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Der perfekte Boss: Wie sieht gute Führung aus?

Die Kunst der guten Führung ist in Zeiten von Fachkräftemangel und digitaler Transformation wichtiger denn je. Über die perfekte Führungsstrategie der Zukunft wird aber noch gestritten.

Menschenkenntnis und Zutrauen machen gute Führungskräfte aus

Prof. Götz W. Werner

Gründer und Aufsichtsrat, dm-drogerie markt

Prof. Götz W. Werner
  • Kontrollstrukturen sind ein Ausdruck von Misstrauen und hemmen Initiative
  • Wenn Menschen Wertschätzung erhalten, entwickeln sie sich und damit die Firma
  • Die Suche nach der Sinnfrage ist die Hauptaufgabe einer Arbeitsgemeinschaft

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„Die Zukunft liegt darin, dass Menschen da sind, die aus sich heraus in der richtigen Weise handeln“, sagte einmal Rudolf Steiner. Wenn man sich dem, was Führung ausmacht, nähern möchte, dann ist das ein sehr wichtiger Gedanke.

Der nächste wichtige Gedanke ist, über den Begriff „Führungskraft“ zu sinnieren. Unsere Begrifflichkeiten haben sich da in den vergangenen 30, 40 Jahren völlig gewandelt. Damals war es noch der Herr Direktor, der die Direktiven vorgab. Und die Gefolgschaft hatte zu gehorchen. Heute ist das unvorstellbar. Das liegt natürlich auch daran, dass sich die Auffassung davon, was ein Unternehmen ist, gewandelt hat: Heute ist ein Unternehmen ein sozialer Organismus. Eine Prozessorganisation, bei der jeder Beteiligte die Leistung eines anderen aufgreift, verwandelt und sie weitergibt. Wenn man genau hinschaut, stellt man fest, dass ein Unternehmen eine Plattform ist, die für alle beteiligten Menschen einen Lebensschauplatz darstellt. Und das hat wesentliche Auswirkungen auf die Gestaltung des Unternehmens. Es braucht Rahmenbedingungen, sodass jeder Beteiligte im Unternehmen selbst erkennen kann, was zu tun ist. Und wie schafft man Rahmenbedingungen, durch die der Einzelne initiativ werden kann?

Führung heißt Bewusstsein führen

Meine Erfahrung ist, dass Kontroll- und Anweisungsstrukturen Initiative hemmen, denn jede Kontrolle ist ein Ausdruck von Misstrauen. Initiative braucht Freiraum. Wer Freiräume ermöglicht, muss Zutrauen in seine Mitmenschen haben. Menschen suchen Zutrauen, sie wollen Anerkennung und Wertschätzung. Wenn sie das erhalten, entwickeln sie sich, und mit ihnen entwickelt sich das Unternehmen.

Die Initiative des Einzelnen ist die Folge von gelungener Ich-Entfaltung. Wenn man dies anerkennt, dann hat das wiederum Folgen für die Art und Weise, wie man miteinander umgeht. Nur in einer Atmosphäre von Respekt und Wertschätzung kann eine Arbeitsgemeinschaft florieren. Und auf Unternehmensführung übertragen heißt das: Führung heißt, Bewusstsein führen, und die Aufgabe ist, miteinander ein Zielbewusstsein zu generieren, bei dem die Beteiligten sagen: „Das ergibt Sinn.“

Jeder Mensch ist ein Unternehmer

Das Forschen nach der Sinnfrage, nach dem Warum und Wozu zu fragen, ist eine Hauptaufgabenstellung für eine Arbeitsgemeinschaft. Wenn Menschen einen Sinn erkennen und bereit sind, aufgeschlossen mit Aufgaben umzugehen, dann fördert das innovative Lösungen, neue Produkte können kreiert oder kreative Dienstleistungen angeboten werden. Die Menschen verbinden sich mit ihren Aufgaben, und der Arbeitsplatz wird zum Lebensschauplatz.

Jeder Mensch ist ein Unternehmer – ein Unternehmer seines eigenen Lebens. Wenn er in einer Gemeinschaft Bedingungen vorfindet, die es ihm erlauben, sich zu entwickeln, wird er seine Fähigkeiten, Talente und Ideen zum Wohle dieser Gemeinschaft einsetzen. Langfristig erfolgreich können ein Unternehmen und seine Führungsverantwortlichen nur sein, wenn das Interesse für die beteiligten Menschen kultiviert wird und sich eine ausgeprägte Fragekultur entwickelt. Kurz gesagt: wenn die Führungskräfte bereit sind, Menschenkenner zu werden.


Prof. Götz W. Werner ist einer von mehr als 60 Experten, die bei der New Work Experience von XING über die Arbeitswelt der Zukunft sprechen werden. Die NWX18 in der Hamburger Elbphilharmonie ist mittlerweile restlos ausverkauft. Die Veranstaltung kann am 6. März über newworkexperience.xing.com im Livestream mitverfolgt werden.

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Prof. Götz W. Werner
© dm/Alex Stiebritz
Prof. Götz W. Werner

Gründer und Aufsichtsrat, dm-drogerie markt

Prof. Götz W. Werner (Jg. 1944) ist Gründer und inzwischen Aufsichtsrat von dm-drogerie markt. 1973 eröffnete er den ersten Markt in Karlsruhe. Er war Mitglied mehrerer Aufsichtsräte und Beiräte. Für seine antiautoritäre Unternehmensführung und sein soziales Engagement wurde er mehrfach ausgezeichnet: u.a. mit dem Verdienstorden 1. Klasse der Bundesrepublik und dem Deutschen Gründerpreis. Mit seinem Buch „Einkommen für alle“ hat Werner eine Diskussion über ein Bedingungsloses Grundeinkommen (BGE) entfesselt.

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