Probleme beim Einloggen

Wären wir ohne Chefs und in offenen Büros glücklicher und kreativer?

Immer mehr Firmen experimentieren mit neuen Arbeitskonzepten. Die Theorie: Ohne Druck ihrer Vorgesetzten und in offenen Büros arbeiten Mitarbeiter effizienter. Doch funktioniert das Konzept wirklich?

Kein Chef, kein Problem: So gelingt die hierarchielose Firma

Boris Gloger
  • Noch immer dominiert die Top-down-Hierarchie die Unternehmen
  • Dabei werden kreative Ideen erstickt und Produktivität verschenkt
  • Für eine gelungene Hierarchiefreiheit braucht es das richtige Team

22.712 Reaktionen

Die allermeisten Unternehmen funktionieren nach einer strikten Top-down-Hierarchie. Der Großteil der Belegschaft arbeitet unten und stemmt das operative Tagesgeschäft. An der Spitze der Pyramide steht die Geschäftsführung – der beste Platz, den Blick schweifen zu lassen und Ausschau nach neuen Geschäftsideen zu halten. Doch der Blick geht ganz oben nicht in die Ferne, sondern häufig nach unten. Die vertikale Unternehmenshierarchie „glaubt“ an die ständige Kontrolle von oben. So hält man den Laden zwar am Laufen, erstickt aber auch kreative Ideen von unten und verschenkt Produktivität. Um das zu ändern, machen wir aus der Pyramide einen Bungalow, in dem alle gleichberechtigt und auf einer Ebene arbeiten.

Das Team: Fachliche Skills allein reichen nicht

So faszinierend die Idee von Selbstbestimmung und Schwarmintelligenz ist – sie setzt eines zwingend voraus: das richtige Team. Kollegen, die nicht nur fachlich top sind, sondern auch über ein hohes Maß an Eigenmotivation und unternehmerischer Denke verfügen. Macher, die über ein Höchstmaß an intrinsischer Motivation verfügen und Herausforderungen des Marktes antizipieren. Diese zu finden und zu halten ist die wesentliche Herausforderung von Führungskräften in einem solchen Changeprozess.

Die gläserne Unternehmensstruktur

Angestellte werden an einem Mehr an Verantwortung nicht zusammenbrechen – im Gegenteil, ihre Produktivität wird dank des entgegengebrachten Vertrauens steigen. Denn traditionelle Führungskonzepte werden überflüssig, wenn jeder Einzelne im Unternehmen denkt wie ein Gründer. Dafür muss die Unternehmensführung vollständige Transparenz schaffen. Eine Firma, die intern alles offenlegt – Umsatzzahlen, Teambilanzen, Quartalsziele und sogar die Gehälter – weckt in den Teams den Willen zur ständigen Weiterentwicklung. In der Firma ohne Chef muss jeder Einzelne über das Innenleben der Organisation Bescheid wissen.

Klassische Zielvereinbarungen sind Motivationsbremsen

Im Modell „Pyramide“ sollen noch immer persönliche Zielvereinbarungen sicherstellen, dass alle im Soll bleiben. Progressive Unternehmen gehen hingegen davon aus, dass die Menschen ihrer Arbeit mit Freude nachkommen und auch ohne Druckmittel performen. Im besten Fall wird der Beruf zur Berufung. Natürlich sind manche Jobs spannender als andere, aber ich behaupte trotzdem: In jeder Branche ist es möglich, Eigenmotivation bei den Mitarbeitern zu erzeugen, sodass Daumenschrauben von oben nicht länger nötig sind. Jeder Mitarbeiter hat gewisse Stärken und spezielle Talente, die im fixen Rahmen der Pyramide häufig ungenutzt bleiben. Ganz anders sieht es aus, wenn sich für jedes Projekt selbstständig Teams zusammenfinden, in denen genau die Leute arbeiten, deren Profil zur Aufgabe passt.

Die Pyramide wird zum Bungalow

Auch ohne klassische Zielvereinbarung gilt es, ein Spielfeld abzustecken, innerhalb dessen die Gruppe selbstbestimmt arbeitet. Welche Marktposition strebt das Unternehmen an? Welche Key-Performance-Indicators (KPIs) sind dafür essenziell? Wie viel Umsatz müssen die einzelnen Teams erwirtschaften, damit die Firma weiterwächst? Gerade in der Anfangszeit bilden strategische Vorgaben einen wichtigen Orientierungspunkt für den Schwarm ohne Führungskraft. Teamziele sind hier viel wirksamer als individuelle Zielvereinbarungen. In Kombination mit einem agilen Managementframework wie Scrum können sie dem Unternehmen zu einem großen Produktivitätsschub verhelfen.

Die Pyramide ist etwas für Touristen in Ägypten, aber nichts für Unternehmen am Puls der Digitalisierung. Denn Chefs machen das Leben langsamer. Zu weit weg vom Thema und den Mitarbeitern, killt ihre Verwaltung beinahe jede Innovationskraft. Wenn Gründer feststellen, dass sie mittlerweile nur noch Produktivitätsbremse sind, ist ein Umzug in den Bungalow überfällig. Denn Pyramiden wurden einst gebaut, um dort Regenten zu begraben.

Veröffentlicht:

Boris Gloger
© Privat
Boris Gloger

Gründer und Geschäftsführer, borisgloger consulting GmbH

für Agiles Management & neues Arbeiten

Boris Gloger ist Gründer und Geschäftsführer der Managementberatung borisgloger consulting GmbH mit Sitz in Baden-Baden und Wien. Der Managementberater ist Autor mehrerer Bücher zum Thema Scrum – ein Framework, mit dessen Hilfe Software beziehungsweise Projekte agil entwickelt werden können. Weltweit setzen Unternehmen das Vorgehensmodell für die Produkt- und Organisationsentwicklung ein. Boris Gloger ist Speaker und Keynote-Speaker zahlreicher Branchenveranstaltungen rund um das Thema Management.

Mehr anzeigen

Werden Sie kostenlos XING Mitglied, um regelmäßig Klartext-Debatten zu aktuellen Themen zu lesen.

Als XING Mitglied gehören Sie zu einer Gemeinschaft von rund 11 Mio. Berufstätigen allein im deutschsprachigen Raum. Sie erhalten zudem ein kostenloses Profil und den Zugang zu spannenden News, Jobs, Gruppen und Events.

Mehr erfahren