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Kuckucksvaterschaften: Wenn herauskommt, dass man nicht der Vater ist

Experten schätzen, dass jedes fünfte bis zehnte Kind ein Kuckuckskind ist. Bisher können betroffene Scheinväter Geld vom leiblichen Vater zurückfordern. Eine neue Regierung könnte die Rechte umkehren.

Kuckucksväter würden ihr Kind und ihr Geld verlieren

Dr. Kerstin Aust
  • Kuckucksväter sollen nicht mehr den vollen Unterhalt zurückfordern können
  • Die Reform will die Interessen der biologischen Väter stärken
  • Mütter würden in Zukunft mehr zur Verantwortung gezogen

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In den vergangenen Monaten wurde im Bundestag eine Reform diskutiert, durch die das Leben vieler Familien beeinflusst werden könnte. Zwar befinden wir uns nun bereits im Wahlkampf, und die Zeit, die vorgeschlagene Reform durchzusetzen, ist abgelaufen. Doch eine Reform des Abstammungsrechts wird kommen, egal mit welcher Regierung – es fragt sich nur, mit welcher Ausprägung. Betroffen wären sogenannte Kuckucksväter, sprich Väter, die zwar die rechtlichen, aber nicht die leiblichen Väter sind. Bisher konnten diese Kuckucksväter den gesamten investierten Unterhalt von den biologischen Vätern zurückfordern, den sie über die Jahre für ihr scheinbar leibliches Kind gezahlt haben. Die besagte Reform sieht vor, dass Kuckucksväter nur noch jenen Unterhalt vom leiblichen Vater zurückfordern dürfen, den sie in den vergangenen zwei Jahren vor dem Bekanntwerden der Kuckucksvaterschaft investiert haben.

Wenn eine Mutter beispielsweise erst nach 18 Jahren mit der Wahrheit herausrückt und dem Kuckucksvater beichtet, er sei gar nicht der leibliche Vater des gemeinsamen Kindes, hatte das bisher für den biologischen Vater erhebliche Konsequenzen: Nach der derzeitigen Gesetzeslage hat der Kuckucksvater einen Regressanspruch über die volle Höhe der Unterhaltszahlungen seit der Geburt des Kindes. In diesem Fall kann sich der Betrag nach der Düsseldorfer Tabelle auf 84.000 bis 135.000 Euro summieren. Jetzt soll der Anspruch auf zwei Jahre in die Vergangenheit begrenzt werden. Das kann also bei null liegen, wenn die Kuckucksväter die letzten zwei Jahre keinen Unterhalt bezahlt haben.

Eine Begrenzung des Unterhaltsanspruchs ist in vielen Fällen nicht gerechtfertigt

Das Gesetzesvorhaben beschneidet also – kurz gefasst – die Rechte der Kuckucksväter und schützt die finanzielle Situation der biologischen Väter. Die Begründung, wonach der Kuckucksvater quasi durch das gelebte Familienleben „entschädigt“ wurde, überzeugt hier jedoch nur, soweit es auch ein Familienleben gab. Was ist mit Fällen, in denen überhaupt kein gemeinsames Leben stattgefunden hat? Es sind durchaus Konstellationen denkbar, in denen keine soziale Familie bestand oder die Ehe nur von kurzer Dauer war und der Kuckucksvater erst spät erfährt, dass das Kind von einem anderen Mann abstammt. In diesen Fällen ist eine Begrenzung des Anspruchs meiner Ansicht nach nicht gerechtfertigt. Stellen Sie sich vor, Sie verlieren Ihr Kind und dann wird Ihnen auch noch zum Großteil das Recht auf wirtschaftliche Entschädigung genommen.

Eine wichtige Komponente wird in dieser Diskussion häufig vergessen: die Rolle der Mütter und ihre Verantwortung. Die ganze Debatte über Kuckucksvaterschaften gäbe es nicht, wenn die Mütter von vornherein die Wahrheit sagen würden. Die Reform wird die Mütter verpflichten, über die in Betracht kommenden leiblichen Väter Auskunft zu geben. Das ist längst überfällig. Ich persönlich hätte mir eine ausdrückliche gesetzliche Regelung wie diese schon viel früher gewünscht. Allerdings erreichen wir mit dieser gesetzlichen Vorgabe nur etwas, wenn die Mutter erstens den Erzeuger namentlich kennt und zweitens sich nicht standhaft weigert, Auskunft zu geben.

Es hilft jedoch niemandem und am wenigsten den Kindern, wenn ein Familiengeheimnis daraus gemacht wird. Ein Kuckuckskind hat drei Elternteile. Eine Gesetzeslage, die beide Väter gleichstellt, wäre vielleicht ein sinnvollerer Gewinn für diese Kinder. Im Juli hat das Justizministerium um Heiko Maas den Abschlussbericht des Arbeitskreises Abstammungsrecht veröffentlicht, der diese und weitere Missstände im geltenden Abstammungsrecht aufzeigt. Ein erster Schritt in die richtige Richtung.

Veröffentlicht:

Dr. Kerstin Aust
© SKW Schwarz
Dr. Kerstin Aust

Buchautorin und Rechtsanwältin, SKW Schwarz

Sie ist spezialisiert auf die effektive Beilegung wirtschaftsrechtlicher Streitigkeiten. Besondere Expertise besitzt Frau Dr. Aust zudem im Bereich des Familienrechts – insbesondere bei Streitigkeiten aus den Rechtsbeziehungen in einer Familie mit Kuckuckskind. Ihre Doktorarbeit behandelt dieses familienrechtliche Spezialthema und erschien zudem als Buch mit dem Titel „Das Kuckuckskind und seine drei Eltern“.

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