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Generation ohne Führungsambition – Gehen uns bald die Chefs aus?

Die Generation der Millennials kann sich nicht vorstellen, zu führen. Laut einer Studie setzt die Mehrheit auf ganz andere Karriereziele. Die Gründe dafür liegen in den Werten ihrer heutigen Chefs.

Stephan Rathgeber
  • Nur 13 Prozent der Millennials können sich vorstellen, selbst zu führen
  • Auch wenn ich dazugehöre, kann ich die fehlende Begeisterung verstehen
  • Die Gründe dafür liegen auch in den Werten unserer heutigen Chefs

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Ich bin eine Minderheit. Ich gehöre zu den 13 Prozent der heute 20- bis 34-jährigen Berufstätigen in Deutschland, die noch Führungsverantwortung übernehmen wollen. Sei es an der Spitze einer Firma, im mittleren Management oder als Geschäftsführer des eigenen Unternehmens. Auch wenn also seit Jahren Gründerwettbewerbe und Start-ups gerade bei Uni-Absolventen sehr beliebt sind – die Motivation, ein eigenes Unternehmen aufzubauen, liegt für Millennials in etwas anderem als in einer Führungsposition. Weltweit betrachtet, wollen immerhin 22 Prozent der Millennials Führungsverantwortung übernehmen. Das haben wir, die Manpower Group, in einer Studie mit über 19.000 befragten Millennials und 1500 Personalverantwortlichen weltweit herausgefunden.

Die Mehrheit meiner Generation setzt auf andere Karriereziele: An erster Stelle steht der Wunsch nach Arbeit in einem tollen Team. Gutes Geld verdienen steht für Millennials an zweiter Stelle, gefolgt von dem Wunsch, einen sinnvollen Beitrag zur Gesellschaft zu leisten. Auch Sicherheit spielt eine wichtige Rolle, allerdings definieren Millennials Sicherheit anders als die Generationen vor ihnen. Für sie zählt die kontinuierliche Weiterbildung, um für den Arbeitsmarkt attraktiv zu bleiben, als Sicherheit. Sie sehen, dass die Arbeitswelt immer dynamischer und damit auch unvorhersehbarer wird. In dieser Zeit der „sicheren Unsicherheit“ verlassen sie sich lieber auf sich selbst und ihr Können anstatt auf die wirtschaftliche Lage eines Unternehmens oder der Gesellschaft als Ganzes.

Zudem wird die Führungsbereitschaft von der Tatsache gehemmt, dass die meisten Millennials heute von zwei Generationen geführt werden, die eine andere Einstellung zum Thema Arbeit haben: den Babyboomern und der Generation X. Babyboomer sind bekannt für ihre Karriereorientierung. Sie haben die jetzige Arbeitswelt entscheidend mitgeprägt. Harte Arbeit, Verantwortung und Disziplin sind zentrale Werte, die sie heute genauso von den jüngeren Generationen einfordern. Sie wollten immer schnell in Führungspositionen aufsteigen und sehen Arbeit als Lebensmittelpunkt an. Auch die Generation X will beruflich vorankommen und sich ein „gutes Leben“ erarbeiten. Der große Unterschied ist, dass sie eher „arbeiten, um zu leben“ statt „leben, um zu arbeiten“. Beide vereint aber eine selbstverständliche Orientierung an der klassischen Karriereleiter. Aufgrund dessen spielt ein autoritärer Führungsstil für die Babyboomer und die Generation X nach wie vor eine selbstverständliche Rolle. Diese passt aber nicht zu den Vorstellungen der Millennials. Dementsprechend werden sie von Menschen geführt, dessen Arbeitswerte und -einstellungen nicht mit ihren eigenen übereinstimmen.

Ich selbst führe, weil ich gestalten will

Zudem genießen Führungskräfte hierzulande gerade keinen guten Ruf. Negative Schlagzeilen und fehlendes Vertrauen der Unternehmen in ihre Führungskräfte – das steht im Gegensatz zum starken Wunsch der Millennials nach Wertschätzung und Anerkennung. Hinzu kommen ganz praktische Wünsche, die mit einer Führungsrolle zumeist nur schwer vereinbar sind. 88 Prozent der Millennials wünschen sich signifikante Unterbrechungen in der Karrierelaufbahn, sei es für die Betreuung des eigenen Kindes, für Weiterbildung oder für Weltreisen. Das scheint zunächst nicht in das strikte Führungskorsett zu passen. Thomas Vollmoeller, CEO bei XING, hat für viel Aufsehen gesorgt, als er verkündete, ein Sabbatical zu nehmen. Das zeigt, dass sich auch die Rolle der Führungskraft verändert, allerdings zeugt das hohe Medieninteresse eben auch von der Seltenheit derartiger Freiheiten in der Chefetage.

