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Der perfekte Boss: Wie sieht gute Führung aus?

Die Kunst der guten Führung ist in Zeiten von Fachkräftemangel und digitaler Transformation wichtiger denn je. Über die perfekte Führungsstrategie der Zukunft wird aber noch gestritten.

Anja Schauenburg
  • Die Entlassung von Mitarbeitern ist die schwierigste Aufgabe im Leben eines Chefs
  • Gute Vorgesetzte führen Trennungsgespräche grundsätzlich selbst
  • Sie übernehmen Verantwortung für die Betroffenen

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Chef sein kann so einfach sein, solange es rund läuft im Unternehmen. Doch kommt der Betrieb einmal ins Straucheln, muss Kosten sparen und Stellen streichen, zeigt sich schnell, wer nur ein Schönwetterkapitän ist und wer das Zeug zu einer echten Führungspersönlichkeit hat.

Ein guter Chef führt Trennungsgespräch grundsätzlich selbst

Mitarbeiter zu entlassen, ist die schwierigste Aufgabe im Leben eines Chefs. Und so erlebe ich immer wieder, wie diese delegiert wird - an die Personalabteilung oder einen externen Profi. Liebe Chefs, das geht gar nicht! Wer nicht den Mut aufbringt, auch langjährige und verdiente Mitarbeiter persönlich zu kündigen, riskiert nicht nur das eigene Ansehen, sondern die Leistungsbereitschaft der verbleibenden Belegschaft gleich mit. Denn diese schaut genau hin, wie mit den Kollegen in schwierigen Situationen umgegangen wird. Fehlt es an Aufrichtigkeit und Wertschätzung im Trennungsprozess, schwindet das Vertrauen in Ihre Führungsqualitäten und die Bereitschaft Ihrer Mitarbeiter, für das Überleben des Unternehmens alles zu geben.

Ein guter Chef bereitet sich ordentlich vor

Oft erlebe ich, wie Trennungsgespräche ganz ohne Vorbereitung geführt werden. Augen zu und durch, lautet die Devise: Ein nettes Wort, ein warmer Händedruck – wird schon gutgehen? Nein! Ein guter Chef bereitet sich ordentlich vor: Die meisten Entlassungen sind betrieblich bedingt; Geschäftsmodelle verändern sich, werden verschlankt oder fallen weg. Unternehmen werden ge- oder verkauft, Abteilungen zusammengelegt, Filialen geschlossen. Entwickeln Sie eine klare Veränderungsbotschaft, die den Stellenabbau für den Mitarbeiter nachvollziehbar macht und verdeutlicht, warum genau seine Position betroffen ist. Bleiben Sie dieser Botschaft treu und vermeiden Sie weitere Erklärungen oder gar Rechtfertigungen. Ich habe Chefs schon Sätze sagen hören, wie: „Mir persönlich waren Sie ja immer ein geschätzter Mitarbeiter, aber …“. Aussagen dieser Art helfen dem Betroffenen nicht weiter und sorgen leicht für Missverständnisse über die Endgültigkeit Ihrer Entscheidung.

Ein guter Chef übernimmt Verantwortung für die Betroffenen

Um das Überleben Ihres Unternehmens zu sichern, müssen Kosten gesenkt und Mitarbeiter entlassen werden? In manchen Fällen ist das notwendig und selten Ihr persönliches Verschulden, stattdessen Ausdruck einer zunehmend globalisierten und digitalisierten Wirtschaft. Dennoch tragen Sie immer auch eine Mitverantwortung für die berufliche Zukunft Ihrer ehemaligen Mitarbeiter. Eine großzügige Abfindungsregelung kann da zwar den Trennungsschmerz kurzfristig lindern, aber keinesfalls automatisch berufliche Perspektiven und nachhaltige Existenzsicherung bieten. Als guter Chef stärken Sie die „Beschäftigungsfähigkeit“ Ihrer Mitarbeiter, zum Beispiel im Rahmen von Weiterbildungs- und Transfermaßnahmen. Denn: Wer die Marktlage kennt, seine Fähigkeiten realistisch einschätzen und sein Profil entlang der Bedürfnisse des Marktes weiterentwickeln kann, hat deutlich mehr Möglichkeiten, auch im Falle eines Jobverlustes schnell wieder in Arbeit zu kommen.

Das hilft nicht nur Ihren ehemaligen Mitarbeitern, sondern verbessert gleichzeitig auch Ihre eigene Attraktivität als Arbeitgeber, gerade in schwierigen Zeiten mit hoher Fluktuation und einem Mangel an gut ausgebildeten Fachkräften.

Was denken Sie? Sind Kündigungen immer Sache des Chefs?

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Anja Schauenburg
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Anja Schauenburg

Geschäftsführerin, Die Personalumbauer

Seit 17 Jahren begleitet Anja Schauenburg (Jg.1966) Unternehmen in allen Phasen des Personalumbaus. Von Kodak über Deutsche Telekom bis Sparkasse. Denn Personalumbau ist ein heißes Eisen mit ganz eigenen Gesetzen: Kaum etwas kann das Unternehmensklima so verschlechtern und die Leistungsfähigkeit der Organisation nachhaltig senken.

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