlreiche Frauen kennen das Gefühl nur zu gut: übergangen zu werden, übertönt zu werden und das sogenannte Mansplaining, bei dem der Mann der Frau erklärt, wie sich eine Sache genau verhält – wobei unwichtig ist, ob er tatsächlich besser Bescheid weiss! Dies kommt in vielen Branchen vor, meiner Erfahrung nach jedoch speziell im Bereich der Technologie und in der Finanzwelt. Gehört werden die lautesten Stimmen im Raum, das sind aber nicht unbedingt die innovativsten oder interessantesten. Dies führt insbesondere für uns Frauen zu einer unausgewogenen und unbefriedigenden Konversation. Das sind nur einige Gründe, warum ein Women-only-Coworking zumindest für die Frauen sehr viele Vorteile bieten kann.

Mehr als nur ein Arbeitsraum

Wichtig ist hier anzumerken, dass sich Coworking-Spaces von reinen Räumen mit Schreibtischen zu Zentren für soziale Kontakte und Vernetzung entwickelt haben. Wir gehen gemeinsam unsere Herausforderungen an und stärken uns gegenseitig. Die Frauen bei uns sind ehrgeizig und nutzen den Space auch dazu, ihre Netzwerke mit Gleichgesinnten auszubauen. Darum ist eine meiner grössten Freuden als Gründerin eines Social Club und Coworking-Spaces für Frauen, mitzuerleben, wie sich Beziehungen unter unseren Mitgliedern bilden. Ich sehe, wie Unternehmen und Kooperationen entstehen und sich Freundschaften entwickeln. Diese gegenseitige Unterstützung wächst stetig.

Bei uns im Space sind sowohl Neugründerinnen als auch langjährig selbstständige Unternehmerinnen tätig, jedoch auch Angestellte, die extern beziehungsweise ortsunabhängig arbeiten. Darunter befinden sich Programmiererinnen, Innenarchitektinnen, Therapeutinnen, aber auch ganze Marketingteams. Inspirierende und innovative Frauen, die täglich daran arbeiten, ihrer Kundschaft den entscheidenden Mehrwert zu bieten und in ihrer gesamten Branche einen Unterschied zu machen.

In einem Coworking-Space, der von Frauen für Frauen entworfen und umgesetzt wurde, treten Sie in einen Raum der Ruhe, von Fokus und Entschlossenheit ein. Sie spüren sofort die Zusammenarbeit, die Bedachtheit in der Arbeit und die Arbeitsmoral. Frauen treffen hier kluge und klare Entscheidungen, ohne dafür kämpfen zu müssen, überhaupt gehört zu werden. Diese Art der Entscheidungsfindung und der kollaborativen Innovation kann einen entscheidenden Einfluss auf ihre Zukunft haben.

Wir mussten frühzeitig den Rahmen abstecken

Unser „Birdhaus“ soll ein spezieller Ort sein, der es Frauen erlaubt, gegenseitige Unterstützung zu erleben. Ein reiner Frauenarbeitsplatz bringt aber auch Herausforderungen mit sich. Zum Beispiel haben wir frühzeitig verbindliche Richtlinien für Besuchende, Präsentationen und Workshops erarbeitet. Wir haben entschieden, dass Männer, Kinder sowie auch Haustiere die Dynamik unseres einzigartigen Arbeitsraumes verändern würden, und das gilt natürlich auch für Meetings oder gemeinsame Mittagessen. Ohne klare Regeln müssten auch unsere Mitarbeitenden individuell entscheiden, wann ein Besuch „zu lange“ dauert. Um nicht irgendein Coworking-Space zu werden, setzen wir unser einfaches Versprechen konsequent um: „Wir sind ein Raum für Frauen“. Diese Richtlinie mag nicht für alle Spaces und auch nicht für Spaces mit einem ähnlichen Konzept gelten. Für unser Team, unsere Mitglieder und unsere Gäste hat sich diese einfache und gut verständliche Leitlinie jedoch sehr bewährt.

Abgrenzung als wirtschaftliche und soziale Chance

Aus wirtschaftlicher Sicht war es natürlich eine Überlegung wert, wie weit es sich lohnt, sich nur auf die Zielgruppe Frauen zu beschränken. Es zeigt sich jedoch, dass der Austausch innerhalb einer rein weiblichen Belegschaft deutlich reicher und engagierter wird. Die Frauen bei uns haben sich für diese Art von Space entschieden, weil sie ihn als willkommene Gelegenheit sehen, zusammen mit anderen Frauen zu arbeiten und Zeit zu verbringen. Ihre positive Resonanz zieht weitere Interessierte an. So entwickelt sich unser Coworking-Space fortlaufend weiter und wird zu einem wichtigen Teil des Lebens vieler Frauen.


15 Jahre XING

Vor 15 Jahren gab es weder soziale Medien noch Smartphones, agiles Arbeiten war hierzulande unbekannt. Unvorstellbar, was in den kommenden 15 Jahre alles Neues entstehen und wie sich unsere Arbeitswelt entwickeln wird! In welchen Berufen werden wir künftig überhaupt arbeiten – und wie? Wie verändert die künstliche Intelligenz den Recruiting-Prozess? Wird die Arbeitswelt von morgen gerechter sein – oder tiefer gespalten?

Zusammen mit dem Zukunftsforscher und Gründer des Trendbüros, Professor Peter Wippermann, hat XING 15 Trends untersucht, die Arbeitnehmer und Unternehmen betreffen und die Gesellschaft verändern werden. Unsere Prognosen basieren auf der wissenschaftlichen Expertise des Trendbüros, einer repräsentativen Umfrage unter den XING Mitgliedern und E-Recruiting-Kunden sowie aus unserer Erfahrung als Vorreiter beim Thema New Work.

Die 15 Trends ließen wir zwischen dem 5. und dem 23. November täglich auf XING diskutieren – hier auf XING Klartext, von unseren XING Insidern und im XING Talk. Alle Beiträge finden Sie gesammelt auf einer News-Seite.

  • In der Woche ab dem 5. November drehte sich alles darum, was sich für den einzelnen Arbeitnehmer ändert.
  • Ab dem 12. November diskutieren wir eine Woche lang die Folgen des Wandels für Unternehmen.
  • Eine Woche später, ab dem 19. November, thematisierten wir, wie sich unsere Gesellschaft verändern wird.

Bei Fragen, Feedback und Ideen erreichen Sie die Redaktion von XING News unter klartext@xing.com. Wir freuen uns auf spannende und hitzige Diskussionen!

Veröffentlicht:

Michelle Gasparovic
© Michelle Gasparovic
Michelle Gasparovic

Gründerin, Birdhaus

Michelle Gasparovic (Jg. 1974) ist 2017 aus den USA in die Schweiz gezogen. Nach Stationen in der Modebranche und im Food Business beschloss sie, mit dem Birdhaus in Zürich das erste Co-Working Space nur für Frauen zu eröffnen. Zu diesem Schritt inspiriert wurde sie durch ihre Liebe für Zürich und die Frauen, die sie in ihrer neuen Wahlheimat kennenlernen durfte. Das Workspace befindet sich mitten in Zürich auf dem Hürlimann Areal und dient gleichzeitig als Social Club mit regelmässigen Events.

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