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Künstliche Intelligenz: Wird unser Leben bald von Robotern beherrscht?

Schlaue und lernfähige Roboter oder IT-Systeme verunsichern viele Menschen. Sie fürchten unter anderem den Verlust von Arbeitsplätzen. Doch sind diese Sorgen begründet?

KI erfordert ethische Leitlinien, aber noch mehr Vorsicht

Prof. Armin Grunwald

Leiter, Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag

Prof. Armin Grunwald
  • Es gibt Sorgen vor einer Herrschaft der Roboter und Algorithmen
  • Deshalb brauchen wir eine Debatte über ethische Standards
  • Echte Gefahr droht von der schleichenden Abhängigkeit von digitaler Technik

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Die Sorgen vor einer Herrschaft der Roboter und Algorithmen nehmen zu. Die schnelle Auswertung riesiger Datenbestände, das Durchspielen von Millionen von Optionen in Sekunden, die Bestimmung optimaler Lösungen zu komplexen Problemen, all das können wir Menschen so nicht. Irgendwann stellt sich die Frage, wer das letzte Wort hat, Mensch oder Algorithmus.

Für selbstfahrende Autos gibt es bereits erste ethische Leitlinien

Nach welchen Maßstäben Roboter und Algorithmen dann entscheiden sollen, bestimmen ihre Hersteller, vor allem also Informatiker und die Manager der entsprechenden Unternehmen. So etwas darf aber nicht alleinige Sache von ein paar KI-Nerds sein. Denn die Folgen gehen uns alle an. Von daher brauchen wir eine Debatte über ethische Standards und gesellschaftliche Werte für das Design zukünftiger Systeme der künstlichen Intelligenz genauso wie Verfahren, diese Standards in die Software einzuprogrammieren.

Selbstfahrende Autos sind ein schönes Beispiel, wo diese Debatte schon läuft. Die Ethik-Kommission zum automatisierten und vernetzten Fahren beim Bundesverkehrsministerium hat 2017 einen ersten Satz ethischer Leitlinien vorgelegt. Informatik, Maschinenbau, Ethik und Recht, aber auch gesellschaftliche Interessenvertreter waren dabei. Der Anfang ist somit gemacht.

Das warnende Beispiel von Herr und Knecht

Das ist aber nicht alles. Ich glaube nicht, dass die Hauptgefahr der weiteren Digitalisierung darin liegt, dass Roboter oder Algorithmen aktiv die Herrschaft übernehmen. Dass also ein Algorithmus versucht, die Welt zu beherrschen wie ein digitaler Fantomas oder ein neuer Hitler. Das Problem liegt eher darin, dass wir schleichend in die komplette Abhängigkeit von der digitalen Technik hineinrutschen.

Diesen Mechanismus hat der Philosoph Georg Friedrich Hegel in ein einfaches Bild gebracht: Ein Herr hat einen Knecht. Dieser Knecht muss alles für den Herrn tun. Dadurch verlernt der Herr die lebensnotwendigen Dinge. Der Herr wird abhängig vom Knecht, und schließlich wird aus dem Knecht der eigentliche Herr. Der Herr muss dann dafür sorgen, dass es dem Knecht gut geht. Fatal dabei ist, dass der Übergang vom Herrn zum Knecht schleichend und unmerklich geschieht.

Es ist noch nicht zu spät, aber …

Aufmerksamkeit ist also geboten, um nicht den Punkt zu verpassen, ab dem es möglicherweise zu spät ist. Das Problem wäre nicht der monströse Algorithmus, sondern die Bequemlichkeit der Menschen angesichts der vielen Annehmlichkeiten digitaler Technologien.

Ich will nicht sagen, dass es zu spät ist. Aber wir sind bereits jetzt vollkommen abhängig von digitalen Technologien. Das Internet abzuschalten ist unmöglich. Wir müssen es gut behandeln, sonst bricht die Weltwirtschaft zusammen. Diese Entwicklung weitergedacht macht mir Sorge. Da hilft keine Ethik, sondern nur Aufmerksamkeit.


Diskutieren Sie mit, liebe Leserinnen und Leser: Wie beurteilen Sie die Chancen und Risiken von Künstlicher Intelligenz? Kann KI die Welt positiv verändern oder birgt sie zu viele (unabsehbare) Gefahren? Wir sind gespannt auf Ihre Meinung!

Veröffentlicht:

Prof. Armin Grunwald
© Grunwald
Prof. Armin Grunwald

Leiter, Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag

Armin Grunwald (Jg. 1960) ist Professor für Technikethik und Technikphilosophie am Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Seit 1999 leitet er dort auch das Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS). Die Leitung des Büros für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag hat er seit 2002 inne. Habilitiert hat Grunwald 1998 am Institut für Philosophie der Universität Marburg.

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