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Kündigen ohne neuen Job – Riskante Kurzschlusshandlung oder Neuanfang?

Die aktuelle Anstellung einfach hinwerfen, obwohl kein neuer Job in Sicht ist? Dieses Wagnis kann für manche eine Chance auf einen Neubeginn sein, für andere ist es eine unschöne Lücken im Lebenslauf.

Kündigen ohne neuen Job? Hell, yes!

Suzanne Katharina Frankenfeld

Autorin und Mentorin für Frauen

Suzanne Katharina Frankenfeld
  • Mehr als zwei Jahre lang hielt ich einen „sicheren“, aber furchtbaren Job aus
  • 2015 kündigte ich schließlich, ohne eine neue Anstellung sicher zu haben
  • Und diese Entscheidung habe ich bis heute nicht einen Tag lang bereut

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Sollten Sie Ihren Job kündigen, ohne schon etwas Neues in Aussicht zu haben? Ich sage ganz klar Ja! Warum ich das so undifferenziert und ohne den Einzelfall zu kennen einfach mal herausposaune? Ganz einfach: weil niemand, der auch nur annähernd zufrieden mit seinem Job ist, sich diese Frage überhaupt stellt. Das machen wir in der Regel nur dann, wenn irgendwas im Job schon so sehr „pikt“, dass wir von Natur aus extrem sicherheitsliebenden Wesen den Sprung ins komplett Ungewisse zumindest in Erwägung ziehen.

Ich brauchte erst mal eine Auszeit

Genauso war es auch bei mir. Ich fand mich 2013 in einem gut bezahlten unbefristeten Referentenjob im Konzern wieder, den ich ehrlich gesagt schon nach wenigen Wochen furchtbar fand – vor allem zwischenmenschlich. Doch ich blieb. Noch fast zweieinhalb Jahre. In erster Linie wohl wegen Existenzängsten. Am Ende dieser Zeit war ich psychisch ziemlich neben der Spur; ich hatte mir eine „schöne“ generalisierte Angsterkrankung herangezüchtet. 2015 blieb mir keine andere Wahl mehr, als zu kündigen. Ich wollte und konnte einfach nicht mehr. Damals hatte ich mich gar nicht erst um einen Anschlussjob bemüht, denn für mich war klar, dass ich erst mal eine Auszeit brauchen würde, um seelisch wieder einigermaßen zu Kräften zu kommen.

Diese Entscheidung habe ich bis heute nicht einen Tag lang bereut. Nach meinem Jobaus im Juni 2015 kümmerte ich mich zunächst einmal darum, psychisch wieder fit zu werden. 2016 machte ich mich dann als Onlinemarketingfreelancer selbstständig und begann außerdem, mein Blogprojekt zu monetarisieren. Heute arbeite ich als Mentorin für Frauen und bin persönlich so zufrieden, wie ich es noch nie zuvor in meinem Leben war.

Sicherheit ist sowieso eine Illusion

Mein Weg hat sich Schritt für Schritt ergeben. Im März 2015, als ich kündigte, ohne einen neuen Job in der Tasche zu haben, war er so überhaupt noch nicht absehbar. Wäre ich direkt im Anschluss an meinen „Katastrophenjob“ in die nächste Beschäftigung gewechselt, hätte sich all das, was mein Leben heute ausmacht, sehr wahrscheinlich nicht entwickelt. Ich brauchte erst mal Raum zum Denken und um Dinge aufzuarbeiten, damit eins zum anderen kommen konnte. Und ich denke, so geht es vielen. Die meisten Menschen sind im normalen Alltag mit Job und anderen Verpflichtungen so überreizt, dass sie nicht die Ruhe und den Raum haben, sich darüber klar zu werden, was sie eigentlich wirklich wollen.

Wenn ich höre, dass Menschen davon abgeraten wird, ihrem Wunsch zu folgen, den „sicheren“ Job zu kündigen, rolle ich innerlich mit den Augen. Denn wenn wir mal ehrlich sind, ist Sicherheit sowieso eine Illusion. Wir wissen nie, was kommt. Weder global betrachtet noch in unserem ganz persönlichen Leben. Es ergibt daher überhaupt keinen Sinn, einen Job zu ertragen, den man hasst, nur um eine in Wirklichkeit nicht existente Sicherheit zu bewahren. Manch einer mag diese Haltung als fatalistisch abtun, doch das ist sie nicht. Sie ist nur realistisch. Und das wollen wir doch immer alle – realistisch bleiben. Insofern: Seien Sie gut zu sich. Ganz realistisch, im Hier und Jetzt.

Veröffentlicht:

Suzanne Katharina Frankenfeld
© Grit Siwonia
Suzanne Katharina Frankenfeld

Autorin und Mentorin für Frauen

Die studierte Sozialwissenschaftlerin und gelernte Kauffrau kündigte 2015 ihren unbefristeten Job, ohne eine neue Stelle zu haben. Ihre Erlebnisse, Lehren und Erkenntnisse verarbeitet Suzanne Frankenfeld auf ihrem Blog freeyourworklife.de. Auf Basis ihrer eigenen kurvenreichen Berufslaufbahn und mit der Erfahrung einer tiefen Lebenskrise begleitet sie heute andere Frauen auf dem Weg zu sich selbst. 2017 erschien ihr erstes Buch „Durch die Jobkrise zu mir selbst“, eine Mischung aus Autobiographie und Ratgeber.

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