Der entscheidende Grund für mich, eine Führungsrolle zu übernehmen, war und ist meine Freude am Gestalten. Ich möchte etwas Gutes tun und zu Verbesserungen beitragen. Das geht kaum ohne Führung. Als Führungskraft habe ich viele Verpflichtungen und trage Verantwortung, aber ich habe eben auch einen größeren Sandkasten mit mehr Spielzeug zum Austoben. Typisch Mann, denken sich jetzt sicher viele Leser.

Neben dem Spaß am Gestalten spielt auch eine idealistische Komponente mit. Ich bin, typisch Millennial, daran interessiert, mit meiner Arbeit Sinnvolles zu tun und die Welt nach meinen Möglichkeiten ein Stück weit zu einem besseren Ort zu machen. Ich bin fest davon überzeugt, dass eine Führungsposition mir das einfacher macht. Ich kann bestimmte Sachen durch- und umsetzen, die meinem Unternehmen, den Mitarbeitern und den Menschen, die wir berühren, einen Wert bringen.

Um Millennials fürs Führen zu begeistern, müssen Unternehmen umdenken

Die Anerkennung, die das Führen mit sich bringt, ist somit ebenfalls ein wichtiger Aspekt, den ich nicht mehr missen möchte. Auch wieder typisch für die Generation Millennials. Bei allen Diskussionen rund um Sinn und Spaß bei der Arbeit darf man aber nicht außer Acht lassen, dass eine Führungsposition natürlich auch ganz praktische Vorteile bringt, wie ein höheres Gehalt und andere Privilegien, zum Beispiel einen Firmenwagen. Etwas, das Millennials nach wie vor sehr wichtig ist – aber eben nicht ausschließlich.

Es gibt mehrere Sachen, die Unternehmen tun können, um Millennials für Führungsaufgaben zu begeistern und vorzubereiten. Zum einen gehört ein Kulturwandel im Unternehmen dazu: Von Führungskräften wird zu oft Perfektion verlangt. Sie sollen von Anfang an Leistung bringen, ohne sich Fehler zu erlauben. Das ist nicht nur unrealistisch, sondern wirkt auch abschreckend. Unternehmen sollten daher an einer Fehlerkultur arbeiten und (angehenden) Führungskräften einen Rahmen gewähren, in dem sie sich ausprobieren und aus ihren Fehlern lernen können. Dazu gehört auch eine Begegnung auf Augenhöhe zwischen Führungskraft und Mitarbeitern. Ein Leader ist „Erster unter Gleichen“ anstatt einer einsamen Person an der Spitze der Pyramide. Denn genau dieser Gedanke des einsamen Wolfes macht die Führungsaufgabe für Millennials so unattraktiv: Sie wollen mit tollen Menschen zusammenarbeiten, anstatt allein alles zu delegieren und dafür den Kopf hinhalten zu müssen.

Zur Kultur kommt zudem das Einräumen von genug Freiraum und Platz für Führungsaufgaben. Leadership braucht Zeit! Führungskräfte müssen von inhaltlichen Aufgaben entlastet werden, wenn sie wirklich ein Team führen wollen. Auch der beste Ingenieur muss irgendwann seine technischen Fähigkeiten anderen überlassen, um sich seiner Führungsverantwortung voll widmen zu können. So kultivieren Unternehmen die nächste Generation an Führungskräften. Sie zeigen Millennials, inwiefern die Übernahme von Führungsaufgaben mit den eigenen Langzeit-Karriereplänen harmonieren kann, und helfen dabei, die Beschäftigungsfähigkeit auf dem Arbeitsmarkt auch in Zukunft zu sichern.

Veröffentlicht:

Stephan Rathgeber
© Manpower
Stephan Rathgeber

Director Marketing, Corporate Communications & Digital, Manpower Group

für Millennials und Führung

Stephan Rathgeber (Jg. 1984) leitet als Director Marketing, Corporate Communications & Digital ein Team von 25 Mitarbeitern und setzt sich sowohl in seiner Rolle als auch in der Industrie, in der er agiert, täglich mit der Arbeitswelt von morgen auseinander. Digitale Transformation gestalten, die Zukunft entdecken und umsetzen, leidenschaftliche Führung sowie aktives Netzwerken sind seine Steckenpferde. Immer im Fokus: Gutes tun, Spaß haben und erfolgreich sein!

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