Power of Diversity: Wie verschieden wollen wir sein?

78 Prozent der in einer XING Studie befragten Personaler glauben, dass mehr Vielfalt eine Firma erfolgreicher macht. Aber wo stehen wir in Deutschland heute wirklich bei dem Thema?

Liebe Diversitybeauftragte, denkt an die soziale Herkunft!

Natalya Nepomnyashcha
  • Firmen achten im Bereich Diversity meist nur auf Geschlecht und Abstammung
  • Dabei führt soziale Herkunft zu wesentlich größeren Unterschieden
  • Menschen aus verschiedenen Gesellschaftsschichten zu beschäftigen lohnt sich

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Die meisten Unternehmen haben heute zum Glück erkannt, dass mehr Diversität in der Belegschaft auch mehr Erfolg bedeutet. Allerdings übersieht der Großteil von ihnen einen wesentlichen Faktor – die soziale Herkunft. Dadurch verpassen sie zahlreiche Chancen, die insbesondere Menschen aus prekären Verhältnissen für Unternehmen bedeuten können.

Während Unterschiede im Geschlecht oder ein Migrationshintergrund allerdings häufig unmittelbar auffallen und auch besser messbar sind, sieht man Menschen ihre soziale Herkunft nicht auf den ersten Blick an. Dabei ist sie einer der prägendsten Einflüsse und bis heute der Faktor, der ihre Chancen am nachhaltigsten beeinflusst.


Ein Coming-out im Büro? Warum sich das in ihrem Fall nicht verhindern ließ, berichtet hier unsere Gastautorin Sarah Ungar.


Selbstverständlich ist es sinnvoll, auch eine Frau mit Migrationshintergrund besonders zu fördern. Doch kommt sie aus der Mittelschicht, hatte sie vermutlich bessere Chancen als ein junger Mann ohne Migrationshintergrund, dessen Eltern arbeitslos sind. Denn dieser junge Mensch ist seiner potenziellen Konkurrentin gleich in mehreren Bereichen unterlegen – etwa durch fehlende Netzwerke, Informationsdefizite oder ein wenig selbstsicheres Auftreten.

Menschen aus prekären Verhältnissen bringen besondere Fähigkeiten mit

Ihn zu fördern bedeutet jedoch nicht nur, ihm Chancen zu eröffnen, sondern birgt auch unmittelbare Vorteile für Unternehmen. Gerade Menschen aus prekären Verhältnissen sind häufig besonders durchsetzungsstark, arbeiten zielstrebig und lösungsorientiert. Beginnend mit der Schulzeit müssen sie gegen große Widerstände ankämpfen, denn Bildungschancen hängen in Deutschland nach wie vor stark von der sozialen Herkunft ab.

Und auch nach der Schulzeit enden die Herausforderungen nicht. Fehlende Netzwerke und Vorbilder, die beispielsweise bei der Studienorganisation oder dem Berufseinstieg helfen können, erschweren selbst bei erfolgreicher Schullaufbahn häufig den weiteren Aufstieg – von finanziellen Problemen ganz zu schweigen. Wer trotz dieser Hindernisse einen Bildungsaufstieg erreicht, ist besonders belastbar und stark intrinsisch motiviert, immer bereit, dazuzulernen und neue Impulse aufzunehmen.

Firmen müssen sozialen Hintergrund als Diversityfaktor anerkennen

Die besonderen Kompetenzen von Menschen aus prekären Verhältnissen zu fördern und ihnen Chancen zu eröffnen muss daher aus Eigeninteresse ein Ziel von Unternehmen sein. Dazu gilt es, die soziale Herkunft als einen wichtigen Diversityfaktor anzuerkennen und Programme zur Einstellung und Förderung von Mitarbeitern unterschiedlicher sozialer Schichten zu entwickeln – sowohl für Akademiker als auch für Nichtakademiker. Denn soziale Herkunft prägt Menschen zweifelsfrei nicht weniger stark als ihre Abstammung oder ihr Geschlecht.


Diskutieren Sie mit, liebe Leserinnen und Leser: Wie divers ist ihr Team? Sind Sie vielleicht selbst ein/e Diversitybeauftragte/er? Wie sehen Sie die soziale Herkunft?

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Natalya Nepomnyashcha
© Netzwerk Chancen
Natalya Nepomnyashcha

Gründerin, Netzwerk Chancen

for Karriere, Gründung, Aufstiegschancen

Natalya Nepomnyashcha (Jg. 1989) wuchst im sozialen Brennpunkt in Bayern auf. Auch ohne Abitur machte sie 2012 einen Masterabschluss. Nach dem Studium der Internationalen Beziehungen war sie u. a. für eine NGO aus Westafrika sowie eine internationale Unternehmensberatung tätig. Im Jahr 2016 gründete sie nebenberuflich Netzwerk Chancen. Das soziale Unternehmen bietet ein ideelles Förderprogramm für soziale Aufsteiger und kollaboriert mit potentiellen Arbeitgebern.

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