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Innere Zufriedenheit: Wie finden wir wieder Freude am Job?

Viele Menschen geben an, nur noch Dienst nach Vorschrift zu machen. Aber wie bleibt man glücklich und gut gelaunt, wenn mal nicht alles rund läuft bei der Arbeit?

Lasst die Mitarbeiter ihre Jobs selbst designen!

Mag. Nicole Thurn
  • Mit Jobcrafting entdecken Mitarbeiter ihre intrinsische Motivation
  • Das erhöht Arbeitszufriedenheit, Produktivität und Bindung ans Unternehmen
  • Unternehmen können ihre Innovationsfähigkeit verbessern

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Laut einer aktuellen Gallup-Studie machen 71 Prozent der deutschen Arbeitnehmer Dienst nach Vorschrift. Das sollte den Unternehmenslenkern zu denken geben. Wo bleibt die Freude im Job? Und noch spannender ist: Was läuft bei Menschen, die ihren Job mögen, anders?

Dieser Frage sind die US-Forscherinnen Amy Wrzesniewski (Yale School of Management) und Jane Dutton (University of Michigan’s Ross School of Business) bereits im Jahr 2001 in einer Studie über Reinigungskräfte an einer Universitätsklinik nachgegangen. Sie analysierten die Ursachen für die Jobzufriedenheit beziehungsweise -unzufriedenheit im Team. Das Ergebnis: Die unzufriedenen Mitarbeiter putzten die Räume und machten Dienst nach Vorschrift. Die zufriedenen Mitarbeiter allerdings bemühten sich um die Patienten, bauten Beziehungen zu ihnen auf, sahen Sinn in ihrer Arbeit – nämlich eine gesunde, sterile Umgebung für kranke Menschen zu schaffen.

Aus diversen weiteren Studien entwickelten die Forscherinnen das Konzept des „Jobcrafting“, abgeleitet aus der positiven Psychologie. Konzerne wie Google, Logitech und VMware schwören darauf. Daraus entwickelten sie die „Job Crafting Exercise“, einen Workshop für Teams, der dazu animiert, den bestehenden Job mehr an die eigenen Werte, Stärken und Leidenschaften anzupassen.

Eine große Metaanalyse von Hannes Zacher von der Universität Leipzig, der mit US-amerikanischen Kollegen 122 Einzelstudien zu 35.000 Erwerbstätigen ausgewertet hat, zeigt: Jobcrafting erhöht die Arbeitszufriedenheit, das Arbeitsengagement und die Produktivität – und es verringert Stress. Dabei reicht es schon, an kleinen Schrauben zu drehen.

Konkret geht es um drei Ebenen der Veränderung

  • Taskcrafting: Die täglichen Aufgaben und Aktivitäten werden reflektiert und gegebenenfalls verändert. Sie werden zeitlich priorisiert (zum Beispiel mehr Zeit für Kundengespräche, weniger für Administratives), inhaltliche Schwerpunkte werden verschoben oder umverteilt, neue Lösungen für mehr Effizienz gesucht (zum Beispiel über Apps).
  • Relational Crafting: Mit wem man wie, wann und wo zusammenarbeitet, wird bei Bedarf so verändert, dass alle zufriedener sind. Man hinterfragt kollegiale Beziehungen, sucht sich passende Sparringspartner für gemeinsame Projekte.
  • Cognitive Crafting: Die Einstellung zur eigenen Arbeit und zur Zusammenarbeit mit anderen wird überprüft und neu definiert – das verändert das eigene Sinnerleben und ermöglicht neue Wege des Engagements.

Viele tun es, aber ohne Anerkennung

Viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter praktizieren Jobcrafting bereits – nur unbewusst. Manche verlieren sich in ihren Lieblingsaufgaben und machen freiwillig Fleißarbeit, während sie die unliebsamen To-dos auf Übermorgen prokrastinieren. Ein positiver Nebeneffekt ist: Die Mitarbeiter entdecken über die bewusste Auseinandersetzung mit sich und ihrem Job ihre intrinsische Motivation neu. Und: Sie üben sich in Selbstverantwortung. Sie suchen sich Sparringspartner, setzen kleine Projekte um oder initiieren eine bessere Aufgabenverteilung im Team.

Für Unternehmen können so ganz neue Chancen entstehen. Die Marketingmanagerin, die lieber mehr Kontakt mit Menschen hätte, könnte nebenbei mit Kunden Interviews führen und so wertvolle Informationen für ihre Kampagne gewinnen. Der IT-Techniker, der einst Lehrer werden wollte, könnte die Software-Einschulungen für die neuen Mitarbeiter übernehmen – anstatt des überteuerten externen Trainers. Gibt das Management diesen Freiraum, ohne die Mitarbeiter mit Zusatzarbeit zu sehr zu belasten, können daraus Ideen und abteilungsübergreifende Projekte entstehen, die wieder in die Innovationsfähigkeit des gesamten Unternehmens einzahlen. Zusätzlich werden die Stärken der Mitarbeiter sichtbarer – einfach weil sich diese bewusst damit auseinandersetzen.

Jobcrafting kann also eine Win-win-Situation sein – die Arbeit wird innovativer, die erhöhte Motivation und Jobzufriedenheit in den Teams steigern auch die Produktivität und Mitarbeiterbindung – und verbessern die Stimmung im Unternehmen. Den eigenen Job selbst zu kreieren, das wird künftig ein wesentlicher Bestandteil der neuen Arbeitswelt. Auf jeden Fall dort, wo Abteilungsgrenzen gesprengt werden, Hierarchien abgeschafft und wo agiles Agieren notwendig wird.


Nicole Thurn ist Rednerin auf der New Work Session (NWS) in Wien, die in diesem Jahr am 5.Dezember im Bene und kununu-Office im Herzen Wiens in der Neutorgasse 4 stattfindet. Die NWS wird von XING in Kooperation mit Kununu und Das Neue Arbeiten DNA ausgerichtet und beschäftigt sich mit der Frage, wie sich von Arbeitgebern eine Kultur schaffen lässt, in der frische Ideen entstehen und sich weiterentwickeln können. Zum Warm-up gibt es bereits am 4.Dezember nachmittags zwei Veranstaltungen. Programm und Online-Tickets finden Sie hier.

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Mag. Nicole Thurn
© Thurn
Mag. Nicole Thurn

Journalistin und Bloggerin, New Work Stories

for New Work, Sinn, Arbeitswelt

Die freie Journalistin (Jg. 1980) ist Bloggerin, Moderatorin und Trainerin. Nicole Thurn war fast zehn Jahre bei der österreichischen Tageszeitung „Kurier“ tätig, davon sieben Jahre lang als Journalistin im Ressort Karriere/Job. Seit Anfang 2017 betreibt sie den Blog New Work Stories. In ihrem Blogzine konzentriert sie sich auf die neue Arbeitswelt, die so diffus daherkommt, vielen Angst macht und ihrer Meinung nach enorme Chancen bietet. Nicole Thurn bietet zudem Moderationen sowie Workshops und Vorträge an.

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